Restaurator – Zimmerer­handwerk

Man braucht sehr hochwertige und spezielle Werkzeuge.

Von der Schönheit alter Balken

Einen historischen Dachstuhl für die Zukunft bewahren? Für solche Aufgaben braucht es Fachkräfte wie Mirko Dietrich (36), die sich regelmäßig weiterbilden.

Alte Bausubstanz und historische Handwerkstechniken faszinierten Mirko Dietrich schon während seiner Ausbildung. „Die Zimmerer haben früher noch aufwendiger gearbeitet“, sagt der 36-Jährige. Als sein damaliger Arbeitgeber die Zimmereiabteilung auflöste, schaute sich der Zimmerermeister nach einer Weiterbildungsmöglichkeit im Bereich Restaurierung um: „Ich hatte zwar schon viel praktische Erfahrung mit Restaurierungen gesammelt, wollte mit den Fachleuten aber auf Augenhöhe reden können.“ Am Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege in Görlitz fand Mirko Dietrich die passende Weiterbildung.

Historische Techniken

Die Qualifizierung fand in Vollzeit statt und erstreckte sich über einen Zeitraum von fünf Monaten. Täglich fuhr der Zimmerermeister vom seinem Wohnort in Radeberg zum Weiterbildungsträger. Die Kosten in Höhe von rund 3.500 Euro konnte er über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanzieren. Prinzipiell können Maßnahmen wie diese entsprechend gefördert werden, wenn die dafür notwendigen Voraussetzungen gegeben sind.

Der Unterricht fand jeweils von 7 bis 16 Uhr statt. Bei fächerübergreifenden Inhalten erfolgte er in einer Gruppe mit Teilnehmern aus anderen Gewerken, bei fachspezifischen Inhalten blieben die einzelnen Gewerke unter sich. Auf dem Lehrplan standen Aufgaben und Methodik in der Denkmalpflege, Bau- und Denkmalrecht, Kunst- und Kulturgeschichte, chemische und mineralogische Grundlagen, Prüf- und Gütekriterien für Baustoffe sowie historische Holzbearbeitungstechniken. Ein wichtiger Bestandteil der Weiterbildung war die Dokumentation, die auch Teil der Abschlussprüfung war. Diese bestand aus mehreren schriftlichen Prüfungen sowie der Verteidigung der Dokumentation. „Die Prüfungsfragen waren teilweise sehr detailliert, man musste sich auch geschichtliche Daten und Rechtsgrundlagen einprägen“, erinnert sich Mirko Dietrich.

Geduld und Geschick

Mittlerweile ist er selbstständig: Mit seinem Unternehmen Zimmerei & Restaurationsbetrieb Mirko Dietrich in Radeberg bietet der Fachmann neben den üblichen Zimmerertätigkeiten vor allem Restaurierungsarbeiten an: „Viele Zimmerer meiden die Restaurierungsarbeiten, weil es fummeliger und schmutziger ist als bei einem Neubau“, sagt der Zimmerermeister. Während beim Neubau eines Dachstuhls mit perfekt vorgefertigten Bauteilen gearbeitet werden kann, findet Mirko Dietrich teils Bausubstanz vor, bei der sich die Holzkomponenten verzogen haben. „Beim Restaurieren geht es dann darum, das Bauwerk so zu bearbeiten, dass der alte Bestand für die Nachwelt möglichst erhalten bleibt“, erläutert er.

Respekt vor dem Alten und Geduld sind unabdingbar, um etwa einzelne Balkenteile eines historischen Dachstuhls in Kleinstarbeit auszutauschen. „Man braucht sehr hochwertige und spezielle Werkzeuge, um das Baumaterial passgenau zuzuschneiden.“ Mit speziellen Bohrern sammelt Mirko Dietrich Proben aus alten Holzbalken und lässt diese dendrochronologisch untersuchen, um das Alter der verwendeten Hölzer zu ermitteln. Auch Endoskop-Kamera und Oszillationssäge kommen bei seiner Arbeit zum Einsatz. Neben der fachlichen Kompetenz ist Kommunikationsbereitschaft in seinem Beruf besonders wichtig – schließlich berät er die Bauherren und erläutert ihnen die Restaurierungsmaßnahmen.

Für die Zukunft plant Mirko Dietrich, sein junges Unternehmen weiter auszubauen: „Auch eine Weiterbildung zum Sachverständigen oder zum Holzschutzgutachter könnte ich mir irgendwann gut vorstellen.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/4032