Restaurator – Maurer­handwerk

Überzeugungskraft und Spaß am Erklären sollte man mitbringen, um für den Erhalt alter Bausubstanz zu werben.

Kalbshaar und Ochsenblut

Um Bauwerke zu erhalten, setzt Sören Rudolph (39) auf eine Mischung aus altbewährten Materialien und moderner Technik. Die nötigen Fachkenntnisse eignete er sich in einer Qualifizierung an.

Alte Bauwerke, die Errungenschaften der Generationen vor uns – das sind Dinge, die Sören Rudolph begeistern. „Was unsere Altvorderen bereits geleistet haben, ist einfach faszinierend“, sagt er.

Schon als er noch Maurergeselle war, stand für ihn fest, dass er später zur Erhaltung historischer Gebäude beitragen wollte. In der Folge absolvierte er zunächst die Meisterschule – und hörte dabei von der Qualifizierung zum geprüften Restaurator im Maurerhandwerk. Nachdem er einige Zeit bei der Bundeswehr gedient hatte, suchte er nach einem entsprechenden Lehrgang und wurde am Görlitzer Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege e.V. fündig. Um an der Weiterbildung zum Restaurator im Handwerk teilzunehmen, ist ein Meisterabschluss als Maler, Tischler, Zimmerer, Stuckateur, Steinmetz oder Maurer Voraussetzung. „Aber auch Altgesellen werden bei entsprechender Erfahrung zugelassen“, ergänzt Sören Rudolph. Die Lehrgangskosten in Höhe von rund 3.000 Euro übernahm für ihn der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr. Die 60 Kilometer von Bautzen nach Görlitz konnte er pendeln.

Historische und moderne Techniken

Die Vollzeitweiterbildung dauerte sechs Monate und gliederte sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil stand neben Materialkunde, Bau- und Denkmalrecht sowie Grundsätzen der Denkmalpflege auch Baustilkunde von der Antike bis ins 20. Jahrhundert auf dem Lehrplan. Im praktischen Teil eignete sich Sören Rudolph die handwerklichen Fertigkeiten an, um verschiedene Mauerwerke – von Natur- und Backstein bis Lehmbau und Fachwerk – zu restaurieren. Außerdem beschäftigte er sich mit Bauphysik und -chemie und lernte, Materialproben im Labor zu analysieren.

Zum Ende der Qualifizierung musste er eine schriftliche Prüfung bestehen und eine Abschlussarbeit anfertigen: „Ich habe die Dokumentation für die Restaurierung einer sogenannten Schatznische im Keller eines rund 500 Jahre alten Hauses angefertigt."

Analysen im Labor

Gleich nach seinem Abschluss machte sich der Restaurator selbstständig. Im eigenen Betrieb in Kirschau konserviert, restauriert und rekonstruiert er alte und neue Bauten für private wie öffentliche Auftraggeber. Erster Schritt ist dabei die historische Einordnung eines Bauwerks samt verwendeten Materialien. „Ob ich beispielsweise bei der Instandsetzung einer alten Fassade kalk- oder zementgebundenen Mörtel einsetze, wirkt sich unterschiedlich auf das darunterliegende Mauerwerk aus“, erläutert der Fachmann. „Da kann man viel Schaden anrichten.“ Im eigenen Labor analysiert er daher die genaue Zusammensetzung der vorgefundenen Materialien – und stößt bisweilen auf Zutaten, die heutzutage eher seltsam wirken: „Die verwendeten Zusätze reichen von Eiweiß und Kasein über Ochsenblut bis hin zu Kälber- und Dachshaaren.“ Bei seiner Arbeit setzt der Restaurator auf modernste Technik – er benutzt etwa CAD-Programme, Lasermessgeräte und Kameradrohnen. Mörtelmischungen fertigt er auch mal nach Eigenrezeptur an. „Alle Mittel sind recht, wenn sie dem Erhalt des Bauwerks dienen."

Ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit ist die Beratung von Architekten, Ingenieurbüros und Denkmalämtern. „Überzeugungskraft und Spaß am Erklären sollte man mitbringen, um für den Erhalt alter Bausubstanz zu werben."

Als Nächstes strebt Sören Rudolph eine Vergrößerung seines Betriebs an. „In ein paar Jahren steht außerdem ein Auffrischungsseminar an – ich will ja auf dem aktuellsten Stand bleiben.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/3975