Orgelstimmer

Es ist wichtig, dass die Orgel vor dem Stimmen einwandfrei funktioniert.

Im Außendienst für den perfekten Klang

Tobias Herold (28) ist viel unterwegs. Wenn eine Orgel planmäßig gewartet werden muss oder vor einem Konzert plötzlich die Stimmung eines Instruments nicht optimal ist, weiß der Orgelstimmer, was zu tun ist.

Orgelstimmen – das sei „ein unglaublich vielfältiges und komplexes Thema, das viel Praxiserfahrung erfordert“, erklärt Tobias Herold. Worauf es grundsätzlich ankommt, die typischen Handgriffe, das hatte er während seiner Ausbildung zum Orgel- und Harmoniumbauer gelernt: „Ich habe zum Beispiel oft die Tasten gehalten, während der zuständige Geselle die Orgel gestimmt hat, und dabei mitgehört. Zum Schluss durfte ich dann auch schon selbst an die Pfeifen und mitstimmen.“ Schritt für Schritt wuchs er in die Stimmpraxis hinein, und das Lernen hörte auch nach dem Abschluss seiner Ausbildung nicht auf.

Tour zu Kirchen und Konzerthäusern

Tobias Herold ist als Geselle bei der Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt angestellt. Das Orgelstimmen ist sein Spezialgebiet, er führt aber auch regelmäßig technische Wartungen durch, die mit einer Teil- oder Hauptstimmung verbunden sind. Oft handelt es sich um Orgeln in Kirchen oder Konzerthäusern, dazu kommen Instrumente von Privatpersonen. Seine Kunden rufen den Orgelstimmer auch zu „Notfällen“ – etwa wenn ein Instrument vor einem Konzert verstimmt ist. Mobilität und Flexibilität sind wichtige Anforderungen in seinem Beruf: „Ich bin bundesweit unterwegs, und es kommt vor, dass ich jede Nacht in einem anderen Hotel verbringe.“ Weil etwa Konzerthäuser bis in die Abende hinein ihren Raum für Proben oder Vorstellungen benötigen, fällt sein Einsatz häufig in die Nachtstunden.

Wenn es nicht gerade um Notfälle geht, dann kennt Tobias Herold die einzelnen Stationen seiner Touren bereits im Vorfeld – er erhält eine Planung mit den entsprechenden Kunden und Übernachtungsmöglichkeiten rechtzeitig vor Beginn. Vor Ort bei den einzelnen Terminen bekommt er dann von einer Ansprechperson – meist dem Kantor einer Gemeinde oder einem Konzertorganisten – weitere Instruktionen. Dann testet er das Instrument gründlich, prüft dabei sowohl technische als auch klangliche Aspekte und führt bei Bedarf Reparaturen durch. „Es ist wichtig, dass die Orgel vor dem Stimmen einwandfrei funktioniert, alle Tasten reagieren und die Mechaniken laufen.“

Mit Dorn und Glocke

Um die Orgel zu stimmen, muss Tobias Herold das jeweils angewendete Stimmungssystem kennen, also wissen, auf welche Art die Orgel zuvor gestimmt wurde. Bei komplexeren Fällen können spezielle Stimmgeräte dafür erforderlich sein. Wenn eine Orgel nachgestimmt werden muss, benötigt er nur sein Stimmwerkzeug, bestehend aus Dorn und Glocke, Hammer und Stimmeisen – und sein Gehör. Letzteres ist ebenso wie musikalisches Gespür für seine Aufgaben unverzichtbar.

Schon minimale Temperaturschwankungen von 0,2 Grad können etwas am Instrument verändern – dann ist die Stimmung nicht mehr optimal. Daher kontrolliert Tobias Herold sein Ergebnis mehrfach, bevor er seine Arbeit abschließt und die gestimmte Orgel dem Kunden vorstellt. „Es ist zwar keine Voraussetzung, wird aber gern gesehen, wenn man das Instrument auch selbst spielen kann“, ergänzt der 28-Jährige, der selbst ehrenamtlich als Kirchenmusiker tätig ist. Zurzeit besucht er berufsbegleitend die Meisterschule, um sich noch weiter zu qualifizieren. Und auch darüber hinaus hat er schon Pläne: „Anschließend möchte ich mich noch zum Restaurator weiterbilden.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/2651