Möbel­polsterin

Beim Möbelpolstern kommt es auf Fingerfertigkeit und ein Gespür für die Vorstellungen des Kunden an.

Gut gepolstert

Christa Henninger (58) hat sich auf das Möbelpolstern spezialisiert. Sie bezieht alte Sofas, Stühle und Hocker mit neuen Leder- und Textilbezügen.

Christa Henninger startete nicht auf direktem Weg in ihre heutige Tätigkeit. Ursprünglich hatte sie sich zur Sozialpädagogin qualifiziert, beschloss dann aber im Alter von 30 Jahren, sich beruflich neu zu orientieren. Sie durchlief eine Ausbildung in einem Polsterbetrieb „Dabei merkte ich schnell, dass das genau das war, was ich machen wollte“, erzählt die 58-Jährige. Als sie sich später noch zur Meisterin im Raumausstatterhandwerk weiterbildete, konzentrierte sie sich dabei ebenfalls auf das Polstern. „Beim Möbelpolstern kommt es auf Fingerfertigkeit und ein Gespür für die Vorstellungen des Kunden an. Und man muss natürlich einschätzen können, was machbar ist.“ Generell arbeiten Möbelpolsterer häufig in der industriellen Fertigung, wo sie etwa neue Möbelstücke mit Stoffen und Leder beziehen. Sie können sich aber auch auf die Reparatur und Restaurierung älterer Polstermöbel spezialisieren.

Theatersessel, Barhocker und Arztliegen

Inzwischen führt Christa Henninger ihren eigenen Betrieb in Fürth. Ihre Kunden sind nicht nur Privatleute, sondern kommen auch aus Kultur und Gewerbe. „Für das Stadttheater habe ich unter anderem Stühle, Zuschauersessel und antike Sofas gepolstert“, berichtet sie. Auch die Sofas eines Caféhauses, die Barhocker eines Kinos und Liegen für eine Arztpraxis hat sie gepolstert und bezogen. „Vor allem aber habe ich mich auf Antiquitäten und das gehobene Segment spezialisiert“, sagt sie.

Wenn sich ein Interessent mit einer Anfrage meldet, besucht Christa Henninger ihn meist vor Ort. Sie unterstützt den Kunden dann dabei, das passende Material und Design zu finden. Einige Kunden kommen auch in ihrem Geschäft vorbei und lassen sich dort beraten. „Dabei klären wir unter anderem, ob das Möbelstück nur bezogen oder auch gepolstert werden soll“, erläutert sie. „Das macht einen Unterschied bei den Materialien und beim Preis.“ Nach den ersten Gesprächen erstellt sie einen Kostenvoranschlag, bestellt die ausgesuchten Stoffe bei einem Großhändler und beginnt mit der handwerklichen Ausführung.

Dabei entfernt Christa Henninger zunächst die alten Bezüge und Polster und begutachtet das Möbelstück. Anschließend bringt sie Gurte, Federleinen, Federn oder Federkern, dann Kokosmatte, Schaumgummi oder Rosshaarfüllungen an – je nachdem, was der Kunde beauftragt hat. Über die Füllung kommt der Bezug, den sie strammziehen muss. Zum Schluss verziert sie die Kanten und nimmt letzte Feinarbeiten vor.

Werkstoff Leder

Als Obermaterial kommt häufig auch Leder oder Kunstleder zum Einsatz. „Die Verarbeitung ist ähnlich wie bei Textilien, allerdings fällt bei Tierhäuten mehr Verschnitt an.“ Beim Zuschnitt legt sie die Schablonen präzise an das Leder an – hier sind Präzision und Sorgfalt gefordert, schließlich muss das Material kontinuierlicher Belastung standhalten. Beim Beziehen der Möbelstücke verhält sich Leder etwas anders als Textilstoffe. „Leder gibt nach, und deshalb muss man die Arbeitsgänge zwei- bis dreimal wiederholen“, erklärt Christa Henninger. „Dadurch ist diese Aufgabe auch körperlich ziemlich anstrengend.“

Neben Kraft ist beim Möbelpolstern auch Kommunikationstalent erforderlich. Es gilt beispielsweise, Kunden geduldig zu beraten und Lösungen im Falle von Reklamationen zu finden. Christa Henninger ist froh darüber, sich für ihren heutigen Arbeitsbereich entschieden zu haben: „Ich liebe meinen Beruf und möchte ihn noch so lange wie möglich ausüben.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/4434