Lehrkraft – Schulen im Gesundheits­wesen

Durch die Berufserfahrung bringt man eine hohe Fachkompetenz mit.

Wissen weitergeben

Hanno Kronshagen (33) tauschte den Praxisalltag gegen das Klassenzimmer. Heute begeistert er angehende Physiotherapeuten für Chemie, Physik und Biologie.

Was passiert im menschlichen Körper, wenn man eine Kiste hebt oder auf Dauer immer die gleichen Bewegungen ausübt? Wenn Hanno Kronshagen über biomechanische Vorgänge im Körper spricht, dann bezieht er sich dabei auf chemische, physikalische, mathematische und biologische Größen – von der Hebetechnik über Beschleunigungs- und Trägheitsgesetze bis hin zu den Elastizitätseigenschaften der Muskulatur. Biomechanik ist eines der Fächer, die er an der Physiotherapieschule in Leer unterrichtet.

Er selbst absolvierte zu Beginn seines beruflichen Werdegangs eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Nach einigen Jahren wollte er sich beruflich verändern und war dann als Honorardozent an der Berufsschule tätig: „Das ist eine gute Möglichkeit, um auszuprobieren, ob einem das Lehrerdasein wirklich liegt.“ Ihm machte das Unterrichten viel Freude, sodass er sich über die entsprechenden beruflichen Möglichkeiten informierte.

Was ist guter Unterricht?

Welche Voraussetzungen eine Lehrkraft an einer berufsbildenden Schule mitbringen muss, ist landesrechtlich geregelt. In Niedersachsen dürfen zum Beispiel ausgebildete Physiotherapeuten wie Hanno Kronshagen sowie Fachkräfte aus anderen nichtärztlichen Heilberufen in praktischen Fächern an einer entsprechenden Schule unterrichten. Für theoretische Fächer wie etwa Biomechanik und auch für eine Position in der Schulleitung brauchen sie die Weiterbildung zur Lehrkraft an Schulen im Gesundheitswesen.

Für Hanno Kronshagen ergibt das durchaus Sinn: „Durch die Berufserfahrung bringt man eine hohe Fachkompetenz mit, aber wichtige Schlüsselkompetenzen fehlen.“ Was zum Beispiel zeichnet einen guten Unterricht aus? Wie kann man den eigenen Unterricht vor- und nachbereiten und wie die Leistungen und die Mitarbeit der Schüler bewerten? Das sind Themen, mit denen sich der 33-Jährige im Rahmen seiner Weiterbildung beschäftigte.

Der Lehrgang umfasste 400 Unterrichtsstunden und war in sieben Module unterteilt. Inhaltlich deckten die Module eine ganze Bandbreite an Themen ab: schulrechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen, Umgang mit Konflikten und Stressbelastung, Stimmtraining, Präsentation sowie Lerntheorien.

Neben den Präsenzveranstaltungen mussten Hausarbeiten erstellt und Gruppenarbeiten angefertigt werden. Nach dem Abschluss der Kurse fand ein Kolloquium statt, in dem die Teilnehmer eine vorbereitete Lehrprobe vorstellten und in einem Kurzvortrag verteidigten. Die Kurse fanden jeweils von Donnerstag bis Samstag statt. Insgesamt verteilten sie sich über einen Zeitraum von etwa einem Jahr: „Das lässt sich gut in den Arbeitsalltag einbauen.“ Die Weiterbildung kostete 2.725 Euro, diese Kosten übernahm sein Arbeitgeber. Hinzu kamen die Fahrt- und Übernachtungskosten, die Hanno Kronshagen aus eigenen Ersparnissen finanzierte.

Ein Beruf mit Berufung

Heute ist der 33-Jährige als Lehrkraft tätig, unter anderem für Biomechanik, Prävention und Reha sowie für den Bereich Befund. Bei der Vorbereitung des Unterrichts legt Hanno Kronshagen die Inhalte und die Themenabfolgen fest und stellt Materialien für den Unterricht zusammen. Darüber hinaus betreut er den Bereich der praktischen Ausbildung – er steht in Kontakt zu den Praxisstellen und koordiniert den Verlauf der Ausbildung mit ihnen.

Mittlerweile übernimmt er zudem leitende Aufgaben an der Berufsschule. So gestaltet er etwa zusammen mit einigen Kollegen die Stundenpläne und wirkt bei der Prüfungsvorbereitung mit. Auch dabei profitiert er vom Wissen aus seiner Weiterbildung.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/58450