Kürschner­meisterin

Ich mache nicht nur Änderungen, sondern entwerfe und nähe eigene Modelle.

Kleidungsstücke aus Meisterhand

Beratung, Entwurf, Herstellung, Verkauf – die Tätigkeitsbereiche von Natalie Endres (29) sind äußerst vielfältig. Im Rahmen einer Weiterbildung eignete sie sich das nötige Wissen für die Betriebsführung an.

Nachdem Natalie Endres ihre Ausbildung zur Kürschnerin mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, ging sie nach Bern, um in einem Kürschneratelier zu arbeiten. Ihr Arbeitgeber bot verschiedenste Dienstleistungen rund um Pelz und Leder an. Drei Jahre später zog es sie zurück nach Deutschland und in den elterlichen Betrieb, Kürschner Mayer, in Wangen im Allgäu.

Für die Weiterbildung zur Kürschnermeisterin entschied sie sich, um noch mehr Fachwissen zu erlangen und ihre Kunden noch umfassender und kompetenter betreuen zu können.

Herausforderung gemeistert

Die Meisterprüfung ist im Kürschnerhandwerk für die Führung eines Betriebs nicht mehr Pflicht, daher werden vorbereitende Kurse selten angeboten. Natalie Endres hatte das Glück, dass sich sechs Interessenten fanden, die zum gleichen Zeitpunkt wie sie den Kürschnermeistertitel erlangen wollten.

Das theoretische Wissen erwarb sie an der Technischen Akademie in Hameln im Blockunterricht. Rechnungswesen, Betriebswirtschaftslehre und berufspädagogische Kenntnisse standen im Mittelpunkt. „So viele Inhalte in so kurzer Zeit zu verinnerlichen war eine Herausforderung und nur mit großer Willenskraft zu schaffen“, erinnert sie sich. Die fachpraktischen Kurse erfolgten an der Bundespelzfachschule in Frankfurt. Das nötige Material, beispielsweise Felle, beschafften sich die Teilnehmer selbst. Ergänzende spezielle Fachlehrgänge besuchte Natalie Endres an der deutschen Gerberfachschule in Reutlingen sowie an einer privaten Designschule in Hockenheim.

Nach etwa einem Jahr Vorbereitungszeit absolvierte sie, verteilt über einen Zeitraum von sechs Wochen, die einzelnen Prüfungen. Die praktische Prüfung bestand darin, einen ausgelassenen Nerzmantel und eine Lederjacke anzufertigen. Insgesamt betrugen die Kosten für die nebenberufliche Weiterbildung etwa 15.000 Euro. Natalie Endres finanzierte sie durch ihre Arbeit im Betrieb sowie durch ein Stipendium im Rahmen der Begabtenförderung.

Eigene Entwürfe

Seit der Weiterbildung haben sich ihre Aufgaben verändert, wie Natalie Endres erläutert: „Ich mache inzwischen nicht nur Änderungen, sondern entwerfe und nähe auch eigene Pelz- und Ledermodelle.“ Dazu gehören Mäntel, Jacken und auch Accessoires jeglicher Art. Dafür wählt die Kürschnermeisterin zunächst zusammen mit dem Kunden oder der Kundin das Wunschmaterial aus und bespricht die Modellform. Anhand der Kundenmaße fertigt sie das persönliche Schnittmuster an. Die einzelnen Felle, aus denen etwa der Mantel entsteht, fügt sie zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Bei der Anprobe werden Details wie Verschlüsse mit dem Kunden besprochen. Anschließend wird das Modell fertiggestellt.

In Kürze möchte die 29-Jährige den Familienbetrieb übernehmen. Daher bereitet sie sich schon heute auf die neuen Aufgaben vor, die auf sie zukommen. Neben der handwerklichen Tätigkeit kümmert sie sich um den Ein- und Verkauf, erstellt Kostenkalkulationen und übernimmt Aufgaben in der Kundenakquise. Sie ist froh, dass sie die Meisterweiterbildung absolviert hat, da ihr das Wissen täglich zugutekommt: „Ich wollte einfach mehr aus mir machen, und die Weiterbildung hat mir dabei sehr geholfen. Ich liebe meinen Beruf und kann jedem nur empfehlen, sich beruflich weiterzubilden.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/3613