Kernmacher

Die Formteile und Kerne entstehen heute auch mithilfe von 3-D-Druckern.

Experte für den Kern

Die Kernherstellung ist das Metier von Raimund Wilhelms (26). Das Know-how für seine heutigen Aufgaben erwarb er durch Ausbildung, berufliche Praxis und zusätzliche Qualifizierung.

Beim Begriff „Hightech-Industrie“ denken die meisten Menschen an Elektrobetriebe, Automobilkonzerne oder den IT-Bereich. Die Gießereibranche haben die wenigsten im Kopf, obwohl gerade hier Hightech zum Standard gehört. So etwa bei der ACTech GmbH, die seit ihrer Gründung stets auf modernste Technologien setzt: „Wir stellen Gussteil-Prototypen und Kleinserien her. Die Formteile und Kerne entstehen heute auch mithilfe von 3-D-Druckern“, sagt Industriemeister Raimund Wilhelms. Er ist Experte für diese Verfahren, kennt aber auch die konventionellen Herstellungsprozesse aus dem Effeff. Über seine gesamte Karriere hinweg arbeitete der ausgebildete Gießereimechaniker mit Kernen – also den Körpern, die in späteren Gussteilen die Hohlräume vorgeben. Sein derzeitiger Arbeitsbereich ist die Formherstellung. In dieser Abteilung werden Kerne wie auch Formteile für die hauseigene Gießerei gefertigt. Einen Großteil des Know-how, das er für seine Arbeit braucht, konnte sich Raimund Wilhelms durch seine Ausbildung und die Arbeit in verschiedenen Abteilungen seines Arbeitgebers aneignen.

Produktion und Prüfung

Die prinzipielle Aufgabe von Kernmachern besteht darin, die Kerne mittels Werkzeugen, sogenannten Kernkästen, beziehungsweise spezieller Maschinen herzustellen und den Produktionsvorgang und die entsprechenden Maschineneinstellungen zu überwachen. Die Kernherstellung sei durchaus komplex, es gebe beispielsweise viele unterschiedliche Verfahren und Kernformstoffe, wie Raimund Wilhelms erläutert: „Da gibt es so viele verschiedene Methoden – das ist eine Wissenschaft für sich.“ Kernmacher tragen in der Produktion viel Verantwortung. Die Formstücke, die sie herstellen, müssen strengen Qualitätsvorgaben genügen. Fehlerhafte Körper könnten später im Produktionsprozess massive Auswirkungen haben. Raimund Wilhelms prüft deshalb regelmäßig die Geometrie und Maße der hergestellten Kerne und Formteile. Je nach Tätigkeitsbereich kann es auch zu den Aufgaben von Kernmachern gehören, die Anlagen für die Kernherstellung zu warten und gegebenenfalls Reparaturen zu beauftragen.

Neuer Blick, neue Technik

Um seine Kenntnisse in Zusammenhang mit der Produktion von Kernen zu vertiefen und sich für neue Aufgaben zu qualifizieren, entschied sich Raimund Wilhelms, eine Vollzeit-Weiterbildung zum Industriemeister der Fachrichtung Gießereitechnik zu absolvieren. Hierbei befasste er sich unter anderem mit Maschinen- und Anlagentechnik sowie speziellen Rezepturen und Kernherstellungsverfahren. Für die Präsenzphasen wurde er von seiner Firma bezahlt freigestellt, die auch die kompletten Kosten der Meisterausbildung übernahm. Durch die Qualifizierung habe sich seine Perspektive auf seinen Arbeitsbereich verändert: „Dadurch dass man die Zusammenhänge kennenlernt, entwickelt man einen ganz anderen Blick.“

Sein heutiger Arbeitsbereich, die Formenherstellung, ist einer der Schlüsselbereiche der Produktion. Zurzeit arbeitet der Industriemeister daran mit, die Abteilung fit für die Zukunft zu machen: „Wir erweitern derzeit die Formherstellung mit 3-D-Printer-Technologie.“ Dabei wird unter Verwendung eines CAD-Modells Spezialsand schichtweise von einem 3-D-Formstoffprinter aufgetragen und mit einem Druckkopf selektiv bedruckt. So entstehen millimetergenaue Formteile und Kerne. Raimund Wilhelms übernimmt hierbei unter anderem die Qualitätskontrolle der Ergebnisse – eine Aufgabe, die neben Fachwissen auch Erfahrung erfordert.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/1677