Keramiker­meister

Den theoretischen Hintergrund braucht man, um zu verstehen, wie Keramik funktioniert.

Von der Skizze zur Schüssel

Espressotasse, Suppenteller oder Wasserkrug: Thomas-Maximilian Auer (28) stellt Geschirr aus Keramik her – von Hand und nach eigenen Entwürfen. Bevor er sich den Traum von der eigenen Werkstatt erfüllte, bildete er sich zum Meister weiter.

Ein klares Ziel hatte Thomas-Maximilian Auer von Anfang an vor Augen: „Für mich stand fest, dass ich eine eigene Werkstatt aufmachen will.“ Deshalb ging er direkt nach der Ausbildung zum Keramiker die Meisterweiterbildung an. Die ist zwar mittlerweile für eine eigene Werkstatt nicht mehr vorgeschrieben – auf die zusätzliche Qualifikation wollte der 28-Jährige trotzdem nicht verzichten.

Er entschied sich für die Keramikschule in Landshut, wo er auch seine Ausbildung absolviert hatte. Hier wird die Weiterbildung zum Keramikermeister gemeinsam mit der Qualifizierung zum Gestalter für Keramik angeboten. Voraussetzung war eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Keramik.

Tonmassen berechnen, Glasuren herstellen

Die Weiterbildung fand in Vollzeit statt und dauerte zwei Jahre. Für die Kurse fielen keine Kosten an, er musste jedoch für die Prüfungsgebühren in Höhe von rund 1.000 Euro aufkommen. Das finanzierte er ebenso wie seine Lebenshaltungskosten mittels Meister-BAföG.

Der Unterricht gliederte sich in theoretische und praktische Einheiten. In der Theorie beschäftigte sich Thomas-Maximilian Auer mit den verschiedenen Werkstoffen und lernte etwa, Glasuren zu berechnen. In den Werkstätten verfeinerte er seine Technik an der Töpferscheibe, stellte Baukeramik her und lernte den Modell- und Formenbau kennen. Er entwickelte Glasuren und beschäftigte sich mit verschiedenen Maltechniken. Auch Kenntnisse in Kostenkalkulation, Buchführung und Steuerrecht eignete er sich an.

Am Ende galt es, mehrere praktische Prüfungen zu bestehen. „Anhand einer technischen Zeichnung sollte ich innerhalb von einer Stunde vier Krüge in Serie drehen“, erzählt er. „Außerdem musste ich Kacheln nach einer Vorlage herstellen und einen Teller mit einer Engobe bemalen.“ Zur Abschlussprüfung gehörte auch ein Meisterstück: Thomas-Maximilian Auer fertigte in dreimonatiger Handarbeit einen Ofen aus Keramik. Im Rahmen der Weiterbildung legte er außerdem die Ausbildereignungsprüfung ab.

Gastschüler zur Vorbereitung

Nach seinem Abschluss blieb er noch ein weiteres Jahr als Gastschüler an der Schule. „Das geht als Meister, wenn man einen Antrag stellt“, sagt er. „Ich hatte Zugang zu allen Werkstätten und den Rohstoffen.“ Die Zeit nutzte er, um sich auf die Selbstständigkeit vorzubereiten. Er testete Engoben und Glasuren, entwickelte Designs und schaffte so ein Grundsortiment an Keramik, mit dem er bis heute arbeitet.

Kurz darauf eröffnete er die Keramikwerkstatt Auer in Passau. Hier stellt er vor allem Geschirr her, das er auf einer Töpferscheibe von Hand dreht und dann engobiert, glasiert und zweimal brennt. Er entwickelt Serien, die er von der ersten Skizze bis hin zur passenden Glasur selbst gestaltet. Neben der handwerklichen Arbeit kümmert er sich um den Verkauf. Die Kunden kommen in die Werkstatt oder bestellen über einen Onlineshop auf seiner Homepage. Außerdem erledigt er die Buchführung, bestellt Materialien und kalkuliert Preise. Das Wissen aus der Weiterbildung nütze ihm in jedem einzelnen Arbeitsbereich. „Den theoretischen Hintergrund braucht man, um zu verstehen, wie Keramik funktioniert – etwa wenn man neue Formen entwickelt“, erzählt er. „Was wir praktisch geübt haben, hilft natürlich bei der Herstellung meiner Produkte. Und ohne die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse könnte ich kein eigenes Unternehmen führen.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/986