Kanalmeisterin

Entweder machen wir eine Inspektionsfahrt oder wir haben einen konkreten Auftrag.

Freier Fluss unter der Stadt

Franziska Wenk (23) reinigt mit ihrem Team das Berliner Kanalsystem, beseitigt Störungen und sorgt für die Instandhaltung und Sanierung der Kanäle und Rohre.

Franziska Wenks Arbeitstag beginnt um sechs Uhr morgens im Büro bei einer Einsatzbesprechung mit ihren drei Teamkollegen: „Entweder machen wir eine Inspektionsfahrt oder wir haben einen konkreten Auftrag wie die Entfernung einer Wurzel oder von Beton im Abwasserkanal“, sagt die Kanalmeisterin.

Das Team der 23-Jährigen ist bei Wind und Wetter unterwegs. Wenn die Temperaturen unter null Grad liegen, dann können sie allerdings das Hochdruck-Spülfahrzeug nicht einsetzen. Sie arbeiten dann an anderen Betriebsstellen.

Technisches Verständnis gefordert

Eine Inspektion läuft nach einem bestimmten Muster ab: Das Team fährt mit einem sogenannten TV-Wagen und dem wasserführenden Hochdruck-Spülfahrzeug zum Einsatzort. Nach der Grundreinigung des Kanals überwacht Franziska Wenk den Einsatz der Kamera, die mithilfe eines Krans in das Kanalsystem gehievt wird. Über die Aufnahmen stellt sie fest, ob Schäden wie etwa Risse oder Einstürze vorliegen. „Dafür gibt es unterschiedliche Fahrzeuge, die für die Sanierungsverfahren ausgestattet sind“, erläutert die Kanalmeisterin, die festlegt, welche Geräte bei welcher Maßnahme zum Einsatz kommen. Technisches Verständnis ist eine der Grundvoraussetzungen für ihren Beruf. Wenn die Störung beseitigt wurde, wird noch einmal eine Abnahme mit der Kamera gemacht, um festzustellen, ob das Problem behoben wurde.

Die meisten Einsätze dauern einen Einsatztag. „Gegen 13.30 Uhr sind wir wieder zurück im Büro“, sagt Franziska Wenk. „Dort tragen wir unsere Arbeitsergebnisse im UBI-System ein. UBI steht für ‚Unterstützung, Betrieb und Instandhaltung‘ und enthält sämtliche Informationen zum Kanalnetz in Berlin."

Spaß am handwerklichen Arbeiten

Nach der mittleren Reife absolvierte Franziska Wenk zunächst die schulische Ausbildung zur Assistentin für Automatisierungs- und Computertechnik. Während der Ausbildung wurde ihr allerdings klar, dass sie lieber körperlich und handwerklich arbeiten wollte. Sie bewarb sich in der Folge bei den Berliner Wasserbetrieben um einen Ausbildungsplatz zur Industriemechanikerin.

In den ersten zwei Jahren lernte sie im Ausbildungszentrum fräsen, schleifen, drehen, bohren und sägen. Im dritten Ausbildungsjahr war sie zunächst beim Brunnenservice und später in einem Klärwerk tätig. In dieser Zeit absolvierte sie auch eine Schulung im Bereich CNC-Fräsen und erwarb so Kenntnisse in der Computersteuerung von Werkzeugmaschinen. Nach dem Ende der Ausbildung wurde sie übernommen und im Bereich der Kanalsanierung eingesetzt, wo sie bis heute tätig ist. Auch mit einer Berufsausbildung als Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice hätte sie in diesem Bereich tätig werden können.

Als Frau in einem klassischen Männerberuf zu arbeiten, das ist für Franziska Wenk kein Problem. „Man darf nur nicht zimperlich sein.“ Schon während der Ausbildung war sie das einzige Mädchen unter den angehenden Industriemechanikern, genauso wie schon zuvor bei ihrer Ausbildung zur Assistentin für Automatisierungs- und Computertechnik. In ihrer Betriebsstelle, in der rund 60 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist sie eine von insgesamt vier Frauen.

Franziska Wenks nächste Ziele sind der Erwerb eines Lkw-Führerscheins beziehungsweise die Teilnahme an einem Kurs im Bereich Dichtigkeitsprüfung. Auch möchte sie gerne weitere Verfahren, die in ihrem Arbeitsbereich zum Einsatz kommen, kennenlernen. Mit ihrer Arbeit und ihrem Team ist sie sehr zufrieden.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/4204