Industrie­meister – Textil­wirtschaft

Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, muss man kreativ sein und Lösungen finden.

Meisterhafte Produktion

Andreas Sahlender (23) hat anspruchsvolle Aufgaben: Der Industriemeister der Fachrichtung Textilwirtschaft plant, steuert und überwacht die Arbeitsprozesse in einer Herstellungsabteilung.

Nach seiner Ausbildung zum Produktionsmechaniker Textil wollte Andreas Sahlender sich weiterqualifizieren, das stand schon früh für ihn fest. „Ich wollte beruflich vorankommen, und mit dem Meister hat man einfach mehr Möglichkeiten“, sagt der 23-Jährige. „Dafür brauchte ich mindestens ein Jahr Berufserfahrung, daher habe ich zunächst weiter in meinem Ausbildungsberuf gearbeitet.“ Als er alle Voraussetzungen erfüllte, kündigte er seine Stelle, um den Vollzeitlehrgang zum Industriemeister an der Industrie- und Handelskammer Hof besuchen zu können.

Ein Jahr bis zum Meistertitel

Insgesamt nahm die Weiterbildung ein Jahr in Anspruch – zehn Monate Unterricht plus zwei Monate Vorbereitung auf die Prüfung. Für diese Zeit mietete Andreas Sahlender in Hof ein Zimmer und beantragte zur Finanzierung des Kurses Aufstiegs-BAföG – die Gebühren lagen bei rund 6.000 Euro. Mit BAföG und elterlicher Unterstützung kam er über die Runden. Zentrale Themen der Weiterbildung waren Betriebswirtschaftslehre, Qualitätsmanagement und rechtliche Aspekte. „Außerdem ging es zum Beispiel um Planung sowie Personalführung und -weiterentwicklung“, erzählt er. Mit seinen Mitschülern und Mitschülerinnen setzte er sich nach dem Unterricht oft noch zusammen, um gemeinsam zu lernen. „Außerdem habe ich mir immer den Stoff vom Vortag noch einmal angesehen – das war wichtig, um gut mitzukommen“, sagt er.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung konnte er wieder bei seinem vorherigen Arbeitgeber einsteigen, der verschiedene medizinische Produkte im Angebot hat, vor allem medizinische Kompressionsstrümpfe. Am Hauptsitz und in einem Zweigwerk des Unternehmens ist Andreas Sahlender nun in der Strickerei-Abteilung mit Aufgaben in der Steuerung der Strickmaschinen und der Mitarbeiterführung betraut. Generell kommen Industriemeister in praktisch allen Unternehmen zum Einsatz, in denen im großen Maßstab Textilien hergestellt werden.

Drei bis vier Aufgaben parallel

Mit seinem Vorgesetzten teilt er sich ein Büro. „Teils arbeite ich auch direkt an den Maschinen und dann wieder am Computer – je nachdem, welche Aufgaben gerade anstehen.“ Auch um das Qualitätsmanagement kümmert er sich. „In meinem früheren Beruf habe ich schnell eine Arbeitsroutine entwickelt – nun werde ich täglich neu gefordert, die Abläufe sind immer wieder andere“, erzählt er. „Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, muss man kreativ sein und Lösungen finden.“ Oft muss er drei oder vier Aufgaben parallel bearbeiten, zum Beispiel Arbeitsprozesse umstellen oder an den Produkten etwas verändern. In stressigen Situationen behält er einen kühlen Kopf. Immer wieder kontrolliert er die Software, mit der die Maschinen gesteuert werden – Fehler, die die Produktionsprozesse stören, müssen nach Möglichkeit vermieden werden.

Auch in Aufgaben im Personalbereich wird Andreas Sahlender nun einbezogen, beispielsweise nimmt er an Vorstellungsgesprächen teil. Und noch etwas hat sich verändert: „Ich arbeite nun nicht mehr im Schichtdienst, sondern habe Gleitzeit.“ Flexibilität wird dennoch von ihm erwartet. „Bei wichtigen Projekten, die etwa über zwei Monate laufen, kann es auch mal später werden“, erzählt er. „Das gleicht man dann aber an anderer Stelle wieder aus.“

Gerne möchte der Industriemeister noch weitere Qualifizierungen absolvieren und so sein Wissen ausbauen: „Ich möchte gerne auch noch den Abschluss als Technischer Betriebswirt machen, sobald es möglich ist.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/6268