Industrie­meister – Papier- und Kunststoff­verarbeitung

Im Berufsalltag kommen die sozialen Kompetenzen zum Einsatz.

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Der Schichtführer

Vom Maschinenbediener zum Schichtführer: Abdeluahab Belhassani (44) ist das beste Beispiel dafür, dass sich Ehrgeiz auszahlt. Das Fachwissen für seine heutige Position eignete er sich in der Meisterweiterbildung an.

Als Abdeluahab Belhassani Ende der 1990er-Jahre nach Deutschland kam, zog er mit seiner Frau nach Hanau. Über eine Zeitarbeitsfirma konnte er als Arbeiter bei einem Konzern der Verpackungsmittelindustrie einsteigen. Das Werk in Hanau ist auf die Produktion von Wellpapp-Produkten spezialisiert: Konsumgüter-, Transport-, Industrie- und Gefahrgutverpackungen sowie Displays und Promotion-Materialien werden hier gefertigt. Nach sechs Monaten konnte Abdeluahab Belhassani in eine Festanstellung wechseln, anschließend arbeitete er mehrere Jahre als Maschinenbediener in der Produktion an unterschiedlichen Stationen. Aufgrund seiner Berufserfahrung durfte er schließlich eine externe Gesellenprüfung zum Verpackungsmittelmechaniker ablegen. Die heutige Bezeichnung des Berufs lautet Packmitteltechnologe.

Man muss immer dranbleiben

Nach ein paar Jahren als Maschinenführer in der Klebeabteilung wollte er sich weiterentwickeln und informierte sich über mögliche Weiterbildungen. Diejenige zum Industriemeister für Papier- und Kunststoffverarbeitung weckte sein Interesse und er sprach seinen Arbeitgeber darauf an. „Der Bedarf im Unternehmen war vorhanden, daher war die Reaktion positiv.“ Nachdem sein Nachfolger an der Maschine eingearbeitet war, konnte Abdeluahab Belhassani seine Schichten so legen, dass er nebenher die Lehrgänge an der Papiermacherschule in Gernsbach besuchen konnte.

In den folgenden zwei Jahren besuchte er insgesamt 15 Kursblöcke, die jeweils zwischen zwei und acht Wochen dauerten. Im ersten Jahr wurden die Teilnehmer mit der Fachrichtung Papier- und Kunststoffverarbeitung gemeinsam mit den Schülern mit Schwerpunkt Papiererzeugung unterrichtet; nur die praktischen Übungen im Labor absolvierten die zwei Gruppen getrennt. Den Teilnehmern wurde zunächst Basiswissen vermittelt, etwa was Zusammenarbeit im Betrieb oder rechtsbewusstes Handeln betrifft. Darauf folgten anwendungsbezogene Fächer wie Verfahrens-, Fertigungs- oder Steuerungstechnik. Auch Personalführung, Projektmanagement, Betriebsorganisation sowie Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz standen auf dem Lehrplan. Für die Lehrgänge fielen Gebühren in Höhe von rund 16.000 Euro an, die er mithilfe von Meister-BAföG finanzierte.

Abdeluahab Belhassani absolvierte die Abschlussprüfung als Klassenbester. Bereits vor Ende der Weiterbildung zahlte sich diese für ihn aus: Er stieg zum Schichtführer auf.

Soziale Kompetenzen gefragt

In seiner neuen Position verbringt der Industriemeister viel Zeit im Büro, wo er etwa die aktuelle Produktion plant, die Arbeitsabläufe koordiniert oder sich mit anderen Abteilungen abspricht. Er plant auch den Mitarbeitereinsatz und ist Ansprechpartner für die Maschinenbediener. Darüber hinaus führt er Mitarbeitergespräche und übernimmt die Urlaubsplanung. „Natürlich ist das Fachwissen wichtig. Aber im Berufsalltag kommen die sozialen Kompetenzen stärker zum Einsatz.“ Doch auch in der Produktionshalle kann man ihn nach wie vor oft antreffen. Dort überwacht der Industriemeister etwa die Fertigung, kontrolliert die Qualität der Produkte und leitet Mitarbeiter an den Maschinen an. Er selbst nimmt regelmäßig an Schulungen teil, um sein Wissen auf dem neuesten Stand zu halten.

Im Hinblick auf die Zukunft ist Abdeluahab Belhassani optimistisch: „In der Papierverarbeitung sind weitere Möglichkeiten durchaus gegeben, etwa ein Aufstieg vom Schichtleiter zum Produktionsleiter.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/6264