Holzblasinstrumenten­machermeisterin

Es gehört als Meisterin dazu, mindestens ein Holzblasinstrument auch selbst zu beherrschen.

Birnen nach Maß

Ob die Anfertigung einer besonderen Klarinette oder die Kalkulation für die Ausstattung einer Bläserklasse: Im Betrieb ist Anna Wittl (25) für die Meisteraufgaben zuständig.

Ihre Ausbildung zur Holzblasinstrumentenmacherin hatte Anna Wittl in einem Münchener Betrieb absolviert, der auf Reparaturen spezialisiert ist. „Dann wollte ich mein Wissen im Bereich Neubau noch vertiefen“, begründet sie ihre Entscheidung, gleich im Anschluss die Weiterbildung zur Meisterin zu machen. „Außerdem bin ich dadurch noch besser auf die Selbstständigkeit vorbereitet.“

Parallel zum Lehrgang arbeitete sie als Gesellin im elterlichen Betrieb. Im Musikhaus Wittl im oberpfälzischen Parsberg ist sie seitdem die Expertin für Holzblasinstrumente. „So konnte ich in den schulfreien Zeiten weiterhin arbeiten, Praxiserfahrung sammeln und Geld verdienen.“ Für die schulischen Phasen im Blockunterricht wurde sie vom Betrieb freigestellt.

Von Akustik bis Rechnungswesen

Der Meisterlehrgang an der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg war in drei Blöcke zu je vier Monaten unterteilt und erstreckte sich über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Kursgebühren betrugen rund 200 Euro pro Block. „Hinzu kamen Kosten für die Fahrten, die Unterkunft im Jugendhostel, Verpflegung, Material und Prüfungsgebühren“, zählt Anna Wittl auf. Insgesamt waren es rund 5.000 Euro, die sie unter anderem mittels Meister-BAföG finanzieren konnte.

Auf dem Lehrplan standen Fächer wie Akustik, Physik, Musikgeschichte, technisches Zeichnen, Fachpraxis und -theorie, Mathematik und kaufmännische Inhalte aus Kalkulation und Rechnungswesen. Den fachübergreifenden Teil des Lehrgangs, der die Ausbildereignung einschloss, hatte sie bereits zuvor absolviert.

Um trotz der Unterbrechungen durch die beruflichen Phasen am Ball zu bleiben, beschäftigte sich Anna Wittl regelmäßig mit ihren Notizen aus dem Unterricht: „Das Wiederholen half mir, das Gelernte zu behalten.“ Parallel fertigte sie ihr Meisterstück an: eine B-Klarinette nach dem System Volloehler, bei dem eine Bechermechanik für einen besseren Klang langer Töne sorgt. In der Meisterprüfung bewies sie beim Vorspielen auf dem Instrument, dass sie in der Fertigung alles richtig gemacht hatte. „Es gehört als Meisterin dazu, mindestens ein Holzblasinstrument auch selbst zu beherrschen.“ Sie selbst spielt sogar alle drei: Saxophon, Querflöte und Klarinette.

Spezialaufträge und Maßanfertigungen

Seit dem Abschluss der Weiterbildung fühlt sich Anna Wittl bei ihren Aufgaben noch sicherer. „Auch bei Spezialaufträgen weiß ich nun gleich, wie man die Sache am besten angeht – zum Beispiel, wenn die Mechanik eines Instruments für einen Kunden angepasst werden muss, der nicht mehr alle Finger einsetzen kann.“ Regelmäßig führt sie Generalüberholungen an Holzblasinstrumenten durch und berät bei Sturzschäden – etwa wenn sich die Frage stellt, ob sich eine Reparatur noch lohnt. Sie verhandelt mit Auftraggebern, erstellt Angebote für Musik- oder allgemeinbildende Schulen, kümmert sich um Organisatorisches sowie um die Anleitung der Auszubildenden. Regelmäßig steht die 25-Jährige auch selbst in der Werkstatt, um etwa eine neue „Birne“ – das Zwischenstück für eine Klarinette – nach Maß zu drechseln. An der Drehbank trägt sie eine Schutzbrille, um keine Späne in die Augen zu bekommen. Auch bei anderen handwerklichen Aufgaben, etwa beim Löten und Abbeizen, ist teils persönliche Schutzausrüstung erforderlich.

Eines Tages möchte Anna Wittl den Betrieb übernehmen. „Darauf hat mich der Meisterkurs schon gut vorbereitet. Außerdem habe ich überlegt, mich als Gutachterin für Holzblasinstrumente zu spezialisieren.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/2688