Glasveredler­meisterin

Mit der Zeit habe ich immer mehr Führungsaufgaben übernommen, etwa Arbeitsplanung, Aufmaße nehmen und Kundenberatung.

Traditionspflege und modernes Design

Schöne Oberflächen brauchen vor allem eines: Fachwissen. Und das hat Annabel Stadler (27). Die Glasveredlerin eignete sich vertiefte Kenntnisse im Rahmen ihrer Meisterweiterbildung an.

Glasbläser, Glasschleifer, Glasveredler – in der Familie von Annabel Stadler zieht sich das Glas wie ein roter Faden durch die Generationen bis zu ihrem Ururgroßvater. Wie schon ihr Vater absolvierte sie die dreijährige Ausbildung zur Glasveredlerin an der Berufsfachschule für Glastechnik und Glasgestaltung in Rheinbach bei Bonn. Da sie Bundessiegerin im Wettbewerb „Die gute Form“ des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks wurde, erhielt sie anschließend ein Stipendium für die Meisterschule. „Nach der schulischen Ausbildung wollte ich aber erst praktische Erfahrungen sammeln“, erinnert sie sich. „Für den Meister sollte man doch eine gewisse Reife mitbringen.“ Also arbeitete sie zunächst im Familienbetrieb. Von Isolierglas und Ganzglasanlagen über Duschabtrennungen, Spiegel und Glasrückwände für Küche und Bad bis hin zu Bleiverglasungen und Glasgeschenkartikeln – die Firma deckt ein breites Spektrum ab. Dass sie den Betrieb eines Tages fortführen wird, steht für die 27-Jährige außer Frage: „Diese Tradition ist mir sehr wichtig.“

Mit Berufserfahrung in den Meisterlehrgang

Nach zwei Jahren im elterlichen Betrieb meldete sich Annabel Stadler zu den Meisterkursen an der Bundesfachschule des Glaserhandwerks in Hadamar an, wo sie die Weiterbildung in Vollzeit absolvierte. „Ich wollte mich voll und ganz auf den Lehrgang konzentrieren und vor allem Zeit für mein Meisterstück haben“, begründet sie ihre Wahl. „Ich weiß nicht, ob ich so viel Energie hätte investieren können, wenn ich nebenbei noch gearbeitet hätte.“

Über einen längeren Zeitraum wurden Glasveredler und Glaser gemeinsam unterrichtet. Innerhalb von neun Monaten absolvierten die Teilnehmer die Fachtheorie und Fachpraxis, den kaufmännischen sowie den berufs- und arbeitspädagogischen Teil. Auch die zusätzliche Qualifizierung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten war inbegriffen.

Die Theorie nahm den meisten Raum ein: von der Buchführung über Statik bis zur Stilkunde: „Die Fächer sind gemischt, was den Unterricht abwechslungsreich macht“, sagt die Meisterin. Das Pensum sollte man aber nicht unterschätzen: „Es ist viel zu lernen und mit dem Unterricht alleine ist es nicht getan.“ Sie wiederholte den Stoff in ihrer Freizeit, um die Inhalte zu festigen. Nebenbei arbeitete sie an ihrem Meisterstück, einem filigranen Glaswürfel in einem Glaswürfel. Dabei spielte sie mit der dreidimensionalen Optik und wendete unterschiedliche Veredlungstechniken an. Die Kosten, von denen allein 7.650 Euro auf die Lehrgangsgebühren entfielen, konnte sie über ihr Stipendium finanzieren.

Neue Aufgaben

Mit dem Meisterbrief veränderte sich auch Annabel Stadlers Aufgabenbereich im Betrieb: „Mit der Zeit habe ich immer mehr Führungsaufgaben übernommen, etwa Arbeitsplanung, Aufmaße nehmen und Kundenberatung.“

Zusätzlich zu den organisatorischen Aufgaben ist sie aber nach wie vor handwerklich tätig. Zeichnen, ausschneiden, schattieren, die Konturen sandstrahlen: „Dabei kann ich meiner gestalterischen Ader freien Lauf lassen.“ Die meisten Anfragen an das Unternehmen kommen von Privatkunden aus dem Umkreis. „Es geht fast ausschließlich um individuelle Anfertigungen“, sagt die Meisterin. „Am liebsten gestalte ich die Motive für Ganzglastüren wie zum Beispiel Familienwappen.“

Neben ihrer Tätigkeit im Familienbetrieb engagiert sich Annabel Stadler bei der Glaserinnung Dortmund im Gesellenprüfungsausschuss – damit der Fachkräftenachwuchs gesichert ist.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/1117