Gewand­meisterin

Ich könnte auch als Gewandmeisterin beim Film tätig werden, aber meine Faszination für das Theater ist geblieben.

Bühnenreife Kostüme

Frauke Ollmann (48) steckt Kostüme ab und wandelt Entwürfe in Schnitte um. Seit ihrer Weiterbildung zur Gewandmeisterin sorgt sie dafür, dass Theaterschauspieler auf die passenden Kleidungsstücke für das jeweilige Stück zurückgreifen können.

Schon ihre Ausbildung zur Damenschneiderin machte Frauke Ollmann teilweise am Theater. „Dort wollte ich unbedingt weiterarbeiten“, erzählt die 48-Jährige. „Deshalb habe ich nach drei Jahren im Beruf die Weiterbildung zur Gewandmeisterin gemacht.“ Diese absolvierte sie an der Fachschule für Gestaltung in Hamburg.

Die Weiterbildung lief über zwei Jahre in Vollzeit. Zwar fielen an der staatlichen Schule keine Kursgebühren an, doch für Arbeitsmaterialien und den laufenden Lebensunterhalt kam einiges zusammen. „Daher habe ich im ersten Jahr noch nebenher gearbeitet, denn ich erfüllte die Voraussetzungen für das Schüler-BAföG nicht“, erklärt Frauke Ollmann. „Zusammen mit meinen Ersparnissen und mit Unterstützung meiner Eltern hat es funktioniert.“ Ein großer Teil des Kurses widmete sich der Schnittkonstruktion. „Da ging es konkret um Schnitte für Kostüme“, erzählt sie. „Von modern bis historisch war alles dabei.“ Weitere Themen waren Verarbeitungstechniken, Kostümgeschichte, Oberflächenbearbeitung sowie allgemeinbildende Fächer wie Fachenglisch oder Deutsch.

Details klären

Seit ihrem Abschluss hat Frauke Ollmann schon als Gewandmeisterin an der Staatsoper Stuttgart und am Theater Lüneburg gearbeitet. Wenn ein neues Stück auf dem Spielplan steht, bespricht sie sich zunächst ausführlich mit dem zuständigen Kostümbildner oder der Kostümbildnerin. „Ich bekomme dann die gezeichneten Figurinen, also Vorlagen, nach denen die Kostüme entstehen sollen. Dabei müssen wir viele Details klären, denn Vorlagen kann man auch unterschiedlich interpretieren.“ Sie hat gelernt, die richtigen Fragen zu stellen: Welche Aussage soll damit transportiert werden? Welche Farben, welcher Stoff, welcher Schnitt kommen infrage? Aufmerksam hört sie dem jeweiligen Kostümbildner zu und hakt bei Unsicherheiten nach.

Wenn alles geklärt ist, macht sich Frauke Ollmann an die Schnittkonstruktionen. Die zugeschnittenen Kostüme kommen in die Theaterwerkstatt, wo sie den Schneiderinnen und Schneidern Anweisungen erteilt. Die Kostüme steckt sie bei der Anprobe mit den Darstellern ab. „Wir müssen oft noch etwas ändern“, sagt sie, „zum Beispiel wenn eine Darstellerin auf der Bühne Rad schlagen soll und das Kostüm für die Bewegung noch nicht geeignet ist.“ Wenn die Kostüme fertig sind, beginnen die Hauptproben. „Dabei kommt zum ersten Mal alles zusammen: Bühnenbild, Licht, Maske und Kostüm“, sagt die Gewandmeisterin. Bei diesen Proben vergewissert sie sich, dass alles sitzt, und behebt im Anschluss noch einzelne Probleme. Zudem hat sie eine weitere Aufgabe: „Ich muss auch darauf achten, dass alle Darsteller in jeder Szene die richtigen Kleidungsstücke tragen.“

Die ganze Spielzeit

Auch im Laufe der Spielzeit bleibt Frauke Ollmann verantwortlich für die Kostüme – zum Beispiel wenn eines von ihnen stark beschädigt wird oder angepasst werden muss oder wenn ein neuer Darsteller eine Rolle übernimmt. Flexibilität und die Bereitschaft, auch mal abends oder an Wochenenden zu arbeiten, gehören zu ihrem Beruf. Auch gilt es, den Überblick zu behalten, denn oft entstehen Kostüme parallel für mehrere Stücke.

Mittlerweile arbeitet sie frei für verschiedene Theater und unterrichtet auch selbst an einer Fachschule: „Ich könnte auch als Gewandmeisterin beim Film tätig werden, aber meine Faszination für das Theater ist geblieben.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/8553