Galvaniseur­meister

Ich habe mich jeden Abend nach der Arbeit noch zwei Stunden in die Küche gesetzt und gelernt.

Meisterliches Wissen

Eine Weiterbildung kann neue Möglichkeiten eröffnen, so wie bei Martin Müller (33). Dank seiner Qualifizierung konnte er eine verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen – und schließlich den Traum vom eigenen Betrieb umsetzen.

Martin Müller absolvierte eine Ausbildung zum Galvaniseur – mittlerweile lautet die Abschlussbezeichnung „Oberflächenbeschichter/in“ – und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf. Er wollte nicht auf einem bestimmten Wissensstand stehen bleiben und begann, sich über mögliche Weiterbildungen zu informieren. Er stellte fest, dass für ihn der Meisterabschluss in seinem Handwerk die interessanteste Option wäre. Angeboten wurde die Qualifizierung unter anderem am Kompetenzzentrum für Galvano- und Oberflächentechnik der LGA Nürnberg. Hier absolvierte er die beiden ersten Teile des vierteiligen Vorbereitungskurses.

Voll- und Teilzeit im Mix

Ein Jahr lang nahm Martin Müller neben der Arbeit am Unterricht teil, immer freitags und samstags. Für den Freitagsunterricht wurde er von der Arbeit freigestellt. Vorhandenes Wissen wurde vertieft und neues kam hinzu. So bauten die Teilnehmer zum Beispiel ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse aus, sie lernten neue Prüfverfahren kennen und beschäftigten sich damit, wie Normen anzuwenden sind. Darüber hinaus ging es um verschiedene Verfahren der chemischen, elektrolytischen und mechanischen Oberflächenbehandlung und deren weitreichende Anwendungsfelder. Das Programm war straff: „Ich habe mich jeden Abend nach der Arbeit noch zwei Stunden in die Küche gesetzt und gelernt – für die Familie fehlte häufig die Zeit“, erinnert sich Martin Müller.

Die beiden noch fehlenden Teile absolvierte er im Rahmen eines achtwöchigen Vollzeitkurses am Berufsbildungszentrum Rohr bei Meiningen. Hier ging es vor allem um betriebswirtschaftliches Wissen. Auch die Ausbildereignungsprüfung legte er in dieser Zeit ab.

Die Kurskosten in Höhe von rund 4.000 Euro finanzierte Martin Müller über Meister-BAföG (jetzt: Aufstiegs-BAföG). Weitere 8.000 Euro an eigenen Ersparnissen investierte er in Lernmaterial und die Fertigung des Prüfungsstücks.

Neue Perspektiven

Mit dem neuen Titel ergaben sich neue Möglichkeiten: Er bewarb sich auf eine Stelle im mittleren Management eines Medizintechnikunternehmens und hatte mit seiner Bewerbung Erfolg. Drei Jahre lang war er hier vorwiegend administrativ tätig. Doch realisierte er schrittweise, dass er sich etwas anderes wünschte: „Ich hatte mich unglaublich weit von der Vorstellung entfernt, die ich ursprünglich von meinem Beruf hatte.“ Es war an der Zeit, sich beruflich noch einmal neu zu orientieren. Martin Müller entschied sich für den Weg in die Selbstständigkeit und schrieb einen Businessplan. „Ich wollte einfach mal die ideale Firma, so wie ich sie mir vorstelle, zu Papier bringen.“ Mit der Hilfe seiner Steuerberaterin trat er in Kontakt mit einer Bank, überzeugte sie von seiner Idee und sicherte so die Finanzierung seines Vorhabens.

Inzwischen ist die Aurolia Technologies GmbH gut im Geschäft. „Wir sind als einer von vier Beschichtern weltweit für einen großen deutschen Maschinenbaukonzern tätig und beliefern unter anderem einen führenden Technologiekonzern der Automobilindustrie“, erzählt Martin Müller. Wenn er frühmorgens in die Firma kommt, verschafft er sich zunächst einen Überblick über die anstehenden Aufgaben. Er organisiert die Arbeitsabläufe, kalkuliert die Kosten und stimmt sich mit den Kunden ab. Und er geht Problemen auf den Grund. „Gerade hatte ich einen Kunden, der unzufrieden mit der Arbeit eines Beschichters war. Ich stellte dann fest, dass es am Material lag. So was erkenne ich nur aufgrund des Wissens, das ich mir in der Weiterbildung angeeignet habe.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/1994