Feinwerk­mechaniker­meisterin

Die Weiterbildungsinhalte sind happig – wenn man sich nicht wirklich dafür interessiert, wird es schwierig.

Neustart als Meisterin

Als einzige Frau ihres Jahrgangs absolvierte Saskia Scheppach (29) die Weiterbildung zur Feinwerkmechanikermeisterin. Ihre Entscheidung hat sie nicht bereut.

Für Saskia Scheppach stand früh fest, dass sie im Metallbereich arbeiten wollte: „Mein Vater ist Metallbauermeister und war immer mein Vorbild.“ Sie absolvierte eine Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin und sah sich schon kurz nach ihrem Abschluss nach einer Möglichkeit um, den Meisterabschluss in ihrem Handwerk zu machen. Die Suche nach dem passenden Weiterbildungsanbieter nahm einige Zeit in Anspruch. „Ich wollte einen Kurs, den ich neben der Arbeit besuchen kann, und wäre fast an den Bodensee gefahren, weil ich in der Nähe nichts Passendes gefunden habe“, erzählt die 29-Jährige, die in der Nähe von Aalen lebt. Sie erfuhr dann aber, dass die Weiterbildung auch von der Handwerkskammer Ulm angeboten wurde, und meldete sich an.

Zwischen Theorie und Praxis

Saskia Scheppach absolvierte ihren Meisterkurs berufsbegleitend. „Ich hatte ja laufende Kosten, die auch während der Weiterbildung anfielen.“ Über einen Zeitraum von zwei Jahren fuhr sie jeweils an den Wochenenden ins nahe gelegene Heidenheim an der Brenz. „Der Kurs fand immer freitags und samstags statt, das konnte ich gut mit der Arbeit verbinden.“

Der Meisterkurs gliederte sich in vier Teile. Teil eins und zwei waren berufsbezogen – hier lernten die Teilnehmer etwa zu konstruieren und mithilfe spezieller Programme zu fräsen. „Wir hatten auch unglaublich viel Mathematik in dieser Zeit“, erzählt Saskia Scheppach. Darüber hinaus ging es beispielsweise um Prozessautomatisierung sowie um Normen und Regeln. In Teil drei und vier wurde vor allem kaufmännisches Wissen vermittelt; auf dem Lehrplan standen Buchhaltung, Wirtschaft und Recht. Nicht zuletzt wurde das Thema Arbeitspädagogik behandelt. Die Inhalte dieses Fachs waren Bestandteil der Ausbildereignungsprüfung, die die Teilnehmer im Rahmen der Weiterbildung ebenfalls ablegten.

Um die Inhalte zu verinnerlichen, trafen sich Saskia Scheppach und ihre Mitschüler jeden Sonntag zum Lernen. „Kurz vor der Prüfung haben wir uns dann auch öfter noch unter der Woche zusammengesetzt. Die Weiterbildungsinhalte sind happig – wenn man sich nicht wirklich dafür interessiert, wird es schwierig.“ Für einige Kurse nahm sie zusätzlich Urlaub.

Knapp 10.000 Euro kostete die Weiterbildung insgesamt. Es fielen Kosten für Kurse, Bücher, Prüfungsgebühren an, und es gab noch weitere Aufwendungen: „Werkzeuge und Material für das Meisterstück mussten wir ja selbst besorgen – da kam schon einiges zusammen.“ Die Kosten finanzierte sie mithilfe von Meister-BAföG. „Teilweise muss ich das zurückzahlen, der Rest wird vom Staat bezuschusst.“

Allroundtalent mit Ausbilderqualitäten

Nach dem Abschluss bewarb sich Saskia Scheppach bei der Schleich GmbH, einem Spielzeughersteller. Dass sie eingestellt wurde, war unter anderem auf ihre Qualifikation zurückzuführen, denn es wurde explizit nach einem Bewerber mit dem entsprechenden Abschluss gesucht.

Das Unternehmen stellt naturgetreue handbemalte Tierfiguren aus Hartgummi im Spritzgussverfahren her. Die Feinwerkmechanikermeisterin und ihre Kollegen fertigen die Gussformen, die bei der Produktion der Figuren zum Einsatz kommen. Morgens um sechs geht es los: „Gießen, schleifen, fräsen – bei uns macht jeder alles“, erzählt Saskia Scheppach. Zusätzlich unterstützt die Meisterin ihren Vorgesetzten bei der Anleitung der Auszubildenden. „Ich habe es schon immer gemocht, anderen etwas beizubringen“, sagt sie.

Was ihre berufliche Zukunft betrifft, so möchte die Feinwerkmechanikermeisterin zunächst weitere Berufserfahrung sammeln und dann noch mehr Verantwortung übernehmen.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/2418