Estrichleger­meister

Der Unterricht war straff organisiert.

Vom Estrichleger zum Bauleiter

Martin Haider (44) stattete viele Jahre Rohbauten mit Estrichböden aus. Aus gesundheitlichen Gründen musste er dann über alternative Tätigkeitsbereiche nachdenken. Dank seiner Meisterweiterbildung übernimmt er nun als Bauleiter verantwortungsvolle Aufgaben.

Mit Fußböden kennt sich Martin Haider aus: Seit fast 30 Jahren ist er auf Großbaustellen unterwegs, etliche Quadratmeter hat er schon mit Estrichböden ausgestattet. Die Arbeitsschritte, die dabei anfallen, kennt er aus dem Effeff – etwa das Ausgleichen von Unebenheiten im Unterboden, um auf diese Weise geeignete Flächen für Holz-, Linoleum- oder andere Bodenbeläge zu schaffen.

Sein Interesse für diese Arbeit entdeckte er bereits während seiner Ausbildung zum Parkettleger. Anstatt das Übernahmeangebot seines Ausbildungsbetriebs anzunehmen, entschied er sich für eine Estrichbau-Firma. Später wechselte er zu einem größeren Unternehmen, für das er 15 Jahre lang in Bayern, Österreich und in der Schweiz tätig war. Doch dann kam der Tag, an dem ihm ein Amtsarzt bescheinigte, dass er körperlich nicht mehr in der Lage wäre, seine Arbeit auszuüben. Sein Arbeitgeber machte ihm daraufhin den Vorschlag, eine Weiterbildung zum Meister zu absolvieren. Diese sollte die Grundlage für einen Aufstieg zum Bauleiter darstellen – eine Position mit mehr Verantwortung und praktisch keiner körperlichen Arbeitsbelastung.

Der neue Weg

Martin Haider informierte sich daraufhin bei einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung über die entsprechende Qualifizierung. Ihm wurde empfohlen, die Vorbereitungslehrgänge an der Bayerischen BauAkademie in Feuchtwangen zu absolvieren, die von der Bundesfachschule Estrich & Belag organisiert werden. Die Kosten für die Weiterbildung sowie seinen Lebensunterhalt in der Zeit finanzierte er über private Rücklagen sowie über eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Acht Monate lang fuhr Martin Haider regelmäßig für jeweils zwei bis drei Wochen nach Feuchtwangen, um die einzelnen Module zu besuchen. „Der Unterricht war straff organisiert, er dauerte von morgens 8 Uhr bis nachmittags um 17 Uhr, danach habe ich abends im Gästehaus noch weitergelernt“, resümiert er. Der Schwerpunkt lag auf der Fachtheorie. So beschäftigten sich die Teilnehmer mit Baustoffkunde, Estrichtechnologien und Trittschalldämmung. Darüber hinaus wurden Themen aus den Bereichen Betriebsführung, Kalkulation und Vertragsrecht behandelt. Auch Arbeitsschutz stand auf dem Lehrplan. Zwischen den Unterrichtseinheiten lagen jeweils zwei- bis dreiwöchige Pausen. In diesen Phasen war er in der Firma, um sich dort parallel in seinen neuen Aufgabenbereich einzuarbeiten.

Zwischen Büro und Baustelle

Seit drei Jahren ist Martin Haider mittlerweile als Bauleiter tätig, seit einem Jahr für die fränkische Firma Sastim Fußbodenbau GmbH. Das Familienunternehmen verlegt vor allem Estrichböden für neue Wohnanlagen. Der Arbeitstag des Estrichlegermeisters beginnt im Büro, wo er Abläufe plant und Aufgaben an die Mitarbeiter vergibt. Nachdem die Kolonnen auf die Baustellen gefahren sind, kalkuliert er Angebote und verhandelt die Konditionen mit Kunden und Lieferanten. Oft ist er auch selbst auf den Baustellen unterwegs und überwacht die termin- und fachgerechte Ausführung der Aufträge. Dabei muss er auch die Vorgewerke kontrollieren, um sicherzustellen, dass beispielsweise die Höhenvorgaben für einen Estrichboden eingehalten werden können. Sich selbst bezeichnet Martin Haider als „Problemlöser“ und sieht darin auch eine der wichtigsten Fähigkeiten in seinem Job. Ohne seine umfangreiche Berufserfahrung wäre das zwar nicht denkbar, trotzdem werde er seit dem Abschluss seiner Weiterbildung anders wahrgenommen: „Mit dem Meistertitel werden meine Kompetenzen mehr respektiert und anerkannt.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/4391