Erzieherin – sonder­pädagogische Einrichtungen

Der Kontakt zu den Kindern ist es, was letztlich für mich die Arbeit wertvoll macht.

Individuelle Förderung

Karin Ballwieser (49) begleitet verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. Als Erzieherin in einer sonderpädagogischen Einrichtung gehört für sie die intensive Beschäftigung mit den Kindern zum Arbeitsalltag.

Im Wilhelm-Löhe-Haus der Rummelsberger Diakonie in Altdorf leben Kinder und Jugendliche. Die jüngsten Bewohner sind drei Jahre alt, die ältesten machen gerade ihren Schulabschluss. Manche besuchen ein Gymnasium, andere ein Förderzentrum. Was sie verbindet, ist ein schwieriger Start ins Leben, ausgelöst zum Beispiel durch eine Krankheit der Eltern oder andere Schicksalsschläge, die bedingen, dass sie nicht mehr in ihren Familien versorgt werden können. „Manche Kinder bringen schreckliche Erfahrungen mit und zeigen aufgrund ihrer Traumatisierung Verhaltensauffälligkeiten“, erzählt Karin Ballwieser, die die Einrichtung mit ihren fünf Wohngruppen leitet.

Arbeit im Team

Schlagen, schreien, einnässen, sich selbst verletzen – das alles kennt die 49-Jährige von den Kindern und Jugendlichen. Für sie stehen aber nicht die Defizite der Kinder im Vordergrund, sondern das, was mit ihren vorhandenen Stärken und Fähigkeiten machbar ist. Zusammen mit ihren Kollegen entwickelt sie individuelle Erziehungs- und Förderpläne. Ziel ist es, die persönliche Entwicklung der Jugendlichen mittels verschiedener Beschäftigungen zu fördern. „Mit den Kollegen, aber auch mit unseren Psychologen und Sozialpädagogen, die auch andere Einrichtungen kennen, sprechen wir Möglichkeiten durch und holen uns Anregungen“, erklärt Karin Ballwieser. Teamgespräche, Austausch mit den Fachdiensten und auch Elterngespräche sind feste Bestandteile im Tagesablauf.

Gute Arbeit können die Betreuer aber nur leisten, wenn sie ihre persönlichen Grenzen kennen und wissen, wann sie eine Auszeit brauchen oder sich Hilfe holen sollten: „Wir bauen eine Beziehung zu den Kindern auf, bringen unsere Persönlichkeit ein. Das macht uns natürlich auch angreifbar.“ Die Auseinandersetzung mit den Kindern sei immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit.

Gearbeitet wird in der sonderpädagogischen Einrichtung im Schichtdienst: In den Nachtschichten sorgen die Betreuer dafür, dass die Jugendlichen pünktlich nach Hause kommen, und versorgen im Bedarfsfall die Kinder.

Nicht stehen bleiben

Karin Ballwieser hatte diese berufliche Herausforderung gesucht. Die ausgebildete Erzieherin wechselte von einer Kindertagesstätte in die Jugendhilfe, machte dort erste Erfahrungen in der ambulanten Betreuung und bildete sich berufsbegleitend zur Heilpädagogin weiter. „Ich wollte nicht stehen bleiben, sondern auch mein theoretisches Wissen auf den aktuellen Stand bringen.“

Schließlich fand Karin Ballwieser eine Anstellung bei ihrem heutigen Arbeitgeber. „Das Arbeitsfeld, insbesondere die Wohngruppen, haben mich interessiert. Dadurch, dass die Kinder hier leben, ist man viel näher an ihnen dran, an ihren Nöten und Sorgen“, erzählt sie.

In den vergangenen Jahren übernahm sie zusätzlich zur Betreuung auch Leitungsaufgaben: erst die Bereichs- und seit Kurzem auch die Dienststellenleitung. Um die Leitungsfunktion besser ausüben zu können, absolvierte sie berufsbegleitend eine zusätzliche Weiterbildung zur Sozialwirtin. „Ich arbeite aber nach wie vor mit den Kindern. Der Kontakt zu ihnen – zu verfolgen, wie sie ihren Weg gehen –, das ist es, was letztlich für mich die Arbeit hier wertvoll macht.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/9103