EEG-Assistent

Wenn die Patienten kein Vertrauen haben, lässt sich keine einwandfreie Untersuchung durchführen.

Gehirnströme im Blick

Wie das menschliche Gehirn funktioniert, das wissen nur Fachkräfte. Der EEG-Assistent Göran Joost-Zentgraf (41) ist einer von ihnen. Er versucht zum Beispiel herauszufinden, warum Menschen das Bewusstsein verlieren.

Die Elektroenzephalografie, kurz EEG, zählt zu den am häufigsten angewandten Untersuchungsmethoden innerhalb der Neurologie. Mithilfe der Aufzeichnung der Hirnströme lassen sich beispielsweise Schädigungen des Gehirns feststellen, außerdem auch ob bei einer schweren Hirnschädigung die Hirnfunktion endgültig erloschen ist. Dann würde ein Hirntod vorliegen und der Betroffene käme zum Beispiel als Organspender infrage, sofern er einen Spenderausweis besitzt.

EEG-Untersuchungen kommen bei verschiedensten Krankheiten und Symptomen zum Einsatz. „Große Themen sind Epilepsie und andere Bewusstseinsstörungen“, erklärt Göran Joost-Zentgraf. Der 41-Jährige ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München als EEG-Assistent tätig.

Der typische Zugang zu diesem Beruf ist eine Ausbildung zum Medizinisch-technischen Assistenten. Diese hat auch Göran Joost-Zentgraf absolviert. „Die Ausbildung fand in vier verschiedenen Klinikbereichen statt – in der Kardiologie, der Pneumologie, der HNO und der Neurologie. Hier war das EEG ein dominantes Thema.“ Nach dem Abschluss wollte Göran Joost-Zentgraf im Bereich der Neurologie arbeiten und bewarb sich auf entsprechende Stellen.

Spannungsdifferenzen auswerten

Vor Untersuchungsbeginn bringt Göran Joost-Zentgraf die Elektroden am Kopf des Patienten an. In der Regel kommt die sogenannte 10-20-Methode zum Einsatz: Dabei vermisst der EEG-Assistent den Kopf, setzt dem Patienten eine Haube auf und bringt die Brückenelektroden jeweils in 10- und 20-Prozent-Schritten an. „Der Kopf wird ausgemessen, weil jeder Kopf unterschiedlich groß ist und die Elektroden daher unterschiedlich zu setzen sind“, betont Göran Joost-Zentgraf.

Bei der Vorbereitung muss er verschiedene Besonderheiten beachten: Beispielsweise muss er den Hautwiderstand der Kopfhaut herabsetzen, damit das Untersuchungsergebnis nicht durch äußere Einflüsse verfälscht wird. Dann kann die Untersuchung beginnen. „Die Informationen fließen von den Elektroden zu einer Headbox und von dort aus in den Computer. Eine Software macht die Informationen in Form von Kurven sichtbar“, beschreibt der EEG-Assistent den Vorgang. Die sogenannten Spannungsdifferenzen geben Aufschluss darüber, ob ein Problem im Gehirn vorliegt oder nicht. Die grafische Darstellung wird als Elektroenzephalogramm bezeichnet.

Der Draht zum Patienten

Göran Joost-Zentgrafs Arbeitstag besteht nicht nur aus EEG-Untersuchungen. Er nimmt beispielsweise auch die sogenannte Ableitung von evozierten Potentialen vor: „Das ist eine Messung der sensiblen und motorischen Nervenbahnen. Hierbei geht es also auch um das zentrale Nervensystem.“

Was seine Arbeitszeiten betrifft, so sind diese geregelt. Gelegentlich hat er allerdings Rufbereitschaft und muss dann zum Beispiel bei einer Hirntoddiagnostik oder einem epileptischen Anfall zur Stelle sein.

Die fachlichen Kenntnisse, die Göran Joost-Zentgraf in seiner Ausbildung erworben hat, sind in seinem Berufsalltag nur die halbe Miete. Mindestens genauso wichtig ist die soziale Kompetenz: Die Patienten fühlen sich bei den Untersuchungen oft unwohl und haben Angst vor der Diagnose. „Daher ist es wichtig, einen Draht zu den Menschen zu haben. Wenn die Patienten kein Vertrauen haben, lässt sich keine einwandfreie Untersuchung durchführen.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/8963