Buchbinderin – Restaurierungs­arbeiten

Ich verwende Leime, die es auch vor Jahrhunderten schon gab.

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Vergangenheit zwischen Buchdeckeln

Sie kämpft gegen den Verfall: Regine Ullein (51) arbeitet als Buchbinderin für Restaurierungsarbeiten daran, alte Bücher für die Zukunft zu bewahren. Ihre Kenntnisse hat sie aus einer Weiterbildung.

Den Wunsch, sich eingehender mit der Restaurierung von Büchern zu befassen, hegte Regine Ullein schon seit Langem: „Durch eine Weiterbildung wollte ich dann meine gesammelten Erfahrungen um fundierte fachliche Kenntnisse ergänzen“, erzählt sie.

Sie nahm die dreijährige Teilzeitweiterbildung zur Buchbinderin für Restaurierungsarbeiten in Angriff. Drei bis viermal pro Jahr war sie für jeweils eine Woche in Stuttgart und lernte dort die theoretischen und praktischen Feinheiten der Buchrestaurierung am Buchbinder-Colleg kennen: „Dabei entwickelte sich unter den Kursteilnehmern ein echtes Gemeinschaftsgefühl.“ In dem Weiterbildungsjahrgang waren zehn berufstätige Buchbinder.

„Inhaltlich ging es beispielsweise um Einbandgeschichte, Papierrestaurierung, Bestandsaufnahme und Dokumentation, Werkstoffe und Technologien, die Arbeit mit Pergament und Leder, historische Klebstoffe und die Vorgehensweise bei Schimmel- oder Schädlingsbefall“, erläutert Regine Ullein. Daneben wurden Kenntnisse aus der Kunstgeschichte und naturwissenschaftliches Fachwissen vermittelt. „Besonders das Fach Chemie war hart für mich. Aber mit der Unterstützung durch die anderen Teilnehmer habe ich auch das gut meistern können“, sagt sie. Nach jedem Lehrblock setzte Regine Ullein die neu gewonnenen Kenntnisse in ihrer eigenen Werkstatt gleich praktisch um.

Arbeit für Archive und Bibliotheken

Zum Abschluss der Weiterbildung musste Regine Ullein eine theoretische, praktische und mündliche Prüfung durchlaufen. „Wir mussten Musterbücher restaurieren, archivgerecht verpacken und eine Kurzdokumentation dazu verfassen“, erzählt sie. Die Kosten für die Weiterbildung betrugen insgesamt etwa 10.000 Euro, die die Restauratorin aus eigener Tasche zahlte. Allerdings kann für die Weiterbildung auch Aufstiegs-BAföG beantragt werden: „Durch das Zertifikat des Buchbinder-Collegs erhielt ich dann schnell Restaurierungsaufträge.“ Zu ihren Kunden gehören mittlerweile öffentliche Archive und Bibliotheken.

Seite für Seite

Als ersten Schritt begutachtet die Buchbinderin die restaurierungsbedürftigen Bände und erstellt eine Kalkulation. Erhält sie den Zuschlag, beginnt die eigentliche Arbeit: „Zuerst mache ich das Buch mit Pinselchen oder einem speziellen Staubsauger sauber – und zwar Seite für Seite.“ Risse flickt sie mit hauchdünnem Japanpapier, das vorsichtig auf die alten Seiten geklebt wird. Auch der Einsatz traditioneller Werkstoffe gehört zur Arbeit der Restauratorin: „Ich verwende keine modernen Klebemittel mit Weichmachern sondern stets Leime, die es auch vor Jahrhunderten schon gab“, sagt sie. Die Handhabung dieser Werkstoffe will gelernt sein: „Anfangs fiel mir diese Vorgehensweise schwer, heute nutze ich die alten Leime lieber als die konventionellen.“ Die Restauratorin bearbeitet ein zu restaurierendes Buch nur so umfangreich wie nötig. Das alte Werkstück soll möglichst in dem ursprünglichen Zustand erhalten werden. Anstatt beispielsweise einen beschädigten Buchblock einfach zu erneuern, greift die Spezialistin zu Rundnadel und Garn, um die Heftung vorsichtig auszubessern. Neben handwerklichem Geschick braucht Regine Ullein für ihren Beruf vor allem Sorgfalt und viel Feingefühl.

Mit ihrer eigenen Werkstatt hat sich Regine Ullein mittlerweile als Restauratorin etabliert – und bewahrt mit ihrer Arbeit alte Buchschätze für die Zukunft.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/15040