Brau- und Getränke­technologe

Das Wichtigste ist aber, dass ich immer den Überblick behalte.

Experte für Hopfen und Malz

Weil er die technologischen, chemischen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge seines Berufs umfassender verstehen wollte, bildete sich Stefan Kosczynski (35) zum Brau- und Getränketechnologen weiter.

Nach seiner Ausbildung zum Brauer und Mälzer arbeitete Stefan Kosczynski einige Jahre in verschiedenen Brauereien. „Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich dachte: Ich möchte gern auch selbst Entscheidungen treffen“, sagt der 35-Jährige. Außerdem hatte er den Wunsch, tiefer in die Materie einzutauchen. Also meldete er sich an der Doemens Akademie in Gräfelfing bei München für die zweijährige Fortbildung zum Brau- und Getränketechnologen an, die mit der Qualifizierung zum Betriebsbraumeister kombiniert war. „Ich hätte auch nur den Betriebsbraumeister machen können, das hätte ein Jahr gedauert“, sagt er. „Aber ich dachte mir: Wenn schon, dann mache ich’s richtig.“

Von Abfülltechnik bis Qualitätssicherung

Während der Fortbildung vertieften die Teilnehmer ihre Kenntnisse der Brautechnologie – sie beschäftigten sich mit Rohstoffen, Gärung und Filtration. Zudem ging es um die Herstellung von alkoholfreien Getränken und Fruchtsäften, um Abfülltechnik und allgemeine Maschinenkunde. Hinzu kamen außerdem Qualitätssicherung und Betriebskontrolle, Produktions- und Qualitätsmanagement, Mess- und Regelungstechnik, Prozessautomation, Elektrotechnik, Lebensmittelchemie sowie Biotechnologie. Diese umfassenden Kenntnisse sollen die Absolventen in die Lage versetzen, später in allen Sparten der Getränkeindustrie arbeiten zu können. Durch die vermittelten rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Inhalte haben sie außerdem das Rüstzeug, um Führungsaufgaben zu übernehmen.

Da der Kurs in Vollzeit stattfand – ein Teilzeitmodell gibt es auch, es wird aber nur selten genutzt –, zog Stefan Kosczynski mit einem Mitschüler in eine WG. Zu den Kosten für Wohnung, Verpflegung und Fahrten nach Hause in Höhe von etwa 900 Euro pro Monat kamen Lehrgangsgebühren von insgesamt rund 11.200 Euro und etwa 700 Euro Prüfungsgebühren. Finanzieren konnte er die Fortbildung mit Ersparnissen und Meister-BAföG.

Die Weiterbildung hat der Brautechnologe als lernintensive Zeit in Erinnerung. Wenn um 16.15 Uhr der Unterricht beendet war, setzte er sich mit Mitschülern zusammen, um den Stoff zu wiederholen. „Wir waren selten vor 20 Uhr fertig“, sagt er. „Aber wer sich für diesen Weg entscheidet, macht das ja freiwillig.“ Und er fügt hinzu: „Ich würde es sofort wieder machen.“

Überblick über die Produktion

Gleich nach der Fortbildung fing Stefan Kosczynski im Orth-Bräu zum Fuchsbeck in Sulzbach-Rosenberg an – einer kleinen Brauerei, in der er fünf Mitarbeiter hat. Dort überwacht er vor allem den Produktionsablauf: Er muss den Rohstoffvorrat im Blick haben und bei Bedarf nachbestellen, er überprüft die Arbeit der Angestellten – und er springt ein, wenn in der Produktion einmal jemand ausfällt. „Dann stelle ich auch mal selbst den Sud an oder gehe in den Gärkeller“, sagt er. „Das Wichtigste ist aber, dass ich immer den Überblick behalte.“

Sein Betrieb braut mit einem Halbautomatik-Verfahren. Darum sind hier – anders als in großen Brauereien – noch viele Handgriffe nötig. Um etwa die festen Eiweißbestandteile von der Würze abzutrennen, müssen die Mitarbeiter Pumpen einschalten und Ventile öffnen. „Das ist eine schöne Abwechslung zur Büroarbeit, die natürlich auch dazugehört“, sagt Stefan Kosczynski.

In Zukunft warten noch mehr spannende Aufgaben auf den Brautechnologen: Er wechselt bald in eine Gasthausbrauerei, die neu aufgebaut wird. „Ich werde dort Biere selbst entwickeln – für mich ist das ein Traum“, sagt er.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/5891