Bobath-Therapeutin

Anders als in der Physiotherapie liegt der Schwerpunkt auf Problemen in Alltagssituationen.

Gemeinsam stark im Alltag

Kinder, die durch die Erkrankung des Gehirns ihre Gelenke nur schwer bewegen können, brauchen besondere Hilfe. Das ist die Aufgabe von Fachkräften wie Justine Eck (30). Als Bobath-Therapeutin unterstützt sie ihre kleinen Patienten im Alltag.

Nach ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin kam Justine Eck zum Heilpädagogischen Zentrum im bayerischen Aschau. Hier werden Kinder und junge Erwachsene therapeutisch begleitet, die etwa Schwierigkeiten beim Krabbeln, Laufen oder Anziehen haben. Das Team der Einrichtung besteht aus Physiotherapeuten, die sich jeweils auf eine besondere Therapieform spezialisiert haben.

Den Weg der Spezialisierung ging auch Justine Eck. Sie entschied sich dabei für die sogenannte Bobath-Therapie: „Der Ansatz ist hier, mit den Patienten nicht in einem Therapieraum zu arbeiten, sondern motorische Fertigkeiten direkt im Alltag zu erlernen“, erklärt die 30-Jährige. Dies stellt eine besonders hohe Anforderung an das Fachwissen, etwa in Bezug auf die physische Entwicklung von Kindern und etwaige motorische Probleme. Um sich gezielt vorzubereiten, absolvierte die Physiotherapeutin deshalb den Lehrgang zur Bobath-Therapeutin am Sozialpädiatrischen Zentrum in Traunstein.

Grundlagen und Videoanalysen

Die insgesamt sechs Kurswochen verteilten sich auf einen Zeitraum von rund einem Jahr. So konnte die angehende Bobath-Therapeutin weiterhin ihrer Arbeit nachgehen und auch die Kosten von rund 4.500 Euro aus eigener Tasche bestreiten. „Mein Arbeitgeber hat mich ebenfalls finanziell bei der Fortbildung unterstützt.“

In der ersten Präsenzwoche erwarb Justine Eck zunächst vertieftes Wissen über die physiologische und psychologische Entwicklung von Kindern. „In der zweiten und dritten Woche haben wir bereits Bewegung und Haltung anhand von Fotos und Videos analysiert.“ Danach lernten die Teilnehmer mehr über krankheitsbedingte Bewegungen und gingen auf spezielle Situationen ein, in denen Kinder besondere Hilfe benötigen.

Im Rahmen der Fortbildung absolvierte Justine Eck mehrere Praktika in nahe gelegenen Einrichtungen: In Kinderkliniken und heilpädagogischen Zentren lernte sie die praktische Arbeit mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen kennen. „Vor allem der Austausch mit den anderen Kursteilnehmern und den Mitarbeitern in den Einrichtungen war eine tolle Erfahrung. So habe ich auch eine neue Sicht auf meine eigene Arbeit erhalten.“

Als Therapeutin im Unterricht

Heute ist das Wissen aus der Fortbildung Grundlage für Justine Ecks Arbeit. Zu Beginn einer Therapie befragt sie die Eltern über den Tagesablauf der Kinder, welchen Freizeitaktivitäten diese nachgehen und wobei Unterstützung nötig ist. Anhand dieser Angaben und der medizinischen Befunde erstellt sie einen individuellen Therapieplan. „Anders als in der Physiotherapie liegt hier der Schwerpunkt auf Problemen in Alltagssituationen.“ Dementsprechend alltagsnah ist auch der Therapieansatz. Die Kinder, die im Heilpädagogischen Zentrum betreut werden, besuchen meist die der Einrichtung angeschlossene Schule. Dadurch kann Justine Eck die Kinder auch im Unterricht beobachten und unterstützen. Ein typisches Übungsziel der Therapeutin kann es zum Beispiel sein, dass das Kind die Treppen im Schulgebäude selbst hinaufsteigen kann. „Das ist das Schöne an meiner Arbeit: Ich helfe den Kindern in alltäglichen Situationen, also dort, wo sie mich brauchen – und nicht in einem Therapieraum.“

Mit ihrer Fortbildung und der damit verbundenen beruflichen Erfahrung eröffnen sich für Justine Eck auch neue Perspektiven: „Ich kann mir gut vorstellen, einmal eine eigene Praxis zu gründen.“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/8745