Anpassungs­qualifizierung: Wärme­behandlung

Man fällt Entscheidungen viel sicherer, wenn man die Produktionstechnik besser versteht.

Metallbehandlung für Praktiker

Ob Härte, Festigkeit oder Haltbarkeit: Durch Wärmebehandlung kann man die Eigenschaften metallischer Stoffe verändern. Matthias Schmehl (34) hält sich über die verschiedenen Verfahren in diesem Bereich auf dem Laufenden.

Die Hanomag Lohnhärterei betreibt mehrere Produktionsstandorte bundesweit und deckt die gesamte Palette gängiger Wärmebehandlungen ab – vom Brünieren über Einsatz- und Induktivhärten bis hin zum Nitrieren. Am Standort Gommern arbeitet Produktionsleiter Matthias Schmehl, der für das Einsatzhärten im Gas verantwortlich ist. Diese Methode benutzt man beispielsweise zur Behandlung von Getriebeteilen. „Einsatzhärten wird immer dann angewandt, wenn ein Werkstück einen zähen Kern und gleichzeitig eine verschleißbeständige Oberfläche haben soll."

Komplexe Prozesse

Beim Einsatzhärten wird die Oberfläche des zu behandelnden Bauteils unter Schutzgasatmosphäre bei Temperaturen zwischen 880 und 980 Grad Celsius mit Kohlenstoff angereichert. Anschließend wird das Werkstück angelassen – also gezielt erwärmt –, um die entstandene Spannung zu reduzieren und die geforderte Festigkeit herzustellen. Das Einsatzhärten erfolgt wahlweise im Gasstrom oder im Salzbad. Durchgeführt werden die Verfahren in prozessrechnergesteuerten und automatischen Wärmebehandlungsstraßen. Matthias Schmehl verantwortet als Produktionsleiter die Arbeitsvorbereitung, überprüft die Anlagentechnik, legt Programme an und kontrolliert die Qualität der Bauteile: „Um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, muss der Prozess optimal gesteuert werden“, betont er. „Auch wird der Härteverlauf engmaschig überwacht. Die Chargen sind unter anderem gesichert mit Sauerstoffsonden.“

Werkstoff- und Verfahrenstechnik

Zu einer Tätigkeit in der Metallbearbeitung und Oberflächenveredelung führen in der Regel Ausbildungsberufe wie Zerspanungsmechaniker oder Oberflächenbeschichter. Matthias Schmehl dagegen kam über Umwege zu seiner heutigen Tätigkeit. Nach seiner Ausbildung zum Vermessungstechniker bekam er eine Stelle in der Härterei. Was eine Übergangslösung sein sollte, eröffnete ihm neue Möglichkeiten. Er entdeckte sein Interesse für die Materie und arbeitete sich vom Maschinenbediener zum Schichtführer und schließlich zum Produktionsleiter hoch: „Am Anfang lernte ich viel von erfahrenen Kollegen, später nahm ich auch an Schulungen teil.“

Qualifizierung bleibt auch nach über 15 Jahren Berufserfahrung ein Thema für ihn. Zuletzt besuchte er das zweitägige Seminar „Einsatzhärten für Praktiker“ am Institut für Werkstofftechnik in Bremen, wo experimentelle und theoretische Arbeiten zum Thema Wärmebehandlung von Metallen erstellt werden. Fachkräfte aus der Praxis können sich in Seminaren über die Ergebnisse informieren. Im theoretischen Teil der Schulung, die Matthias Schmehl besuchte, vermittelten zunächst mehrere Dozenten werkstoff- und verfahrenstechnische Grundlagenkenntnisse. Im Anschluss standen das Gas- und Niederdruckaufkohlen, der Einsatz von Analysegeräten und Sensoren sowie die Simulation des Aufkohlungsprozesses im Mittelpunkt: „Im Praxisteil wurde dann konkret darauf eingegangen, wie man eine bestimmte Einsatzhärtungstiefe, Oberflächenhärte und einen Härteverlauf zielsicher erreichen kann.“ Matthias Schmehl wurde für das Seminar von der Arbeit freigestellt. Zudem übernahm sein Arbeitgeber die Kosten in Höhe von 750 Euro.

Die in der Fortbildung erworbenen Kenntnisse kommen dem Produktionsleiter im Arbeitsalltag zugute: „Man fällt Entscheidungen viel sicherer, weil man die Produktionstechnik besser versteht.“ Sein Wissen gibt er auch an seine zwölf Mitarbeiter weiter, die an den Anlagen arbeiten.

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