Anpassungs­qualifizierung: Verbindungs­techniken

Das Gute an der Klebetechnik ist, dass man sich in mehreren Schritten weiterqualifizieren kann.

Kleiner, schneller, leichter

Klebetechnik bietet viele Vorteile. Um sie in der industriellen Praxis anzuwenden, braucht es spezifische Fachkenntnisse. Jasmin Kanigowski (21) weiß, wie es geht.

Bei der Frage „Schraubst du noch oder klebst du schon?“ kann Jasmin Kanigowski nur lächeln. Sie ist im Mercedes-Benz-Werk Bremen in der Karosseriefertigung tätig, wo Klebetechniken seit Jahren angewandt werden. Der Automobilbau ist ein wesentlicher Treiber für klebetechnische Innovationen. Durch neue Produktionstechnologien lassen sich Prozesse optimieren, Taktzeiten verkürzen, Fahrzeuggewichte reduzieren. Jasmin Kanigowski zählt die Vorteile der Klebetechnik auf: „Weniger Gewicht, mehr Designfreiheit, keine Löcher und Nähte.“

Sichere Klebeverbindung

In der Werkhalle bedient die 21-Jährige verschiedene SPS-gesteuerte Anlagen. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf den Qualitätskontrollen: Sie prüft, ob die Klebung fachgerecht appliziert ist, und kontrolliert, ob Klebekomponenten undicht sind. Darüber hinaus bestückt sie die Anlagen, tauscht Klebefächer aus und übernimmt Wartungsarbeiten.

Dass die ausgebildete Verfahrensmechanikerin für Beschichtungstechnik heute im Rohbau arbeitet, verdankt sie der Facharbeitertalentschmiede ihres Arbeitsgebers: „Das ist ein Förderprogramm, über das ich verschiedene Fachabteilungen im Unternehmen kennenlernen konnte. Das Thema Kleben hat mich einfach fasziniert.“ In diesem Bereich sind oftmals ausgebildete Anlagenmechaniker, Metallbauer oder auch Fachkräfte für Metalltechnik tätig.

Wie bei den bewährten Verbindungsverfahren – Schweißen, Nieten, Nageln oder Verschrauben – ist auch beim Kleben eine besondere Qualifizierung erforderlich, denn hier spielen viele Faktoren eine Rolle. „Kleberart, Temperatur, Feuchtigkeit, Oberflächenvorbereitung, Anordnung der Klebeflächen – all das muss man für eine sichere Klebeverbindung bedenken“, erläutert Jasmin Kanigowski.

Spezielle Kurse für Anwender

Um sich über die Besonderheiten zu informieren, die man beim Kleben im Metallbau beachten muss, besuchte sie ein Klebpraktiker-Seminar am Klebetechnischen Zentrum des Fraunhofer Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen. Ermöglicht wurde ihr dies über das Förderprogramm ihres Arbeitgebers, der auch die Kosten des Kurses übernahm. Aktuell kostet die Fortbildung 1.350 Euro, hinzu kommen 210 Euro Prüfungsgebühren.

Zunächst vertieften die Teilnehmer ihr Wissen über Grundlagenthemen: Was ist ein Klebstoff? Welche Eigenschaften haben etwa Acrylat-, Epoxydharz- und Polyurethan-Klebstoffe? Welche Klebstoffe sind für welche Oberflächen geeignet und welche physikalischen Wechselwirkungen laufen ab? Zudem thematisierte man verschiedene Prüftechniken, mit denen sich die Qualität der Klebung kontrollieren lässt. In den Praxiseinheiten wurden von den Teilnehmern Werkstoffe vorbehandelt, Proben erstellt und wieder zerstört – um anhand des Bruchbildes Rückschlüsse auf die Haftung ziehen zu können. „Das war wirklich lehrreich, denn im Berufsalltag habe ich mit automatisierten Prozessen zu tun. Ich appliziere den Klebstoff ja nicht direkt.“

Ihr Fachwissen setzt sie heute vor allem bei der Fehlersuche und bei der Optimierung von Prozessen ein. Als Nächstes möchte sie den Lehrgang zur Klebefachkraft besuchen: „Das Gute an der Klebetechnik ist, dass man sich in mehreren Schritten weiterqualifizieren kann. Die Kurse bauen aufeinander auf und reichen bis zum Klebfachingenieur.“

Informationen

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