Anpassungs­qualifizierung: Umwelt­recht

Für unsere Arbeit ist eine ganze Reihe von unterschiedlichen Rechtsvorschriften relevant.

Fachkunde in Sachen Abfall

Um eine Sammelstelle für gefährliche Abfälle betreiben zu können, bedarf es speziell ausgebildeter Fachkräfte, die wissen, wie mit problematischen Stoffen zu verfahren ist. Tina Kowalski (36) ist eine von ihnen.

Wohin mit Farb- und Lackresten, Batteriesäure, Altölbeständen oder überschüssigen Reinigungsmitteln? Bundesweit gibt es spezielle Sammelstellen und Zwischenlager, die neben Pappe, Metallen und Gartenabfällen auch Problemabfälle annehmen. Das Personal einer solchen Sammelstelle muss einen einwöchigen Sachkundelehrgang absolvieren und die Kenntnisse jedes Jahr auffrischen beziehungsweise aktualisieren.

Der Recyclinghof in Nordenham, der von der GIB Entsorgung Wesermarsch GmbH betrieben wird, ist so ein Zwischenlager. Hier arbeitet Tina Kowalski. Die 36-Jährige ist seit über 15 Jahren im Betrieb und weiß in der Regel beim ersten Blick in den Kofferraum oder Anhänger ihrer Kunden, womit sie es zu tun hat: „Ganz gängig sind alte Farben, Lösungsmittel, Restbestände von Autopolitur oder im Herbst alte Holzschutzmittel. Beim Entrümpeln von alten Keller- und Garagenbeständen kommt es auch mal vor, dass ein Kunde in Limonadenflaschen abgefüllte Flüssigkeiten mitbringt, die nicht gleich zu identifizieren sind“, erzählt sie. Ein Labor hat sie vor Ort nicht zur Verfügung, aber der pH-Wert ist aussagekräftig. Terpentin zum Beispiel ist neutral und wird wie ein Lösungsmittel behandelt“, erklärt Tina Kowalski. Was nicht sicher zugeordnet werden kann, kommt in ein extra Fass und wird später vom Entsorger in einem Labor näher bestimmt. Vor allem der Umgang mit den Kunden macht der Fachfrau Spaß.

Silberputzbäder und Rostumwandler

Tina Kowalski ist ausgebildete Ver- und Entsorgerin der Fachrichtung Abfall. Mittlerweile wurde dieser Ausbildungsberuf neu geordnet, der entsprechende Abschluss heißt heute „Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft“. Bereits im Anschluss an ihre Ausbildung absolvierte sie den einwöchigen Sachkundelehrgang. Vermittelt werden dabei Kenntnisse über toxische Eigenschaften, Vergiftungssymptome, gefährliche Reaktionen sowie einfache Prüfmethoden und Schnelltests. „Es gibt zwar Sortieranweisungen, dennoch sollte man wissen, was passiert, wenn sich Silberputzbäder und Rostumwandler mit Zitronensäure mischen.“ Die Kosten für den Kurs belaufen sich gegenwärtig auf rund 700 Euro.

Regelwerk auffrischen

Themen wie die Sicherheit der Mitarbeiter und das Verhalten im Notfall gehören ebenso zum Lehrplan wie die Bestimmungen des Umweltrechts. „Für unsere Arbeit ist eine ganze Reihe von unterschiedlichen Rechtsvorschriften relevant. Das fängt an beim Gefahrstoffrecht und den Explosionsschutz-Richtlinien, reicht über die Gefahrgutverordnung und das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz bis hin zum Bundes-Immissionsschutzgesetz.“

"Da sich die Rechtsvorschriften jedes Jahr etwas ändern, ist für unsere Arbeit eine jährliche Aktualisierung vorgeschrieben.“ Diese Tagesschulung wird von einem externen Gefahrgutbeauftragen durchgeführt und ist für alle Fachkräfte der insgesamt drei Problemannahmestellen verpflichtend. In der Regel findet die Schulung im Januar statt: „Da treten häufig neue nationale, aber auch EU-Vorschriften in Kraft.“ Die Mitarbeiter benötigen das Wissen für ihre tagtägliche Arbeit, daher übernimmt der Betrieb die Kosten. Lediglich ein freier Tag muss geopfert werden: „Schließlich muss der Recyclinghof zu den Öffnungszeiten besetzt sein. Aber die Stunden bekommen wir gutgeschrieben.“

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