Anpassungs­qualifizierung: Spiel­förderung in der Heilpflege

Ob Ängste, Wünsche, Wut oder Trauer: In Spielhandlungen werden Gefühle lebendig.

Spielen ist Sprache

Stefanie Ferstl (47) betreut Kinder in einer heilpädagogischen Tagesstätte. Sie setzt Spiele ein, um besser zu verstehen, was in den Kindern vorgeht. Ihre Kenntnisse in diesem Bereich konnte sie über eine Fortbildung vertiefen.

Spielen sei die Sprache der Kinder, wie Stefanie Ferstl betont: „Ob Handpuppen, Stofftiere, Puppenhäuser oder Rollenspiele: Kinder drücken im Spiel oft aus, wofür ihnen Worte fehlen.“ Die ausgebildete Heilerziehungspflegerin, die sich zur Heilpädagogin weiterbilden ließ, ist in einer heilpädagogischen Tagesstätte tätig. Hier betreut sie Kinder mit ganz unterschiedlichen Problemen: „Manche sind emotional auffällig, andere haben Entwicklungsbeeinträchtigungen oder Bindungsstörungen.“

Die Kraft der Selbstheilung

Ein Spielzimmer bietet einen geschützten Rahmen für ihre Einzelarbeit mit den Kindern. Das Kind wählt das Material aus und bestimmt das Spiel, Stefanie Ferstl begleitet es und spielt teils auch mit. Die 47-Jährige ist mal ein böser Geist, der durchs Zimmer poltert, mal eine Affenmutter, die ihr Affenbaby aus dem Urwald rettet. „Ob Ängste, Wünsche, Wut oder Trauer: In Spielhandlungen werden Gefühle lebendig und können durchlebt werden. Das Kind hat die Möglichkeit, seine Erfahrungen neu zu organisieren. Bedrohungen zum Beispiel können so ihren Schrecken verlieren“, beschreibt sie den Ansatz. „Durch das Spielen werden die Selbstheilungskräfte aktiviert. Und das Kind kann ein positives Selbstbild entwickeln.“

Was nach viel Spaß klingt, erfordert von Stefanie Ferstl ein sehr hohes Maß an Konzentration: „Man muss das Kind sehr genau beobachten und verstehen können, was es im Spiel ausdrückt. Man muss außerdem sehr achtsam sein und sich auch selbst sehr gut kennen, um als Spielpartnerin unterschiedliche Rollen einnehmen zu können und um mit den oft heftigen Gefühlen umgehen zu können“, betont sie.

Um sich tiefer gehendes Wissen auf dem Gebiet der Spielförderung anzueignen und sich über Anwendungsmöglichkeiten bei der Arbeit mit Kindern mit auffälligem Verhalten oder Entwicklungsauffälligkeiten zu informieren, besuchte sie eine Qualifizierung der Gesellschaft für Personenzentrierte Psychotherapie und Beratung.

Neue Impulse

Die Schulung bestand aus 26 Einheiten, die alle vier bis sechs Wochen jeweils freitags und samstags in München stattfanden. Stefanie Ferstl reiste aus Nürnberg in die bayerische Hauptstadt, sodass neben den Kursgebühren noch Kosten für Fahrt und Übernachtungen anfielen. Insgesamt bezahlte die Heilpädagogin etwa 5.000 Euro, die sie zum Teil aus eigenen Ersparnissen finanzierte. Einen Teil übernahm ihr Arbeitgeber.

Im Rahmen der Fortbildung erwarb sie Wissen über Störungsbilder und diagnostische Verfahren, über Interventionsmöglichkeiten und die Beziehungsgestaltung durch spielerische Prozesse. Im Unterricht ging es um Spieltheorien und um die pädagogischen Funktionen des Spiels. Auch die Zusammenarbeit mit Eltern und die Führung von Krisengesprächen wurden thematisiert. In praktischen Übungen konnten die Teilnehmer das Gelernte anwenden; darüber hinaus bearbeiteten sie eigenständig einen Fall, der durch Supervision begleitet wurde.

Sich neben Beruf und Privatleben fortzubilden, empfand Stefanie Ferstl nie als Belastung. Im Gegenteil: „Die zeitlichen Abstände waren angenehm. Ich habe die Kurse als Bereicherung empfunden und jedes Mal sehr viele Impulse mitgenommen, sowohl fachlich als auch persönlich.“ Ihre nächste Fortbildung zum Thema „Personenzentrierte Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen“ hat sie bereits fest im Blick.

Informationen

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