Anpassungs­qualifizierung: Spezielle Arbeits­techniken

Durch die handwerkliche Tätigkeit hat sich das neue Fachwissen gleich gefestigt.

Festes Schuhwerk

Konrad Friedrich (56) repariert nicht nur Sohlen und Absätze, sondern passt auch Schuhe nach fachärztlichen Verordnungen orthopädisch an. Das Wissen darüber hat er in einer Weiterbildung erworben.

Seit vielen Jahren repariert Schuhmachermeister Konrad Friedrich in seinem eigenen Geschäft in Erlangen die Schuhe und Stiefel seiner Kunden. Doch immer wieder gab es Aufträge, die er nicht annehmen konnte: „Um Schuhe orthopädisch anzupassen, braucht man Spezialwissen und eine Bescheinigung, die zu solchen Arbeiten berechtigt“, erläutert der 56-Jährige. Um auch solche Kundenaufträge annehmen zu können, absolvierte er eine Weiterbildung zum Thema „Orthopädische Schuhzurichtungen“.

Wissen in der Werkstatt umgesetzt

Der Lehrgang an der Fachschule des Landungsinnungsverbands Bayern in München dauerte eine Woche, am Ende stand eine Prüfung. Um teilnehmen zu können, schloss Konrad Friedrich sein Geschäft für fünf Werktage und nahm sich vor Ort ein Zimmer. Die Kursgebühren in Höhe von rund 4.000 Euro sowie die Kosten für Anfahrt und Unterkunft bezahlte er aus eigener Tasche. In der Weiterbildung lernte er, wie er durch spezielle Schuhanfertigung Abhilfe bei typischen orthopädischen Problemen schaffen kann – wie man zum Beispiel bei einem Spreizfuß die Schuhsohle anpasst oder wie man einen Schuh orthopädisch erhöht, um unterschiedlich lange Beine auszugleichen. „In der Schulwerkstatt haben wir alles direkt in der Praxis umgesetzt“, erzählt er. „Durch die handwerkliche Tätigkeit hat sich das neue Fachwissen gleich gefestigt.“ Nach bestandener Prüfung konnte Konrad Friedrichs ein Schild in seinem Geschäft anbringen, mit dem er seither dafür wirbt, dass bei ihm orthopädische Anpassungen möglich sind. „Das hat sich ziemlich schnell herumgesprochen“, sagt der Schuhmachermeister. Bald kamen die ersten Kunden mit ärztlichem Rezept.

Zunächst lässt er sich die Konfektionsschuhe, die angepasst werden sollen, zeigen. In Ruhe bespricht er mit dem Kunden oder der Kundin das weitere Vorgehen. „Bei einem Spreizfuß beispielsweise muss ich die Mittelfußknöchelchen weich betten. Sie dürfen keinen Druck von unten bekommen“, erklärt er. „Deshalb arbeite ich in so einem Fall sogenannte Schmetterlingsrollen von unten in den Schuh ein.“

Wie man einen Schuh erhöht

Wenn er einen Schuh orthopädisch erhöhen muss, schleift Konrad Friedrich zunächst mit einer Maschine die Sohle an. Dann klebt er ein spezielles, biegsames Orthopädiematerial darauf, schleift es zu einer Abrollhilfe zu und befestigt darauf schließlich die Laufsohle mit Profil. „Ich kann zwar die normalen Reparaturwerkzeuge verwenden, muss hier aber besonders exakt vorgehen“, erklärt er. „Auch vom Ablauf her ist einiges anders als bei Schuhreparaturen.“ Die genaue Absprache mit den Kunden nimmt mehr Zeit in Anspruch, und Konrad Friedrich begleitet die Anprobe. Bei der Abrechnung zahlt der Kunde einen Eigenanteil und übergibt dem Schuhmachermeister die ärztliche Verordnung, in die dieser dann seine Kosten einträgt und sie an das zuständige Abrechnungszentrum schickt. Die Krankenkasse des Kunden bezahlt dann den Rest.

Sein orthopädisches Spezialwissen hat Konrad Friedrich mit einem Seminar zum Thema Einlagenbau noch erweitert. Außerdem organisiert er auch selbst Treffen und interne Weiterbildungen seiner Innung, bei denen die Teilnehmer über neue Materialien oder neue Maschinen informiert werden. „Ich bin zufrieden mit meinem Aufgabenspektrum und möchte meinen Betrieb so weiterführen“, sagt er.

http://bfi.plus/3490