Anpassungs­qualifizierung: Spezial­tiefbau

Es kommen Bohrgeräte zum Einsatz, die bis zu 800 PS haben und 125 Tonnen wiegen.

Bohren für die Sicherheit

Markus Walter (48) hat verantwortungsvolle Aufgaben im Spezialtiefbau: Bei Bohrungen überwacht er die Arbeitsabläufe auf den Baustellen. Über regelmäßige Weiterbildungen hält er sich auf dem Laufenden.

Als ausgebildeter Industriekaufmann ist Markus Walter ein Quereinsteiger in der Spezialtiefbaubranche. „Ich wollte irgendwann nicht mehr nur im Büro sitzen“, begründet er den Wechsel in die Branche. Er kam zu einer Spezialtiefbaufirma, sammelte dort im Laufe der Jahre viel Erfahrung im Umgang mit Spezialbohrern und stieg bis zum Werkpolier auf – heute bekleidet der 48-Jährige eine Führungsposition bei der PST Spezialtiefbau Süd GmbH in Augsburg. Regelmäßige Weiterbildung gehörte zu seinem beruflichen Werdegang. Unter anderem bot ihm sein Chef an, sich im Rahmen eines Lehrgangs zusätzliche Kenntnisse über die Bauleitung im Spezialtiefbau anzueignen.

Horizont erweitert

Die Schulung dauerte drei Wochen. „In dem Vollzeitkurs hatte ich zusammen mit 22 anderen Spezialtiefbauern aus ganz Deutschland Unterricht in Fächern wie Baumaschinenkunde, Bodenmechanik und Baustoffe für den Spezialtiefbau“, erzählt er. Außerdem ging es um besondere bautechnische Kenntnisse wie die Fertigung von Pfählen und Schlitzwänden, um Ramm- und Rüttelarbeiten, Verankerungen, Wasserhaltungsarbeiten und Düsenstrahlverfahren. „Auch Wissenswertes für die Arbeit im Büro war dabei“, berichtet Markus Walter, „vom Arbeits- und Tarifrecht über Sicherheits- und Gesundheitsschutz bis zur Mitarbeiterführung und Kommunikation. Das hat mir besonders viel Spaß gemacht."

Am Ende der Weiterbildung wurden die Kursteilnehmer im Rahmen eines Fachgesprächs mündlich geprüft. „Wir alle haben uns vor der Prüfung gut vorbereitet und abends zusammen gelernt“, erzählt Markus Walter. Besonders wertvoll war für ihn der umfassende und detaillierte Einblick in die verschiedenen Aspekte des Spezialtiefbaus: „Wenn man auf der Arbeit beispielsweise nie Schlitzwände hergestellt hat, bietet die Weiterbildung die Chance, genau das zu lernen und so seinen Horizont zu erweitern“, sagt er. Die Lehrgangs- und Fahrtkosten übernahm sein Arbeitgeber.

Komplexe Bohrverfahren

Heute ist seine Arbeitszeit zweigeteilt. „Im Büro überarbeite ich Baustellenpläne, stelle die Mitarbeiterteams, das Arbeitsgerät und die Materialien zusammen.“ Und als Werkpolier weist er vor Ort auf den Baustellen die Mitarbeiter an, hat ein Auge darauf, dass sie die Maschinen richtig bedienen, und packt auch selbst mit an.

Markus Walters Team kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn für einen Neubau eine Baugrube in einer Innenstadt ausgehoben werden soll. Im Vorfeld sichern die Fachkräfte dann die Fundamente der umliegenden Gebäude. Dazu bohren sie bis zu 25 Meter tief und errichten Betonpfahlwände: „Dabei kommen Bohrgeräte zum Einsatz, die bis zu 800 PS haben und 125 Tonnen wiegen. Da ist besondere Vorsicht geboten.“ Bei solchen Bohrungen komme meist das sogenannte „Bentonitverfahren“ zum Einsatz, wie Markus Walter erläutert. Dabei wird das Bohrloch mit einer speziellen Stützflüssigkeit gefüllt, damit kein Boden nachdrückt. Wenn das Loch fertig ist, wird ein Schüttrohr eingelassen, das den Beton einfüllt, während die Stützflüssigkeit abgesaugt wird. „Das ist ein komplexer Vorgang“, sagt der Tiefbauspezialist.

Der Spezialtiefbau sei eine hochtechnisierte Branche, sein Arbeitgeber modernisiere ständig den Fuhrpark und die Arbeitsgeräte: „Umso wichtiger ist es, dass ich durch regelmäßige Schulungen den Anschluss behalte“, betont er.

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