Anpassungs­qualifizierung: Sicherheit im Bergbau

Es gibt detaillierte Vorschriften, in welchem Turnus Mauerwerk und Seile geprüft werden müssen.

Sicherheit unter Tage

Im Bergbau ist jede Schachtförderanlage eine Sonderanfertigung, die ihre Eigenheiten hat. In einem Lehrgang informierte sich Tobias Rülke (26) über Funktionsweise und Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit solchen Anlagen.

Während Besucher im Kaliwerk „Glückauf“ im thüringischen Sondershausen eine Erlebnisbergwelt mit Konzertsaal, Kegelbahn und Kino erwartet, fördern wenige Meter weiter Bergmänner Steinsalz aus der Erde. In der Schachtanlage, die zu den ältesten der Welt gehört, befinden sich die Abbauhohlräume in 550 bis 1.150 Metern Tiefe. Das umfangreiche Wegenetz ist vergleichbar mit demjenigen einer Stadt wie Erfurt oder Halle. Gegenwärtig sind zwei Schächte aktiv, die als Material-, Förder- und Wetterschacht dienen. Dreh- und Angelpunkt ist die Schachtförderanlage. „In großen Bergwerken gibt es gesonderte Förderanlagen für Personen, Güter und Material. Bei uns läuft alles über die zwei Schächte“, sagt Tobias Rülke.

Jeder Schacht, jede Förderanlage hat ihre Eigenarten: „Die örtlichen Besonderheiten lernt man erst in der Praxis kennen.“ Gearbeitet wird im Schichtdienst, als Fördermaschinist ist Tobias Rülke sowohl unter als auch über Tage tätig.

Der Knotenpunkt

Er bedient und wartet die Förderanlage, nimmt Material an und leitet es weiter. Salz wird gefördert, Asche zum Verfüllen der Hohlräume wird unter Tage transportiert, Industrieabfälle werden eingelagert. Und auch die Bergmänner müssen eingefahren werden. „Wir sind ein Umschlagplatz, stehen ständig in Kontakt mit den Bergmännern und informieren darüber, wann was transportiert werden kann.“

Auch bei Wartungsarbeiten im Schacht selbst packt Tobias Rülke mit an. Er steigt zum Beispiel auf die Förderkörbe und sichtet das Mauerwerk. „Es gibt detaillierte Vorschriften, in welchem Turnus zum Beispiel Mauerwerk und Seile geprüft werden müssen.“ Teamarbeit wird im Bergbau traditionell großgeschrieben, allein schon aus Sicherheitsgründen: „Ein Fördermaschinist muss immer oben an der Station sein und übernimmt damit automatisch eine Notruffunktion. Wenn etwas passiert, leitet der Fördermaschinist die Rettungskette ein.“

Führerschein für Schachtanlagen

Tobias Rülke absolvierte ursprünglich eine Ausbildung zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft im Bergwerk in Sondershausen. Als er später als Fördermaschinist an die Seilfahrtanlage wechselte, durchlief er eine überbetriebliche Fortbildung bei der Sachverständigenstelle DMT in Leipzig. Diese ist für alle Fördermaschinisten vorgeschrieben, um gewährleisten zu können, dass im Arbeitsalltag sämtliche Sicherheitsvorschriften erfüllt werden. Die Kosten in Höhe von rund 1.500 Euro übernahm sein Arbeitgeber, der ihn auch von der Arbeit freistellte.

In einem einwöchigen Theorieteil ging es um Schachtfördertechnik, um die Herstellung von Schächten, um Bauformen von Antriebsmaschinen, Fahrtregler, Bremseinrichtungen, Schachtüberwachungs- und Signalanlagen. „Keine Fördermaschine ist wie die andere. Im Bergbau sind das alles Sonderanfertigungen, und der Kurs vermittelt eine gute Übersicht.“ Auch sicherheitsrelevante Aspekte, etwa in Bezug auf Seile, Fördergerüste sowie maschinen- und elektrotechnische Anlagenteile, wurden besprochen. Nicht zuletzt ging es um gesetzliche Bestimmungen und das Verhalten im Falle eines Unfalls. Nach dem theoretischen Teil absolvierte Tobias Rülke eine bestimmte Anzahl an Schichten in unterschiedlichen Stationen im Bergwerk, bevor er schließlich die Abschlussprüfung ablegte.

Für seinen Arbeitsalltag war der Lehrgang sehr hilfreich: „Unsere Anlage ist verglichen mit anderen zwar klein, übernimmt aber umfassende Aufgaben und ist sehr stark ausgelastet. Je mehr Hintergrundwissen ich mitbringe, umso besser.“

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