Anpassungs­qualifizierung: Reparatur­techniken im Musik­instrumentenbau

Wir konnten das Gelernte direkt umsetzen.

Jedes Klavier ist anders

Ein Klavier funktioniert heute genauso wie vor hundert Jahren. Was sich aber mit der Zeit ändert, sind die Techniken bei der Herstellung und Reparatur. Agnes Rapp (32) bringt ihr Wissen in diesem Bereich regelmäßig auf den neuesten Stand.

Nach ihrer Ausbildung zur Klavier- und Cembalobauerin absolvierte Agnes Rapp eine Meisterweiterbildung, die sie als Jahrgangsbeste abschloss. Darin wurde ihr breit gefächertes Fachwissen vermittelt. Seither hält sie sich über Fortbildungen auf dem Laufenden, etwa im Hinblick auf Besonderheiten, die man bei der Reparatur von Instrumenten einzelner Hersteller beachten muss. Die entsprechenden Kurse werden vom Bund deutscher Klavierbauer und auch direkt von den Produktionsbetrieben angeboten. Zuletzt besuchte sie das zweitägige Seminar „Reparatur an satinierten Oberflächen und an Polyesteroberflächen“, das von der Firma König in Frankfurt am Main durchgeführt wurde.

Mix aus Theorie und Praxis

Als Verbandsmitglied zahlte Agnes Rapp 90 Euro für das Seminar, das regulär 260 Euro gekostet hätte. Hinzu kamen die Fahrtkosten sowie Verpflegung und die Übernachtung. Während sie an der Fortbildung teilnahm, kümmerte sich ihr Mann um die gemeinsam geführte Klavierwerkstatt Rapp in Dillingen.

In den zwei Tagen der Schulung wechselten sich Theorie- und Praxisblöcke ab. „So konnten wir das Gelernte direkt umsetzen, etwa indem wir Holz mit Polyester ausgossen. Während das Material trocknete, ging es mit dem nächsten Thema weiter“, sagt sie. Den Teilnehmern wurden beispielsweise die Unterschiede bei Oberflächen wie furniertem oder foliertem Holz erklärt – oder was man bei Massivholzteilen beachten muss. „Wir haben uns zum Beispiel damit beschäftigt, wie die Materialien bei verschiedenen Lichtverhältnissen aussehen, weil sich dies wiederum darauf auswirkt, wie Kratzer auszubessern sind.“ Die zusätzlichen Kenntnisse kommen der Klavier- und Cembalobauermeisterin im Berufsalltag zugute. „Mit Problemen wie Kratzern oder etwa einer weggebrochenen Ecke haben wir als Reparaturbetrieb laufend zu tun.“ Agnes Rapp weiß nun genau, was in solchen Fällen zu tun ist. Bei schwarz hochglänzenden Klavieren beispielsweise poliert sie mit der Poliermaschine die Polyesteroberfläche wieder auf, um Kratzer zu beseitigen. Beschädigte Kanten und Ecken werden mit neuem Polyester ausgegossen und frei gearbeitet.

Reparaturen im Außendienst

Erhält sie einen neuen Auftrag, dann fährt Agnes Rapp zum Kunden und macht sich ein Bild vom Ausmaß des Schadens. Ihren Außendienstkoffer hat sie immer dabei: „Viele Reparaturen lassen sich direkt vor Ort durchführen. Nur wenn es etwas Größeres ist, wird das Instrument bei uns angeliefert.“ Oft kehrt sie nach der ersten Begutachtung dennoch zunächst ins Büro zurück, um einen Kostenvoranschlag zu erstellen: „Das ist unter anderem erforderlich, wenn es sich um einen Versicherungsfall handelt.“ Erst vor Kurzem war beispielsweise ein Transportschaden bei einem Flügel mit Palisander – einer alten Holzart – zu beheben. „Das Instrument war schon über hundert Jahre alt, und so haben wir uns für ein Auswachsen anstelle einer Kompletterneuerung entschieden, um den Originalzustand so weit wie möglich zu erhalten.“

Auch künftig will Agnes Rapp ihre Kenntnisse erweitern. „Einmal im Jahr besuche ich eine Tagung mit Kurzfortbildung, bei der man interessante Einblicke bekommt.“ Außerdem möchte sie weitere Fortbildungen bei Herstellern besuchen, etwa zum Thema Regulierung von Flügeln: „Das kann ich natürlich schon, aber auch hier hat jede Firma ihre Eigenheiten.“

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