Anpassungs­qualifizierung: Produkt­gestaltung

Es ist spannend, immer wieder mit neuen Materialien und Bearbeitungtechniken zu experimentieren.

Handwerk trifft Design

Tradition und Innovation im Kunsthandwerk schließen sich nicht aus, wie Daniel Baumann (44) weiß. Um seine Kunden mit neuen Ideen zu begeistern, bildete sich der Drechsler- und Holzspielzeugmachermeister zum Thema Produktgestaltung weiter.

Bereits der Vater und der Großvater von Daniel Baumann waren Meister im Drechslerhandwerk. Jedoch war für den heute 44-Jährigen die Aussicht, in den familieneigenen Betrieb im sächsischen Zwickau einzusteigen, zunächst keine Option. „Ich wollte beruflich einen ganz anderen Bereich kennenlernen und habe eine Ausbildung zum Altenpfleger gemacht. Jedoch habe ich nach ein paar Jahren festgestellt, dass mich dieser Bereich doch nicht erfüllt“, erzählt Daniel Baumann. Er absolvierte daher eine Ausbildung zum Drechsler- und Elfenbeinschnitzer und erwarb anschließend seinen Meistertitel.

Seit ein paar Jahren ist er nun Chef des Familienbetriebs, dessen Markenzeichen der weit über die Grenzen Sachsens bekannte „Zwickauer Spaßvogel“ ist. Die Schar der aus Edelholz gefertigten Vögel erweiterte Daniel Baumann zuletzt um eine neue Kollektion: „Meine ‚Strandhühner‘, für die ich neben Holz auch Metall, Kunststoff und Glas verarbeite, gehen auf eine Idee zurück, auf die ich durch eine Fortbildung kam“, sagt Daniel Baumann. Auf den Kurs zum Thema Produktgestaltung machte ihn ein Freund aufmerksam. „Der gestalterische Bereich gehört zu meinem Handwerk dazu. Die Schulung war eine gute Gelegenheit, mein Wissen zu diesem Thema weiter zu vertiefen.“

Zeichnen, gestalten, umsetzen

Einige Monate lang wechselte der Drechslermeister an zwei Tagen pro Woche von der Werkstatt in die Seminarräume. Der Kurs war berufsbegleitend ausgelegt, sodass Daniel Baumann weiterhin arbeiten konnte. So finanzierte er auch die Kosten in Höhe von rund 3.000 Euro. Während seiner Abwesenheit kümmerte sich sein Vater um den Betrieb.

Die Themenbereiche reichten vom klassischen Freihandzeichnen über Produktentwürfe am PC bis hin zur künstlerischen Aufbereitung und Präsentation neuer Ideen. „Sehr gut war dabei, dass wir das theoretische Wissen direkt in Praxisstunden ausprobieren konnten.“ Die einzelnen Module schlossen jeweils mit einer Praxisaufgabe ab. „Ich habe eine Lernspieluhr für Kinder entworfen.“ Dieses Projekt setzte er später in seiner Werkstatt um.

Aber auch ein anderer Aspekt machte den Kurs für Daniel Baumann besonders wertvoll: „Die Teilnehmer waren Fachkräfte aus verschiedenen Gewerken – Metallbauer, Polsterer, Optiker und sogar eine Uhrmachermeisterin. Der Austausch mit den anderen Fachleuten war für mich ein toller Bonus. So habe ich auch viele Anregungen bekommen, wie ich Holz mit anderen Werkstoffen kombinieren kann.“

Skizzieren, drechseln, weiterentwickeln

Das Wissen aus der Fortbildung hat Daniel Baumann bereits in mehrere neue Produktlinien einfließen lassen. So bietet er neben den Vogelkollektionen heute auch Schmuckunikate an: Anhand seiner Skizzen wählt er passende Holzarten aus, die er an der Drehbank mit Meißel und Röhre in Form bringt. Je nach Design beizt er anschließend das Holz, um die Maserung zu betonen, und arbeitet Details aus Perlmutt, Glas oder Metall ein.

Was den Kunsthandwerker am meisten an der Herstellung neuer Kollektionen gefällt, ist die stete Entwicklung, die damit verbunden ist: „Egal ob nun Schmuckstücke, Holzgefäße oder die Vogelserien: Dabei handelt es sich immer um Unikate. Es ist spannend, immer wieder mit neuen Materialien und Bearbeitungstechniken zu experimentieren.“

Informationen

Finden Sie Bildungsangebote in Ihrer Nähe im KURSNET:

http://bfi.plus/1529