Anpassungs­qualifizierung: Normen im Glaser­handwerk

Heute habe ich die neue DIN-Vorschrift immer griffbereit – unterwegs, auf meinen mobilen Geräten und auch an meinem Arbeitsplatz.

Glas nach DIN

Jan Kerber (33) verwirklicht Ideen aus Glas – innen wie außen. Das eigene Wissen über Regelungen und Normen aktuell zu halten, ist für den Glasermeister unabdingbar. Zuletzt informierte er sich im Rahmen einer Schulung über eine neue Glasbemessungsnorm.

Die Normen in Bezug auf Glasbemessung werden regelmäßig aktualisiert. Jüngst wurde etwa die DIN-Norm 18008 eingeführt. „Konnten Glaser Isolierglasstärken früher noch mithilfe einzelner weniger Tabellen festlegen, so ist heute dafür eine Software nötig“, erläutert Jan Kerber. Die neue Norm sei wie ein Gesetzestext, der zur Grundausstattung jedes Glaserbetriebs gehören sollte: „Dieses Wissen muss ein Glaser haben, wenn er zum Beispiel eine Glasdecke oder ein Glasgeländer plant.“ Er selbst informierte sich darüber im Rahmen einer dreitägigen Schulung.

Gesetzestext für Glaserbetriebe

Die Kurse fanden in den Berliner Unternehmensräumen seines Arbeitgebers BarteltGlas statt, der auch die Kosten übernahm. Für die Schulung wurde Jan Kerber von der Arbeit freigestellt. Veranstalter war ein Zulieferer des Unternehmens. „Zunächst ging es um eine allgemeine Einführung in den neuen Vorschriftenkatalog“, erzählt er. Danach wurden die Inhalte vertieft und an verschiedenen Praxisbeispielen verdeutlicht. Es ging etwa um die Festlegung von zulässigen Spannungen für Glaskonstruktionen, damit diese der Materialbeanspruchung standhalten. Die Teilnehmer lernten, wie man die wichtigsten statischen und bauphysikalischen Nachweise führt. Darüber hinaus ging es um Besonderheiten bei der Bemessung von punktgestütztem Glas, welches mit Punkthaltern ohne einen Rahmen an der Unterkonstruktion befestigt wird, sowie von tragendem Glas.

„Heute habe ich die neue DIN-Vorschrift immer griffbereit – unterwegs, auf meinen mobilen Geräten und auch an meinem Arbeitsplatz“, erzählt Jan Kerber. Das Gelernte wird er demnächst zusammenfassen und seinen Kollegen vorstellen.

Von allem etwas

In Jan Kerbers Arbeitsalltag kommt vor allem eines nicht auf: Langeweile. „Heute habe ich mit einem Architekten über die Planung eines neuen Einkaufszentrums gesprochen“, sagt der Glasermeister. Direkt danach sei er zu einem Meeting mit einem Kunden gefahren, der gerade den Umbau verschiedener Fast-Food-Restaurants vorbereitet. Und auch der Kontakt zu Privatkunden kommt nicht zu kurz: „Ruft mich ein Kunde an, weil er zum Beispiel eine neue Dusche braucht, dann fahre ich zu ihm nach Hause und nehme Aufmaß.“ Zurück im Büro kalkuliert er die Kosten und erstellt ein Angebot. Sobald dieses vom Kunden abgesegnet wurde, geht es an die Planung der Dusche und die Bestellung des Zubehörs. Kurz vor dem Einbau weist Jan Kerber dann noch die Monteure ein.

Für seinen Beruf müsse man Spaß an praktischer Arbeit und eine schnelle Auffassungsgabe mitbringen, wie Jan Kerber erläutert. „Ein Gefühl dafür zu haben, wie ein Team funktioniert, kann auch nicht schaden“, ergänzt der Glasermeister. Im Kontakt mit Privatkunden komme es auf Fingerspitzengefühl an – schließlich sei man in ihren privaten Räumlichkeiten tätig: „Oft arbeiten wir bei Kunden in einem intimen Bereich wie dem Badezimmer.“

In seiner Familie ist Jan Kerber gewissermaßen ein Ausreißer: „Ich komme aus einer reinen Akademikerfamilie“, sagt er. Es war jedoch schon früh klar, dass er mit seinen Händen arbeiten wollte. Nach einem Praktikum in einem Glaserbetrieb blieb er in diesem Bereich, absolvierte eine Ausbildung zum Glaser und machte später den Meisterabschluss. Und die Arbeit gefällt ihm noch immer: „Das Gefühl zu haben, hier ist etwas, das ich gemacht habe – darauf kommt es mir an.“

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