Anpassungs­qualifizierung: inklusive Erziehung in Kitas

Jeder kommt mit jedem in Kontakt, und alle lernen spielerisch.

Gleiche Chancen für alle Kinder

Jennifer Esser (27) betreut als Heilerziehungspflegerin Kinder in einer Kindertagesstätte. Um in Zukunft auch inklusive Erziehungsarbeit leisten zu können, absolviert sie eine zusätzliche Qualifizierung.

Nach ihrer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin nahm Jennifer Esser eine Stelle in der Kindertagesstätte Rheinpiraten in Düsseldorf an. Hier werden 80 Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren betreut, erzogen und gepflegt. „Wir arbeiten momentan integrativ mit vielen Kindern mit Migrationshintergrund. In naher Zukunft werden wir auch Kinder mit Beeinträchtigung aufnehmen und inklusiv arbeiten“, erzählt die 27-Jährige. „Deswegen, und weil es mich persönlich interessiert, habe ich mich entschieden, eine Fortbildung zur Fachkraft für inklusive Bildung und Erziehung zu machen.“

Grundlagen der Inklusion

Der Landschaftsverband Rheinland bietet einen Aufbaubildungsgang an, der sich über einen Zeitraum von anderthalb Jahren erstreckt und die Teilnehmer dafür qualifizieren soll, heterogene Kinder- und Jugendgruppen nach dem Leitbild der inklusiven Erziehung zu planen und zu betreuen. Das Ziel der inklusiven Erziehung ist es, allen Kindern die gleichen Betreuungs- und Bildungschancen zu gewährleisten. In Kindertagesstätten sollen behinderte und nicht behinderte Kinder sowie Kinder mit und ohne Migrationshintergrund miteinander spielen, lernen und kommunizieren.

Die Fortbildung läuft berufsbegleitend. An einem Tag pro Woche muss Jennifer Esser zum Präsenzunterricht – außer-dem einmal pro Quartal an einem Freitag und einem Samstag zu einem Unterrichtsblock. Hinzu kommen E-Learning und Selbststudium mittels Studienheften. „Einschließlich der Exkursionen kommt man auf 600 Unterrichtsstunden“, sagt Jennifer Esser. Gebühren fallen bei dem Lehrgang nicht an, lediglich 150 Euro für Lernmittel, die sie aus eigener Tasche zahlt. In insgesamt sechs Lernfeldern werden die Teilnehmer unterrichtet: Sie beschäftigen sich unter anderem mit den Grundlagen für professionelles inklusionspädagogisches Handeln, mit der Diversität von Lebenswelten und der Entwicklung im Kindes- und Jugendalter. Zudem erwerben sie Handlungskompetenz für die Arbeit in multiprofessionellen Teams und für die Projektarbeit. „Es geht um spannende und wichtige Themen wie Beziehungsgestaltung, Ängste, Vorurteile, Entwicklungspsychologie, Behinderungsbilder, Gesprächsführung und Qualitätsentwicklung“, berichtet Jennifer Esser.

Entwicklungssituation einschätzen

Schon jetzt kann sie die theoretischen Inhalte in ihren Arbeitsalltag einbringen. „Wir setzen das Konzept des offenen Hauses um. Das heißt, wir haben keine sondierten Gruppen, sondern Funktionsräume wie Krabbelnester, Werkräume, Malateliers, Turnhallen und Spielbereiche im Freien“, erläutert sie. „Jeder kommt mit jedem in Kontakt, und alle lernen spielerisch von- und miteinander.“ Durch die Weiterbildung lernt sie, wie sie die Entwicklungssituation jedes einzelnen Kindes wahrnehmen und einschätzen kann und wie sie darauf reagieren muss. Neben ihren Tätigkeiten als Heilerziehungspflegerin übernimmt Jennifer Esser alle pflegerischen Aufgaben und ist für die Einhaltung von Hygienestandards verantwortlich.

„Mich füllt meine Arbeit wirklich aus, und ich freue mich über die Erfolge“, sagt Jennifer Esser über ihre berufliche Situation. „Inzwischen gebe ich meinen Kolleginnen, die Erzieherinnen oder Sozialpädagoginnen sind, mein Wissen aus der Fortbildung weiter“, sagt sie. „So kann ich sie auf die inklusive Arbeit vorbereiten.“

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