Anpassungs­qualifizierung: Geografische Informations­systeme (GIS)

Man muss Geduld und Ausdauer an den Tag legen, um auch Feinheiten mit der nötigen Genauigkeit zu bearbeiten.

Genaue Karten, schicke Karten

Daniel Müller (27) sorgt dafür, dass die topografische Karte Brandenburgs übersichtlich und gut lesbar ist. Die Kenntnisse im Umgang mit der dafür verwendeten Software eignete er sich im Rahmen einer Schulung an.

Nach seiner Ausbildung zum Geomatiker wurde Daniel Müller von seinem Ausbildungsbetrieb, der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg in Potsdam, übernommen. Hier arbeitet er an der laufenden Aktualisierung sowie an der Gestaltung von topografischen Karten. Dafür verwendet er vor allem ein bestimmtes Modul eines Geoinformationssystems – einen sogenannten Editor. „Der Editor ist ein Modul, dessen Funktionalität speziell auf die Grundaktualisierung von Kartenmaterial ausgerichtet ist“, erläutert der Geomatiker. „Im Gegensatz zur Grundsoftware bietet er eine wesentlich komplexere Benutzeroberfläche.“ Im Rahmen einer Schulung lernte er, die Software zu bedienen. Der Kurs fand vor Ort bei seinem Arbeitgeber statt, der auch die Kosten trug.

Zusammen mit drei anderen Kollegen saß Daniel Müller zwei Wochen lang jeden Vormittag an einem PC-Arbeitsplatz und wurde in die Bedienung der Software eingeführt. Zusätzlich zu den theoretischen Erläuterungen der einzelnen Funktionen beinhaltete der Kurs auch praktische Einheiten: Jeder Teilnehmer arbeitete mit einem Teil einer digitalen Karte, einem sogenannten Kartenblatt. „So konnten wir uns ausprobieren und das Erlernte praktisch umsetzen.“ Am Ende wurde jedes Kartenblatt ausgedruckt, die Ergebnisse wurden präsentiert und diskutiert.

Immer auf dem neuesten Stand

Derzeit arbeitet der Geomatiker an der Grundaktualisierung der topografischen Karte Brandenburgs im Maßstab 1:10.000. „Ungefähr alle drei Jahre kommt eine neue Auflage dieser amtlichen Karte Brandenburgs heraus, die den aktuellen Stand abbildet“, erklärt Daniel Müller. Der Geomatiker und seine Kollegen greifen einerseits auf Daten zurück, die zuvor von Gebietstopografen ermittelt wurden. Andererseits sichten sie Luftbildaufnahmen des knapp 30.000 Quadratkilometer großen Bundeslandes.

Die Gesamtkarte besteht aus 1.061 Kartenblättern. Daniel Müller bearbeitet diese am Bildschirm. Details wie beispielsweise der neue Verlauf einer Landstraße oder ein mittlerweile gerodetes Waldstück sind in der Regel bereits lagegetreu eingezeichnet. „Das Problem ist aber, dass diese Informationen noch nicht unseren Standards für die Herstellung der finalen Karte genügen. Beispielsweise sind Mindestabstände noch nicht eingehalten, und Linien überschneiden sich“, erklärt der Fachmann. Anhand spezieller Richtlinien und mit gestalterischem Gespür rückt er kartografische Symbole und Beschriftungen für Gewässer, Straßen und Ortschaften an ihren richtigen Platz und zieht Linien auseinander, sodass die Karte nicht nur exakt, sondern auch gut lesbar ist: „Wir machen die Karte sozusagen schick."

Detailverliebt und ausdauernd

Zu Daniel Müllers Arbeit gehört vor allem Liebe zum Detail: „Man muss Geduld und Ausdauer an den Tag legen, um auch Feinheiten mit der nötigen Genauigkeit zu bearbeiten.“ In der Regel arbeitet der Geomatiker rund eine Woche an einem Kartenblatt. „Man lernt Brandenburg auf diese Weise ziemlich genau kennen – wenn auch nur aus der Vogelperspektive.“ Da sich das Straßennetz und vor allem die landwirtschaftlichen Flächen fortlaufend verändern, geht auch dem Geomatiker die Arbeit nie aus. „Es gibt immer Neuerungen, die eingepflegt und für die nächste Ausgabe der Karte angepasst werden müssen – das wird nie langweilig.“

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