Anpassungs­qualifizierung: Existenzgründungs­seminar

Als Selbstständige muss man seinen Markt erschließen und alle Chancen nutzen.

Selbstständig in der Pflege

Sabine Habermann (47) berät ihre Kunden im Hinblick auf pflegerische, soziale, psychologische und rechtliche Aspekte der Pflegebedürftigkeit. Bevor sie sich selbstständig machte, besuchte sie ein Gründerseminar.

Die ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin Sabine Habermann suchte als alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern nach der Elternzeit den Wiedereinstieg ins Berufsleben. „Schichtdienst in einem Krankenhaus kam aufgrund meiner familiären Lage nicht infrage“, erzählt sie. „Daher arbeitete ich bei einem Pflegedienst und absolvierte begleitend eine Fortbildung zur Pflegeberaterin.“ Einige Jahre später machte sie sich mit der Pflegeberatung Sabine Habermann selbstständig.

Gründung in Schritten

Zur Finanzierung ihres Vorhabens bemühte sich Sabine Habermann um einen Gründerzuschuss von der Bundesagentur für Arbeit. Voraussetzung hierfür waren die Teilnahme an einem Existenzgründungsseminar und die Erstellung eines Businessplans. Sie entschied sich für das dreitägige Seminar für Gründungsinteressierte des Bildungsinstituts Wirtschaft in Bocholt. Zusammen mit rund 15 anderen Teilnehmern aus allen Berufssparten beschäftigte sie sich mit Buchführung, Recht und Steuern, Marketing und Werbung. Außerdem erhielt sie eine praktische Anleitung für den Businessplan samt Finanzierungsmodell. „Die Inhalte wurden uns sehr praxisnah und anhand von Präsentationen anschaulich vermittelt. Die Dozentin ging auf jeden speziell ein und gab wertvolle Tipps – sei es bei Fragen zur Umsatzsteuererklärung, zu nötigen Behördengängen oder zu Fristen für Zuschüsse. Davon hatte ich bis dahin keine Ahnung“, erzählt die Pflegeberaterin. Die Kosten des Existenzgründungsseminars liegen aktuell bei 150 Euro.

Nach Abschluss des Seminars nahm Sabine Habermann über einen Zeitraum von einem Jahr das Coaching eines Mitarbeiters des Instituts in Anspruch. Bei Fragen zu behördlichen oder steuerlichen Vorgängen konnte sie diesen per Telefon oder E-Mail kontaktieren.

Ansprüche durchsetzen

In ihrem Job beim Pflegedienst konnte Sabine Habermann neben der Pflege und Versorgung nur am Rande beratend tätig werden – heute ist das ihr Schwerpunkt. Pflegebedürftigen und deren Angehörigen beantwortet sie sowohl pflegerische als auch rechtliche Fragen – etwa in Sachen Krankenkassen-Leistungen. „Manchmal unterstütze ich Menschen mit abgelehnten Pflegeeinstufungen auch bei Widersprüchen gegen die Pflegekasse, indem ich die Gutachten der Pflegesachverständigen prüfe – auf Erfolgshonorarbasis.“ Oft besucht sie ihre Kunden zu Hause und gibt Ratschläge zur pflegegerechten Gestaltung des Wohnumfelds.

In ihrem Beruf braucht Sabine Habermann aktuelles Wissen über Pflegegesetze und rechtlichen Sachverstand. Sie pflegt einen empathischen Umgang mit Menschen, behält dabei aber immer die Faktenlage im Blick. „Wichtig ist, die persönliche Situation des Betroffenen und die seiner Angehöriger richtig einzuschätzen und die Ratschläge neutral und kompetent zu vermitteln – egal ob es um die Anschaffung eines Toilettenstuhls am Bett geht oder um den Wechsel in ein Pflegeheim.“ Die Pflegeberaterin profitiert dabei von ihrer jahrelangen Erfahrung als Pflegefachkraft. Neben der konkreten Beratung kümmert sie auch um die Buchführung und Rechnungsstellung.

Mittlerweile gibt Sabine Habermann auch Schulungen in Altersheimen und arbeitet nebenbei für einen ambulanten Dienst in der direkten Pflege. „Als Selbstständige muss man seinen Markt erschließen und alle Chancen nutzen.“

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