Anpassungs­qualifizierung: Betreuung von Demenz­patienten

Wir versuchen jeden Tag, die Erkrankten individuell zu aktivieren.

Teilnahme am Leben

Um in der Versorgung und Betreuung von demenziell veränderten Menschen die neuesten Standards anwenden zu können, absolvierte Christine Senger (45) eine Schulung.

Ursprünglich hatte Christine Senger noch in der ehemaligen DDR eine Ausbildung im Textilbereich absolviert. Nach einer beruflichen Neuorientierung, in der sie eine Ausbildung zur Alltagsbegleiterin für Menschen mit Demenzerkrankungen an der Malteser Berufsfachschule für Pflegekräfte absolvierte, wurde ihr die Übernahme beim Malteser Hilfsdienst in Duderstadt angeboten. Voraussetzung dafür war die Teilnahme an einer speziellen Qualifizierungsmaßnahme im Bereich Demenz: „Unsere Altenpflegeschule mit integrierter Tagespflege unterrichtet und betreut nach dem Konzept der Silviahemmet-Stiftung, benannt nach der schwedischen Königin“, erklärt die 45-Jährige.

Grenzüberschreitender Unterricht

Insgesamt 16 Seminartage beinhaltete die Schulung. Die Vier-Tage-Blöcke fanden in Köln und Stockholm statt und erstreckten sich über vier Monate. Die Kosten für die Schulung sowie für Anreise und Hotelunterbringung in Höhe von insgesamt 9.000 Euro übernahm ihr Arbeitgeber.

Im intensiven Ganztagsunterricht wurden den Teilnehmern die neuesten medizinischen und therapeutischen Erkenntnisse zum Thema Demenz vermittelt. Auch die rechtlichen Grundlagen, der korrekte Umgang mit demenziell Erkrankten und die Kommunikation mit den Angehörigen standen auf dem Lehrplan. Ein weiteres Thema war die Optimierung der Teamarbeit: „Demenziell Erkrankte fordern uns immer wieder. Wir müssen uns im Team aufeinander verlassen können.“ Nach den fachlichen Vorträgen folgte jeweils ein praxisorientierter Teil: „Die Erkenntnisse übten wir in Gruppenarbeit anhand von Fallbeispielen aus der Praxis ein und diskutierten die Ergebnisse – was in Stockholm auch dank eines Dolmetschers gut funktionierte.“ In der schwedischen Hauptstadt erhielt die Demenzbegleiterin zudem Einblicke in das Tagesgeschäft des örtlichen Silviahemmet-Heims. Für die abschließende Prüfung, die eine Trainerlizenz beinhaltet, lernte sie regelmäßig nach Feierabend und an den Wochenenden.

Individuelle Aktivierung

Mittlerweile betreut Christine Senger in der Tagespflege zwölf Tagesgäste. Struktur und feste Rituale sind dabei besonders wichtig, zum Beispiel in Form von gemeinsamen Mahlzeiten. Ruhe- und Beschäftigungsphasen wechseln sich regelmäßig ab. Bei Letzteren stehen etwa Singkreise, kreatives Gestalten oder therapeutische Maßnahmen wie Sinnesstimulation auf dem Programm: „Wir versuchen jeden Tag, die Erkrankten individuell zu aktivieren, beispielsweise durch die richtige Milieugestaltung.“ Bei dieser Form der Aktivierung wird versucht, durch die räumliche Gestaltung, das soziale Umfeld und die Tagesstrukturierung positiv auf die Patienten einzuwirken. „Wir möchten sie zur Teilnahme am Leben ermuntern und sie an Verhaltensweisen wie etwa das Benutzen von Besteck erinnern“, erläutert die 45-Jährige. Auch die sorgfältige Dokumentation der Aktivitäten und pflegerischen Maßnahmen gehören zu ihrem Job.

Wann immer es der Betreuungsalltag erlaubt, gibt Christine Senger ihr Wissen an der hauseigenen Altenpflegeschule an Mitarbeiter weiter, zudem ist sie Ansprechpartnerin für Angehörige. „Der Wissensbedarf wird immer größer, die Menschen sind sehr verunsichert. Das beginnt schon bei der Frage, ob es sich um Demenz handelt oder eine andere Erkrankung wie Depression zugrunde liegt.“ Wichtig für ihren Beruf sind Empathie, Kommunikationsfähigkeit, eine genaue Beobachtung des Patientenverhaltens sowie Stressresistenz.

Informationen

Finden Sie Bildungsangebote in Ihrer Nähe im KURSNET:

http://bfi.plus/9066