Wasser­bau­meister

Im Fall einer Havarie muss ein Wasserbaumeister innerhalb kürzester Zeit vor Ort sein.

Alles im Fluss!

Daniel Klatt (32) ist Wasserbaumeister bei einem Wasser- und Schifffahrtsamt. Dort betreut er in erster Linie Instandhaltungsmaßnahmen an Schleusen, Wehren, Brücken und Dükern. Die Kenntnisse dafür hat er aus einer Weiterbildung.

Auf dem Schreibtisch von Daniel Klatt liegen mehrere Checklisten. Er muss klären, welche Fachkräfte er für die Instandsetzungsarbeiten an der kleinen Schleuse Ahsen am Wesel-Datteln-Kanal benötigt. Die kleinere der beiden Schleusen ist 112 Meter lang, über 11 Meter breit und hat ein Hubsenktor am Oberwasser und ein Schiebetor am Unterwasser. Ein Oberwassertor muss ausgetauscht werden, für die Demontagearbeiten braucht er unter anderem Wasserbauer und Elektriker.

Damit Schifffahrt möglich ist

Insgesamt betreibt das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich, der Arbeitgeber von Daniel Klatt, 140 Kilometer Wasserwege mit allen dazugehörigen Bauwerken. Über 30 Kilometer davon liegen im Außenbezirk Datteln, dazu gehören Teilabschnitte des Rhein-Herne-Kanals, des Dortmund-Ems-Kanals und des Wesel-Datteln-Kanals sowie mehrere Schleusen: „Hier sorgen wir für die Instandhaltung der Bauwerke, also der Schleusenbetriebsstellen, Wehre, Brücken und Düker sowie für die Befahrbarkeit der Wasserstraßen, von der Beschilderung bis zur Mindestabladetiefe“, erklärt Daniel Klatt. „Wir“ ist ein Team aus zwei oder mehr Meistern sowie zahlreichen Fachkräften: Sein Kollege, der technische Meister, ist für die Ausschreibungen und die Betreuung der externen Firmen zuständig, er als sogenannter Regiemeister verantwortet den internen Personal- und Materialeinsatz. Mal sitzt er im Büro, tüftelt an den Kolonnenplänen oder wertet die Gewässerpeilung aus, mal ist er auf dem Kanal unterwegs, inspiziert die Baustellen und leitet die Fachkräfte an.

Eigentlich hat er eine geregelte Arbeitszeit, je nach Dienstplan aber auch Rufbereitschaft: „Im Fall einer Havarie etwa muss ein Wasserbaumeister innerhalb kürzester Zeit vor Ort sein“, erklärt er. Wenn nach einem Schiffsunfall zum Beispiel ein Schubboot eingesetzt wird, kennen die Wasserbaumeister die Peilprofile, wissen, an welchen Stellen das Wasser wie tief ist, wo geschoben und wo gezogen werden kann.

Vom Stahlwasserbau bis zum Naturschutz

Je nach Gegebenheiten – Küste, Kanal oder Ufer – sind die Aufgaben anders gelagert. Genau diese Vielfalt und der Mix aus Technik, Betriebswirtschaft und Planung von Arbeitsprozessen waren die Gründe, warum Daniel Klatt Wasserbaumeister werden wollte und sich für die entsprechende Weiterbildung entschied. „Als die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für Mitarbeiter, die sich für die Meisterqualifizierung interessierten, einen zweitägigen Auswahltest in Berlin durchführte, habe ich sofort zugesagt“, erinnert er sich. Nachdem er den Test erfolgreich abgeschlossen hatte, besuchte er auf über zwei Jahre verteilt sechs Lehrgänge von je fünf bis sechs Wochen beim Berufsbildungszentrum Koblenz. Weitere Lehrgänge fanden im Berufsbildungszentrum Kleinmachnow statt. Die Weiterbildung war kostenfrei, sein Arbeitgeber stellte ihn für die Kurse frei.

„Das Stoffpensum ist breit gefächert. Vermittelt werden zum Beispiel naturwissenschaftliche und technische Grundlagen des Wasserbaus von der Küste bis zum Gebirgsbach, Wasserschifffahrtsverwaltung, Betriebswirtschaft und Recht sowie Methoden und Instrumente für die Projektarbeit“, zählt Daniel Klatt auf. Das Abwickeln eines Projektes war auch Teil der Abschlussprüfung: „Projektarbeit ist das Handwerkszeug, das wir tagtäglich brauchen.“

Meisterstellen im Wasserbau sind rar gesät. Er musste „nur“ zwei Jahre warten, bis er als Meister eingesetzt werden konnte, dennoch: „Das Warten hat sich gelohnt!“

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/58502