Chef­pilotin

Man muss kooperieren können und braucht situative Aufmerksamkeit.

Ready For Departure

Christine Verbeek (30) steuert einen Airbus quer durch Europa und darüber hinaus. Trotz der Verantwortung, der langen Ausbildung und der unregelmäßigen Arbeitszeiten ist es für sie der schönste Beruf, den sie sich vorstellen kann.

Sie habe das schönste Büro der Welt, mit den besten Aussichten, wie Christine Verbeek sagt. Die 30-Jährige ist Flugkapitänin bei der Germania, sie steuert mit dem Airbus hauptsächlich europäische Ziele an, darunter Zypern, Mallorca und die Türkei. Manchmal stehen neben den Linienflügen Chartereinsätze an; auch die Fußballer einer Bundesligamannschaft waren schon bei ihr an Bord.

„Wir Piloten müssen alle Destinationen anfliegen können. Es gibt aber Flughäfen, die aufgrund von Besonderheiten nur vom Kapitän und nicht vom First Officer angeflogen werden dürfen oder für die sogar ein spezielles Training erforderlich ist“, erklärt sie. Der Flugkapitän ist der erfahrenere der beiden Piloten und hat die endgültige Entscheidungsgewalt über das Flugzeug.

Leben nach Dienstplan

Einen regulären Arbeitsalltag gibt es für Christine Verbeek nicht: „Ich lebe nach einem Dienstplan, der jeden Monat anders aussieht, Feiertage und Wochenenden inbegriffen.“ Sie ist kaum zu Hause und trägt als Flugkapitänin eine enorme Verantwortung. Dennoch: „Wenn ich zur Arbeit fahre, fühlt sich das nicht nach Verpflichtung an.“

Als ausgebildete Steuerfachangestellte hat sie den direkten Vergleich mit einem Bürojob. „Im Büro habe ich schnell gemerkt, dass das nicht meine Welt ist, obwohl ich gerne mit Zahlen hantiere.“ Das Fliegen hingegen hat sie schon immer beeindruckt. Ungewöhnlich ist es dennoch, dass sie so ganz ohne Vorgeschichte aus der Fliegerei die Ausbildung zur Luftverkehrsführerin absolvierte, anschließend bei einer Fluggesellschaft als Pilotin anfing und mit nur 28 Jahren Kapitänin wurde.

Das Training

Bevor ein Pilot zum Flugkapitän befördert wird, muss er je nach Airline in Deutschland 3.000 bis 6.000 Stunden Flugerfahrung als Co-Pilot vorweisen. „Es braucht einfach Zeit, um fliegerische Erfahrung zu sammeln“, sagt Christine Verbeek.

Ihr Arbeitgeber führt zudem ein eigenes Auswahlverfahren durch, das über die Zulassung zum Kapitänstraining entscheidet. Das Training an sich besteht aus einem theoretischen Lehrgang, aus Simulator-Checks sowie aus umfangreichen Trainingsflügen. „Man absolviert eine bestimmte Anzahl an Flugstunden mit dem Flugtrainer und muss verschiedene Checks durchlaufen. Dabei werden die fliegerischen Fähigkeiten genau unter die Lupe genommen. Gerade auf diesen Trainingsflügen lernt man unheimlich viel dazu.“ Am Ende des Trainings stand ihr „Final Line Check“, ein ganz normaler Linienflug mit Passagieren, das letzte Mal mit einem Trainingskapitän an ihrer Seite.

Fliegen ist das eine, das Zusammenspiel mit der Crew das andere: „Man muss kooperieren können, braucht eine situative Aufmerksamkeit, muss führen und Entscheidungen herbeiführen können“, umreißt sie die Kompetenzen. Das beginnt schon vor dem Flug: „Wir sprechen alles durch – den Flugplan, das Wetter, Spritverbrauch, Anzahl der Passagiere, Flugzeiten und Besonderheiten.“ Während des Fluges fliegt mal der Kapitän, mal der Co-Pilot aktiv das Flugzeug, der andere bedient etwa die Landeklappen- und Fahrwerkshebel, überwacht die Systemanzeigen und übernimmt den Funkkontakt. Damit die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert, gehört auch ein Crew-Resource-Management-Seminar zum Training.

Generell können Chefpiloten und -pilotinnen nicht nur Aufgaben im Cockpit übernehmen, sondern später auch in anderen Bereichen arbeiten. Sie können bei Luftfahrtunternehmen etwa Tätigkeiten in Zusammenhang mit dem Flugzeug- und Personaleinsatz übernehmen.

Informationen

Weitere Infos zu diesem Beruf finden Sie im BERUFENET:

http://bfi.plus/7328