Zahn­medizin

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Die Arbeitswelt im Überblick

Zahnärzte arbeiten im wahrsten Sinne des Wortes nah am Menschen. Sie untersuchen Zähne und Mundraum, stellen Diagnosen und nehmen Behandlungen an den Zähnen oder Kieferknochen vor. Für ihre Arbeit sind neben Fachwissen vor allem Feingefühl und Kommunikationsstärke wichtig.

Zahnmediziner/innen behandeln Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten sowie Zahnfehlstellungen – und beugen diesen vor. Wie in der Humanmedizin ist auch in diesem Bereich der erste Schritt immer die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) eines Patienten, dann folgen Untersuchung, Diagnose und Behandlung. Letztere kann etwa beinhalten, Karies-Löcher auszubohren, Füllungen einzusetzen, kranke Zähne zu ziehen oder Zahnspangen anzupassen. Neben den medizinischen Maßnahmen gehört auch die Beratung der Patienten zu den Aufgaben, etwa in Fragen der Zahnhygiene. Außerdem fällt oftmals allerlei Organisatorisches an, insbesondere als Selbstständige/r mit eigener Praxis.

Für dieses Berufsfeld solltest du neben Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen vor allem Sorgfalt mitbringen – Zahnbehandlungen bedeuten Präzisions- und Feinarbeit. Zudem spielt Hygienebewusstsein eine wichtige Rolle. Außerdem solltest du Einfühlungsvermögen und Feingefühl besitzen, um deinen Patienten die Angst vor der Behandlung zu nehmen. Ohne Flexibilität geht es ebenfalls nicht: Notfalldienste und unregelmäßige Arbeitszeiten kommen auch in der Zahnmedizin vor.

Den mit Abstand größten Anteil der berufstätigen Zahnärzte in Deutschland stellen niedergelassene Ärzte – die meisten Zahnmediziner machen sich nach ihrer Assistenzarztzeit selbstständig: Sie gründen oder übernehmen eine Praxis oder werden Teilhaber einer Gemeinschaftspraxis. Dies fordert meist hohe Anfangsinvestitionen. Nicht zuletzt deshalb, aber auch aufgrund der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wächst der Anteil der Zahnärzte und Zahnärztinnen im Angestelltenverhältnis. Wer sich dagegen für die Selbstständigkeit entscheidet, sollte unternehmerisch denken und handeln. Um neue Einnahmequellen zu erschließen, bieten viele Praxen heute kosmetische Zahnverschönerungen und vergleichbare nicht medizinische Dienstleistungen an.

„Arbeitslosigkeit war und ist für Zahnmediziner kein Thema und wird es wohl auch nicht werden“, sagt Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit. Allerdings verweist er auch auf die Herausforderung der Selbstständigkeit: „Für Berufseinsteiger, die eine Selbstständigkeit anstreben, stellen manchmal die hohen Investitionskosten für die Einrichtung einer Praxis oder den Einkauf in eine Gemeinschaftspraxis ein Problem dar. Die Tätigkeit auf Angestelltenbasis ist daher für manche zunächst die bevorzugte Alternative.

Übrigens: Neben der Tätigkeit als behandelnder Arzt gibt es auch weitere Möglichkeiten in dieser Arbeitswelt, etwa bei Gesundheitsämtern oder in der Forschung. Für eine Tätigkeit in der Wissenschaft ist eine Promotion üblich. Viele niedergelassene Zahnärzte haben ebenfalls den Doktortitel – dies ist zwar keine Voraussetzung für die Selbstständigkeit, schafft jedoch zusätzliches Vertrauen bei vielen Patienten.

Die Zahnmedizin setzt auf moderne Technik – zum Beispiel auf computergestützte Diagnose- und Assistenzsysteme. So haben in Behandlungszimmern vernetzte Zahnarztstühle mit integriertem Bildschirm Einzug gehalten. Auch was die Verwaltung und Abrechnung von Behandlungen betrifft, sind Computer und spezielle Software heute aus den Praxen nicht mehr wegzudenken. Die Behandlungsmethoden entwickeln sich ebenfalls stetig weiter. Karies kann im Anfangsstadium mittlerweile auch ohne Bohren behandelt werden.

Gesellschaftliche Veränderungen stellen die Zahnmedizin ebenfalls vor neue Herausforderungen. So wird es im Zuge des demografischen Wandels in Zukunft mehr ältere Patienten geben, die nicht mehr so einfach in die Praxis kommen können. Es gilt, neue Versorgungs- und Vergütungsmodelle zu finden, um diese Menschen besser und leichter in deren Zuhause betreuen zu können. Aber auch das Thema Mundgesundheit von Kindern genießt in dieser Arbeitswelt weiterhin einen ungebrochen hohen Stellenwert. <<

Portrait von Prof. Dr. Dietmar Oesterreich.

Interview mit Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und Zahnarzt

Lebenslanges Lernen

Herr Oesterreich, wie ist die derzeitige Lage für Berufseinsteiger?
Dietmar Oesterreich: Auch in Zukunft werden Zahnärzte überwiegend in Praxen tätig sein. Die Phase der angestellten Tätigkeit nimmt heute einen längeren Zeitraum ein. Dies dient der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der intensiven Vorbereitung auf die Niederlassung. Die Praxisübernahme ist die häufigste Niederlassungsform. Demnächst wird jeder zweite Zahnarzt in Deutschland eine Frau sein.

Welche Anforderungen müssen erfüllt werden?
Dietmar Oesterreich: Die Zuwendungsbereitschaft zum Patienten ist das Wichtigste. Zahnärzte sollten Empathie an den Tag legen, sich als Dienende für ihre Patienten verstehen und für sie da sein. Dazu sind kommunikative Kompetenzen nötig. Last, but not least geht es nicht ohne manuelle Fähigkeiten. Auch sind lebensbegleitende Fortbildungen für Zahnärzte ein Muss. <<

Vier Punkte sind wichtig, wenn man eine Praxis eröffnen möchte: Erstens betriebswirtschaftliches Verständnis – eine Praxis muss wie ein kleines Unternehmen geführt werden. Zweitens muss man sich darüber im Klaren sein, dass man Dienstleister ist – das erfordert einen freundlichen Umgang mit den Patienten. Drittens ist Mitarbeiterführung wichtig, denn ohne ein gutes Arbeitsklima läuft keine Praxis rund. Viertens Weiterbildung – nach dem Studium geht es eigentlich erst so richtig los mit dem Lernen. Beherzigt man diese Punkte, dann sind die Chancen für Einsteiger nach wie vor sehr gut.

In der Zahnmedizin wird künftig die medizinische Ausrichtung eine wichtige Rolle spielen. Mit der alternden Bevölkerung sind neben den spezifischen Veränderungen der Mundhöhle, der Zähne und des Zahnhalteapparates vermehrt internistische Erkrankungen und Altersentwicklungen zu berücksichtigen. Man wird einerseits Rücksicht nehmen müssen im Bereich der Medikation, aber auch im Hinblick darauf, welche Form von Versorgung Patienten angeboten werden kann. Zum Beispiel beeinträchtigen nachlassende Sehkraft und manuelle Geschicklichkeit solche banalen Dinge wie die Reinigung von Zähnen und Zahnersatz.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Diagnose
  • Implantologie
  • Kieferorthopädie
  • Kieferprothetik
  • Kinderzahnheilkunde
  • Medizinische Dokumentation
  • Parodontologie
  • Pharmakologie
  • Radiologie
  • unternehmerisches Denken und Handeln (v.a. bei einer eigenen Praxis)
  • Zahn-, Mund-, Kieferheilkunde
  • Zahnerhaltung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Empathie/Einfühlungsvermögen
  • Entscheidungsstärke
  • Hygienebewusstsein
  • Kommunikationsstärke
  • Sorgfalt
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/zahnmedizin