Vermessung und Geo­information

Übersichtsplan Fluss

Die Arbeitswelt im Überblick

Bauplanung, Navigation oder Klimaforschung – die Bereiche, in denen Daten aus der Vermessung und Geoinformation eingesetzt werden, sind zahlreich. Wie sind die Arbeitsmarktchancen? Was sind die Trends in diesem Bereich?

Die Experten und Expertinnen dieser Arbeitswelt vermessen unsere Umwelt genau, werten die erhobenen Geoinformationen aus und bereiten diese so auf, dass uns Pläne und Karten sowie computergestützte Navigationsinstrumente zur Verfügung stehen.

Die Daten, die sie erheben, sind beispielsweise die Grundlage für den Bau von Verkehrswegen oder die Ausweisung neuer Baugebiete. Ihre Messergebnisse können aber auch der Erschließung neuer Rohstoffvorkommen dienen oder geben Aufschluss über den globalen Klimawandel – etwa wenn untersucht wird, wie weit sich die Gletscher zurückziehen.

Vermessungsingenieure und -ingenieurinnen sind oftmals im Gelände unterwegs, etwa um Straßenbaustellen, Brücken oder Grundstücke zu vermessen. Experten aus dem Bereich Geoinformatik und Kartografie dagegen haben ihren Schwerpunkt eher im Bereich der Auswertung und Aufbereitung der Daten, beispielsweise für digitale Karten. Gemeinsam ist allen Akademikern, dass sie zumeist planende und koordinierende Aufgaben übernehmen. Beispielsweise achten sie darauf, dass ein Projekt innerhalb des Zeit- und Budgetrahmens abgeschlossen wird.

In der Arbeitswelt Vermessung und Geoinformation ist es wichtig, präzise, sorgfältig und analytisch zu arbeiten sowie mit der gängigen Branchensoftware vertraut zu sein. Auch Planungs- und Organisationstalent solltest du mitbringen. Zudem sind Kooperations- und Teamfähigkeit gefragt, denn du arbeitest zumeist mit Kollegen zusammen – vor Ort, aber noch häufiger im Büro am PC.

Ein typischer Arbeitgeber für die Akademiker/innen dieser Arbeitswelt sind Vermessungsbüros. Aber auch bei Bauunternehmen, Herstellern von Mess- und Navigationssystemen, Anbietern von Geoinformationssoftware, kartografischen Verlagen oder sogar Bergbauunternehmen können sich Chancen ergeben. Des Weiteren bietet auch der Öffentliche Dienst zahlreiche Arbeitsplätze, beispielsweise in Vermessungs- oder Bauämtern. Zudem besteht die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen, beispielsweise mit einem eigenen Ingenieurbüro oder als Berater/in.

Dr. Jens Stephani, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet über die Beschäftigungssituation in dieser Arbeitswelt: „Die Arbeitslosigkeit von Vermessungsingenieuren und Kartografen fällt allgemein gering aus und die Beschäftigung ist vergleichsweise stabil. Insgesamt handelt es sich um ein sehr kleines Berufsfeld. Neben sozialversicherungspflichtig angestellten akademischen Experten der Vermessung und Kartografie gibt es auch einige Beamte und Beamtinnen."

Sicher hast du deine Stadt schon mal mit einem Online-Kartendienst erkundet oder mit einer Smartphone-App die nächste Eisdiele oder die billigste Tankstelle in der Umgebung gefunden. Aber die Software von morgen wird noch mehr können: Vielleicht lässt sich ja schon bald der verlorene Autoschlüssel auf der Online-Karte wiederfinden? Möglich macht es das „Internet der Dinge“, also „intelligente“ Geräte, die ihren Standort automatisch ins Netz übertragen. Hinter solchen Anwendungen stecken die Akademiker dieser Arbeitswelt. Sie vermessen das Gelände– etwa mittels Tachymetern, Satelliten und neuerdings sogar Flugdrohen –, speisen die erhobenen Daten in sogenannte Geoinformationssysteme (GIS) ein und übertragen diese dann in grafische Landschaftsmodelle.

Ein interessantes Aufgabengebiet für die Akademiker/innen dieser Arbeitswelt ist das sogenannte Geomarketing: Hierbei werden ortsbezogene statistische Daten – wie beispielsweise die Bevölkerungsdichte oder Verkehrsströme – analysiert und ausgewertet. Die Ergebnisse werden zum Beispiel von Handelsketten genutzt, um geeignete Standorte für neue Filialen zu finden. Dank immer leistungsfähigerer Computer und den Daten aus dem Internet werden diese Prognosen immer präziser. <<

Portrait von Wilfried Grunau.

Interview mit Dipl.-Ing. Wilfried Grunau, Präsident des Verbandes Deutscher Vermessungsingenieure

Die Zukunft heißt Geoinformatik

Herr Grunau, welche Branchentrends sehen Sie?
Wilfried Grunau: Heute finden sich Vermessungsingenieure nicht mehr nur in den klassischen Branchen wie der Kataster- oder Ingenieurvermessung. Das Berufsfeld hat sich wesentlich erweitert: Digitalisierung, Smart City, Mobilität und Energie stehen beispielhaft für die Bereiche, in denen Geodäten heute tätig sind. Der Umgang mit raumbezogenen Daten, den „Geodaten“, hat große Bedeutung, denn circa 80 Prozent aller politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozesse haben einen Bezug zum geografischen Raum.

Welche persönlichen und fachlichen Anforderungen werden gestellt?
Wilfried Grunau: Mathematik ist sicher eine zentrale Voraussetzung. Und bei einem so abwechslungsreichen und vielfältigen Arbeitsumfeld sollte man neuen Techniken und Entwicklungen gegenüber sehr aufgeschlossen sein.

Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es?
Wilfried Grunau: Die Chancen sind in allen Bereichen enorm hoch, da Geodäten überall gefragte Fachleute sind. Im Öffentlichen Dienst kann man es durchaus bis zum Behördenleiter bringen, in der Industrie bis zum Projekt- oder Bereichsleiter. Aber auch als Freiberufler beziehungsweise Unternehmer hat man große Entwicklungschancen. <<

Das Vermessungswesen erfordert Interesse an Naturwissenschaften, Umwelt und Gesellschaft. Man sollte kommunikativ und vielseitig ausgerichtet sowie offen gegenüber neuen Technologiethemen sein wie Open Data, Big Data, der Geoinformatik und ihren Anwendungsfeldern. Mit Geoinformationssystemen (GIS) werden Geodaten verarbeitet, online Karten erstellt und raumbezogene Zusammenhänge vermittelt – auch in automatisierten Nutzungsprozessen. Die Berufsperspektiven sind breit gefächert: Vermessungsingenieure sind als Projektleiter, Planer, Entwickler, GIS-Spezialisten oder im Vertrieb bei Ingenieurbüros, Firmen und öffentlichen Institutionen tätig.

Kartografie bzw. Geomatik beginnt mit der Vermessung, sowohl am Boden als auch satellitengestützt, und endet klassischerweise beim Druck. Gute Voraussetzungen für diesen Beruf sind geografische Interessen und ein künstlerisch-kreatives Talent. Viele Produkte, die von Kartografen und Geomatikern erstellt werden, werden inzwischen auch als digitale Datensätze benötigt. Der Umgang mit elektronischer Datenverarbeitung ist Standard. Geodaten kommen immer breiter ins Bewusstsein der Menschen, sei es durch Navigationsgeräte oder Stadtplandienste im Internet. Ähnlich breit gefächert sind die Beschäftigungsmöglichkeiten für Berufsanfänger.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • CAD-Systeme Kartografie
  • Geoinformatik
  • Geoinformationssysteme, GPS, Satellitenvermessung
  • Grundbuch-, Liegenschaftsrecht
  • Gutachter- und Sachverständigentätigkeit
  • Kataster- und Liegenschaftsvermessung, Seevermessung
  • Luftbildauswertung
  • Projektmanagement
  • Topografie
  • Vermessung und vermessungstechnische Berechnungen

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/vermessung-und-geoinformation-3