Ver- und Ent­sorgung

Wiederverwertbare Plastikflaschen.

Die Arbeitswelt im Überblick

Ob bei Energieversorgern, Umweltämtern oder Recyclingbetrieben – überall werden Akademiker/innen für planende und leitende Aufgaben im Bereich der Ver- und Entsorgung gesucht. Wie sieht es mit den Beschäftigungsmöglichkeiten aus? Wo liegen die aktuellen Herausforderungen?

Die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser sowie die sichere Entsorgung von Abfällen sind von zentraler Bedeutung für die Menschen, die Wirtschaft und den Umweltschutz in unserem Land. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte die Ver- und Entsorgungsbranche eine rasante Weiterentwicklung: Wo früher Handarbeit an der Tagesordnung war, erledigen heute Hightech-Maschinen die Arbeitsabläufe. Und was vor Kurzem noch einfach weggeworfen und deponiert wurde, fließt heute als Recyclingrohstoff wieder in den Produktionskreislauf.

Die Tätigkeiten in dieser Arbeitswelt sind vielfältig. Als Ingenieur/in der Abfallwirtschaft entwickelst du neue Recyclingverfahren, sorgst für einen reibungslosen Betrieb der Maschinen oder organisierst die Logistik der Fahrzeugflotte. Als Ingenieur/in der Versorgungstechnik wiederum organisierst du zum Beispiel den Bau und die Wartung von Öl- und Gaspipelines, Wasserleitungen oder Energienetzen. Du erstellst Konstruktionszeichnungen am Rechner, präsentierst deine Pläne vor dem Auftraggeber und kümmerst dich um Genehmigungsunterlagen.

Wer im Bereich Ver- und Entsorgung arbeiten will, sollte mehr mitbringen als das Fachwissen aus dem Studium. Ebenso sind Planungs- und Organisationsgeschick, eine analytische Arbeitsweise sowie Kommunikations- und Präsentationsstärke gefragt. Schließlich steigt man als Hochschulabsolvent/in oft in leitende Positionen auf, etwa in der Bauleitung oder im Projektmanagement.

Arbeitsplätze bieten vor allem Unternehmen der Ver- und Entsorgungsbranche, wie beispielsweise Betriebe der Abfallwirtschaft und der Wasserver- und -entsorgung. Berufliche Möglichkeiten gibt es auch bei Herstellern von Gebäudetechnik, bei größeren Industriebetrieben und in der öffentlichen Verwaltung, zum Beispiel bei Umweltämtern. Auch eine Selbstständigkeit ist möglich, etwa mit einem Ingenieurbüro für Umwelt- oder Abfalltechnik.

Nach Angaben von Dr. Jens Stephani, dem Experten der Bundesagentur für Arbeit, ist die Arbeitsmarktsituation im Bereich der Gebäude- und Versorgungstechnik positiv. „Die Nachfrage nach technischen Akademikerinnen und Akademikern ist auf einem guten Niveau. Qualifizierte Fachkräfte dürften in diesem Feld gute Jobchancen vorfinden."

Diese Arbeitswelt ist von stetigen Veränderungen geprägt. Weil beispielsweise der durchschnittliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch in Deutschland tendenziell zurückgeht und zudem die Bevölkerungszahlen in manchen Regionen sinken, steht die Abwasserwirtschaft vor einer großen Herausforderung: Je weniger Wasser durch die bestehenden Leitungen fließt, desto größer wird die Gefahr, dass sich Feststoffe ablagern und die Leitungen verstopfen.

Im Bereich der Energieversorgung bestimmt die Energiewende das Arbeitsumfeld. Trotz des steigenden Anteils der Erneuerbaren Energien, deren Ertrag starken Schwankungen unterliegt, gilt es weiterhin, eine hundertprozentige Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Unternehmen suchen nach schlauen Köpfen, die wirtschaftliche und technisch machbare Lösungen für Probleme wie diese finden.

Recycling ist längst keine reine Umweltschutzmaßnahme mehr, sondern ein gutes Geschäft: Abfälle sind wertvolle Ressourcen, aus denen Rohstoffe und Energie gewonnen werden. Deshalb hat sich die sogenannte Sekundärrohstoffbranche zu einem der wachstumsstärksten Wirtschaftsbereiche Deutschlands entwickelt. Papier und Kupfer beispielsweise werden in Deutschland zu einem großen Teil wiederverwertet. Trotzdem gibt es noch viel zu tun: Bei Elektroschrott etwa ist die Recyclingquote noch gering, obwohl in Computern, Smartphones & Co. wertvolle Metalle verbaut sind. Ein interessantes Geschäftsfeld für Unternehmen der Entsorgungsbranche. <<

Portrait von Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme.

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW)

Ressourcengewinnung durch Recycling

Frau Flamme, welche Branchentrends gibt es derzeit?
Sabine Flamme: Dass ausgediente Produkte wie Elektroaltgeräte oder Baurestmassen als Ressource anzusehen sind, rückt immer stärker in den Fokus. Der weltweit zunehmende Bedarf an Rohstoffen und deren begrenzte Verfügbarkeit machen dieses Umdenken erforderlich. Gleichzeitig stellt die wachsende Anzahl an neuartigen (Verbund-)Werkstoffen die Entsorgungsbranche immer wieder vor neue Herausforderungen. Die führende Rolle der deutschen Industrie in diesem Bereich kann noch weiter ausgebaut werden.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Sabine Flamme: Der Bedarf an gut ausgebildeten Akademikern wird angesichts der zuvor beschriebenen Aufgabenstellungen weiter steigen. Verlangt werden in zunehmendem Maße interdisziplinäre Lösungsansätze: Neben entsprechendem Fachwissen, Kommunikationsbereitschaft und der Fähigkeit zu vernetztem Denken sollten Akademiker auch die Bereitschaft zur Weiterbildung mitbringen. Dass sie mit Fremdsprachenkenntnissen die ohnehin guten Chancen im Ausland noch weiter steigern können, liegt auf der Hand.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für diese Akademiker?
Sabine Flamme: Neue Herausforderungen bei der Rückgewinnung von Ressourcen aus Produkten sowie eine entsprechende Bereitschaft zur Weiterentwicklung des persönlichen Wissensstandes schaffen gute Perspektiven nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der öffentlichen Verwaltung. Dort kündigt sich ein Generationenwechsel an, das bietet gute Aufstiegsmöglichkeiten. <<

Im Rahmen des Wandels der Abfall- hin zur Kreislaufwirtschaft entstehen vielfältige neue Aufgabenfelder, für die qualifizierte Mitarbeiter benötigt werden. Besonders Verfahrenstechnikern und Umweltingenieuren mit einer Spezialisierung auf den Bereich Abfall und Entsorgung bieten wir interessante und anspruchsvolle Aufgabenfelder. In allen Bereichen ist die Bereitschaft zur Übernahme von Projektmanagementaufgaben erforderlich. Bewerber sollten daher Organisationstalent, Teamfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft mitbringen sowie die Fähigkeit, komplizierte technische Zusammenhänge zu erfassen und nachvollziehbar zu erläutern.

Die Energiewende ist uns Antrieb und Herausforderung zugleich. Wir wollen innovative Lösungen für regenerative Energieerzeugung, für Stromspeicherung oder intelligente Netze entwickeln. Und das mit jungen Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern, die gerne und viel kommunizieren, in der digitalen Welt zu Hause sind und Lust haben, die Zukunft mitzugestalten. Ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik, Praktika und Werkstudententätigkeiten sowie studienbegleitende Förderprogramme in unserem Unternehmen sind ein perfekter Einstieg in die hochdynamische Energiebranche.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Anlagenplanung (Versorgungs-, Verfahrenstechnik)
  • CAD-Systeme (Computer Aided Design)
  • Druckprüfung (Rohrleitungs-, Behälterbau)
  • Forschungsmethodik
  • Instandhaltungsmanagement
  • Kundenberatung, -betreuung
  • Kundendienst
  • Messtechnik
  • Qualitätsmanagement und -sicherung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kundenorientierung
  • Lernfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/ver-und-entsorgung-3