Tourismus und Frei­zeit­wirtschaft

Weisse Strandkörbe auf Sandstrand am Meer.

Die Arbeitswelt im Überblick

Profis rund um die Tourismus- und Freizeitwirtschaft sorgen dafür, dass die Menschen ihre freien Tage genießen können – sei es im Badeurlaub oder auf Städtereise. Wie entwickeln sich die Beschäftigungschancen? Was sind die Trends?

So manche Führungsposition in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft wird von Akademikern oder Akademikerinnen besetzt: Wenn es etwa gilt, eine Urlaubsregion zu vermarkten oder ein großes Event betriebswirtschaftlich und technisch zu planen, kommen oftmals entsprechend qualifizierte Hochschulabsolventen zum Zug.

Touristikbetriebswirte/-betriebswirtinnen entwickeln beispielsweise Reiseangebote für Touristikkonzerne, führen Verhandlungen mit Geschäftspartnern aus Hotellerie, Gastronomie und Flugbranche und stellen Gesamtpakete für die Reisenden zusammen. Verkehrsamtsleiter/innen haben die Aufgabe, die Übernachtungszahlen in ihrer Region zu steigern. Event-Manager/innen organisieren die passenden Räume für eine Veranstaltung, buchen Künstler und kümmern sich um das Marketing. An der Schnittstelle zwischen Auftraggebern und Agenturen haben sie dabei stets die Kosten im Blick. Ingenieure und Ingenieurinnen für Veranstaltungstechnik stellen dagegen sicher, dass bei großen Events vom Ton über die Beleuchtung bis hin zu Spezialeffekten alles reibungslos funktioniert.

In dieser Arbeitswelt sind Organisationstalent, Belastbarkeit sowie Kommunikations- und Verhandlungsgeschick gefordert. Tourismusprofis müssen außerdem flexibel und kreativ agieren und spontan Lösungen entwickeln können, wenn unvorhergesehene Probleme auftauchen. Die Arbeitszeiten können durchaus unregelmäßig sein, mit Terminen auch am Wochenende sollte man rechnen. Dafür bietet sich oftmals die Chance, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Deutschland zählt zu den beliebtesten Reisezielen in Europa: Pro Jahr übernachten mehrere Hundert Millionen ausländischer Gäste in Deutschland. Insbesondere der Städtetourismus profitiert davon. Die Branche gilt als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Zu den potenziellen Arbeitgebern insbesondere für Akademiker/innen zählen neben Touristikkonzernen und Reiseveranstaltern auch Fluggesellschaften oder Kur- und Touristikämter. Auch im Eventsektor finden Hochschulabsolventen Beschäftigung, zum Beispiel bei Veranstaltungsagenturen, Messe- und Kongresszentren sowie Konzert- und Theaterveranstaltern. In beiden Bereichen ist Selbstständigkeit ist eine interessante Option, etwa als Agenturinhaber/in oder mit einem Ingenieurbüro für Veranstaltungstechnik.

Die jeweilige konjunkturelle Lage beeinflusst die Nachfrage nach den Dienstleistungen dieser Arbeitswelt, etwa im Messe- und Veranstaltungsmanagement oder bei teuren Fernreisen. Freizeit und Wellness sind vielen Menschen wichtig. Die Bereitschaft, dafür Geld auszugeben, ist hoch. Dies bestätigt auch Dr. Jens Stephani, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit: „Dank der hohen Nachfrage nach Freizeit- und Sportaktivitäten hat sich die Beschäftigtenzahl positiv entwickelt. Die Arbeitslosigkeit fällt aber insgesamt vergleichsweise hoch aus – Tourismus-, Freizeit- und Sportberufe stehen bei Berufsanfängern hoch im Kurs."

Das Internet hat das Arbeitsumfeld in allen Bereichen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft stark verändert. Der Online-Reisemarkt wächst beständig. Ganz allgemein sind Computer und Smartphone mittlerweile das zentrale Informations- und Buchungsmedium für viele Reisende und Eventbesucher geworden – dies eröffnet Chancen für Hochschulabsolventen, die mit Neuen Medien und sozialen Netzwerken vertraut sind und gute Ideen haben, wie man aktuelle Trends wie das „Mobile Marketing“ auf Smartphones und Tablets für die Branche nutzen kann. Um gegen die flexible und teilweise auch günstigere Konkurrenz aus dem Netz bestehen zu können, setzen stationäre Reisebüros auf besondere Qualität, individuelle Beratung und eine Wohlfühl-Atmosphäre im Ladengeschäft.

Wichtige Trends in der Tourismusbranche sind auch die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Immer mehr Reisende achten darauf, dass die Veranstalter bestimmte soziale und ökologische Standards einhalten, zum Beispiel bei der Entlohnung der Angestellten oder beim Einkauf regionaler Lebensmittel. <<

Portrait von Armin Brysch.

Interview mit Professor Armin Brysch, Mitglied im Ausschuss Bildung des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Hochschule Kempten

Deutsche sind reisefreudig

Herr Professor Brysch, welche Branchentrends gibt es?
Armin Brysch: Die Tourismusbranche zählt zu den bedeutenden Wirtschaftszweigen Deutschlands. So arbeiten aktuell fast drei Millionen Menschen im Tourismus, das sind sieben Prozent aller Erwerbstätigen. Auch international ist der Tourismus zu einer Leitökonomie geworden. Die Bundesbürger verreisen nach wie vor gern und viel. Immer stärker nachgefragt werden Reiseziele in Deutschland. In den Sommermonaten buchen deutsche Urlauber jedoch weiterhin Klassiker wie Italien oder Österreich und viele Urlaubs-, Städte- und Wellnessreisen rund ums Mittelmeer. Ein wichtiger Trend ergibt sich zudem durch die zunehmende Digitalisierung der Branche, die für Akademiker in touristischen Berufen neue Beschäftigungsfelder und Jobmöglichkeiten eröffnet.

Welche Anforderungen werden in diesem Bereich an Berufseinsteiger gestellt?
Armin Brysch: Zu den wirklich wichtigen Anforderungen, egal ob Reiseveranstalter, Airline, Vertriebspartner, Gastgewerbe oder Tourismusorganisationen, zählen Kommunikationsstärke, interkulturelle Kompetenz, Kundenorientierung und gute Kenntnisse im Tourismusmanagement. Dies vermittelt eine Vielzahl von Bachelor-Programmen an Hochschulen. Berufseinsteiger sollten auf Basis von betriebswirtschaftlichen Instrumenten und Daten Entscheidungen treffen können. Vorteilhaft sind ein entsprechendes Tourismusstudium sowie gute Kenntnisse in möglichst verschiedenen Fremdsprachen. Auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Tourismus finden sich Links zu diversen Hochschulen. <<

Tourismus heißt Dienstleistung: Auf die Kunden zugehen, immer bereit sein, Wünsche zu erfüllen – das ist wichtig. Viel Einsatz ist gefordert, auch außerhalb der üblichen Bürozeiten. Interessenten sollten betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen, bei Geografen ist auch Wissen im Bereich Raumplanung hilfreich. Und die Bereitschaft zur Fortbildung muss gegeben sein. Prinzipiell sind die Berufsaussichten für gut ausgebildete Absolventen günstig.

Messemanager sind Organisationstalente, Netzwerker und gute Verkäufer. Eine solide betriebswirtschaftliche Grundlage gehört dazu. Wer eine Karriere im Messewesen anstrebt, sollte frühzeitig Erfahrungen in der Veranstaltungsorganisation sammeln. Praktika bei Messen, Event-Agenturen oder Festivals helfen, die eigenen Talente und die Belastbarkeit zu testen. Das Messewesen bietet viele Perspektiven – vom Messe-, Kongress- und Eventmanagement über Marketing bis hin zu Berufen in der IT oder Verwaltung.

Die Tourismusbranche bietet vielfältige Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Akademiker. Neben den Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher und touristischer Studiengänge stellt unsere Branche auch für Informatiker oder E-Commerce-Fachleute eine reizvolle Option dar. Absolventen können entweder national oder international direkt einsteigen oder im Rahmen von Traineeprogrammen starten. Begeisterungsfähigkeit, unternehmerisches Denken, Kreativität, Analysefähigkeit und eine hohe IT-Affinität sind Kompetenzen, die im Tourismus sehr gefragt sind.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Arbeitsabläufe planen und organisieren
  • Bauleitung, -überwachung
  • Baustoffkunde, -technologie
  • Bau- und Architektenrecht
  • betriebswirtschaftliche Kenntnisse
  • Entwerfen, Gestalten, Planen und Konstruieren baulicher Vorhaben
  • Projektmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Sicherheit und Umweltschutz
  • spezielle IT-Kenntnisse
  • Stahl-, Metallbau
  • Umgang mit Ausschreibungs-, Vergabeverfahren

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Kontaktstärke
  • Kreativität
  • Kundenorientierung
  • Mitarbeiter- und Menschenführung
  • Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/tourismus-und-freizeitwirtschaft