Textilien und Bekleidung

Ein Knopf im Knopfloch.

Die Arbeitswelt im Überblick

Die Textil- und Bekleidungsbranche gehört zu den ältesten Industriezweigen der Welt. Alt, aber ganz sicher nicht altmodisch, denn regelmäßig bereichern neue Modetrends und technische Innovationen den Markt. Wo liegen die beruflichen Chancen? Welche Trends kennzeichnen die Branche?

Von der Haute Couture über funktionale Sport- und Arbeitsschutzkleidung bis hin zu Hightech-Stoffen für den Auto- oder Flugzeugbau – hinter all dem steckt die Textil- und Bekleidungsindustrie. Hochschulabsolventen und -absolventinnen übernehmen häufig anspruchsvolle Fach- und Führungsaufgaben in der Herstellung oder arbeiten in den Entwicklungsabteilungen und Designateliers an neuen Produkten.

Als Ingenieur/in der Bekleidungstechnik oder der Textiltechnik steuerst du die Produktion mit allem, was dazugehört – du stellst sicher, dass die Maschinen einsatzbereit sind und genügend Material vorhanden ist. Teils wirkst du schon beim Modellentwurf mit, teils erstellst du die technischen Unterlagen für die Fertigung. Du kannst aber auch an der Entwicklung neuer Herstellungsverfahren und Anlagen arbeiten oder dich um Aufgaben wie das Qualitätsmanagement und den Vertrieb kümmern.

Als Modedesigner/in oder Textildesigner/in dagegen bist du vornehmlich kreativ und gestalterisch gefordert, solltest aber auch in puncto aktueller Trends stets auf dem Laufenden bleiben. Schließlich sollen deine Entwürfe nicht nur gut aussehen, sondern sich auch gut verkaufen. Wenn du gerne handwerklich-kreativ arbeitest, dann könnte auch eine Tätigkeit als Bühnenbildner/in oder Kostümbildner/in interessant sein.

Typische Arbeitgeber für Hochschulabsolventen und -absolventinnen sind die großen, oftmals global agierenden Textil- oder Bekleidungsunternehmen. Aber auch bei Zulieferbetrieben, Handelsunternehmen, Ingenieurbüros oder Designateliers finden sich Arbeitsplätze. Nicht zuletzt bieten auch hoch spezialisierte Mittelständler zahlreiche Möglichkeiten, beispielsweise Hersteller von sogenannten technischen Textilien – etwa bakterienresistenten Krankenhaustextilien oder Spezialstoffen für den Automobilbau. Insbesondere Designer/innen gehen oft auch den Schritt in die Selbstständigkeit.

„Die Chancen für Akademiker in diesem Bereich sind eher verhalten, auch weil der Akademikeranteil sehr gering ist“, berichtet Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit. „Kreativität und Engagement sind also nicht nur im Beruf, sondern auch hinsichtlich der Jobsuche gefragt.

Ob Bekleidungsherstellung oder Textilindustrie, ob Großunternehmen oder exportorientierter Mittelständler: Für alle ist das Auslandsgeschäft besonders wichtig. Deshalb – und auch wegen der oftmals global organisierten Produktion – sind sichere Englischkenntnisse für Akademiker/innen dieser Arbeitswelt mittlerweile absolute Pflicht. Aber auch die Kenntnis weiterer Sprachen kann sich beruflich auszahlen.

Kalter Wind, strömender Regen, plötzlicher Schneefall – Herbst und Winter können hierzulande recht ungemütlich werden. Ein Grund, warum Funktionskleidung, die man üblicherweise in technischen Berufen oder beim Sport trägt, auch im Alltag immer beliebter wird. Dadurch eröffnen sich neue Chancen nicht nur für deutsche Hersteller von Outdoorbekleidung, sondern auch für deren Zulieferer aus der Textilbranche. Neue Materialien werden erforscht, innovative Produktionsmethoden getestet, Verfahren zum Stoffrecycling entwickelt – die Bekleidungs- und Textilbranche zeigt sich zukunftsträchtig.

Hochwertige Kleidung soll aber nicht nur funktional sein, sondern auch möglichst umweltfreundlich, nachhaltig und sozialverträglich hergestellt werden. Bei der Produktion herrschen in deutschen Betrieben hohe Qualitätsstandards. Das steigert die Kosten, bietet aber auch Chancen: Denn in Deutschland hergestellte Qualitätsbekleidung hat weltweit wieder einen guten Ruf, zum Beispiel bei der wachsenden Mittel- und Oberschicht Chinas. Manche Experten sehen sogar erste Anzeichen dafür, dass sich die Verlagerung der Bekleidungs- und Textilproduktion ins Ausland in Zukunft wieder umkehren könnte. <<

Portrait von Anja Merker.

Interview mit Anja Merker, Referat Bildung des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie e.V.

Die Zukunft bleibt textil

Frau Merker, welche Trends verzeichnen Sie in Ihrer Branche?
Anja Merker: Schwerpunkt in der Textilindustrie bleiben weiterhin die innovativen Textilien in den Bereichen Medizin (Stents), Architektur (Textilbeton), sowie Luftfahrt und Automobilbau, hier ist der Leichtbau zu nennen. Im Bereich der Bekleidung nehmen Smart Wearables an Fahrt auf. Sie unterstützen die Gesundheit und das Bewegungsbewusstsein der Tragenden.

Welche Interessen sollten Studierende mitbringen?
Anja Merker: Bei Studiengängen im technischen Bereich sollte man Verständnis für und Spaß an Informatik, Mathe und Technik haben. Für ein Designstudium ist neben Kreativität auch gestalterisches und handwerkliches Können gefragt. Zudem sind gute Englischkenntnisse von Vorteil, die Textil- und Bekleidungsindustrie ist international aufgestellt.

Wie sind die Berufsaussichten?
Anja Merker: Mit einem Studium stehen einem die Türen für verantwortungsvolle Positionen in der Textil- und Bekleidungsindustrie offen, sei es in der Forschungs- oder Kreativabteilung, in der Logistik, Produktion oder im Management. Egal ob in den Bereichen Transport und Verkehr, Energie und Umwelt, Gesundheit und Medizin, Mode und Bekleidung oder Wohnen und Leben – die Berufsaussichten sind hervorragend. <<

An erster Stelle stehen bei uns der Mensch und seine Teamfähigkeit. Der beste Ingenieur bringt uns nichts, wenn er nicht ins Team passt, schließlich muss er mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat zusammenarbeiten, Ansprechpartner für alle sein – unabhängig vom Qualifikationsniveau. Wir kaufen weltweit Garne ein, um diese für Webereien und Strickereien, aber auch die Auto- und die medizinische Industrie zu färben und zu veredeln. Für Textilingenieure ergeben sich dabei etwa Aufgaben in der Produktionssteuerung, beim Umwelt- und Arbeitsschutz, aber auch im Bereich Forschung und Entwicklung.

Kreativität, Verfahrenstechnik, Chemie, Informatik, Qualitätssicherung – das sind nur einige Kompetenzen unserer Spezialisten. Im Bereich Technische Textilien arbeitet KBC mit Europas führendem Segelhersteller zusammen. Im Textildruck eröffnet der Digitaldruck neben dem Rotationsdruck völlig neue Möglichkeiten, nicht nur für die Designer. Textiler müssen international denken und arbeiten. Ebenso gern übernehmen sie bei uns früh Personalverantwortung. Soft Skills sind daher neben dem Fachwissen unabdingbar.

Mehr denn je werden Design und Marketing von der Digitalisierung geprägt. Technische Möglichkeiten und veränderte Kundenerwartungen bestimmen das Berufsfeld. Neben fachlicher Professionalität und Kreativität sind Offenheit sowie bereichsübergreifendes Denken gefragt. Dabei ist die überzeugende Verbindung von Ethik mit Ästhetik eine zentrale Herausforderung für die Textilindustrie. Nachhaltige Mode ist für hessnatur als Branchenpionier die Antwort auf begrenzte natürliche Ressourcen oder Umweltbelastungen. Jedes mit Verantwortung produzierte Kleidungsstück macht die Welt ein wenig besser.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Bekleidungstechnik
  • Entwurf
  • Faserchemie, Textilchemie
  • Fertigungstechnik
  • Kollektionserstellung, -entwicklung
  • Kundenberatung, -betreuung
  • Maschinentechnik
  • Modedesign, Bekleidungsgestaltung
  • Modelle, Musterstücke anfertigen
  • Musterzeichnen, Musterentwicklung (Textilien)
  • Schnitttechnik
  • Textilgestaltung, Textildesign, Textiltechnik
  • Zeichnen

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Eigeninitiative
  • handwerkliches Geschick
  • interkulturelle Kompetenz
  • Kommunikationsstärke
  • Kontaktstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Kritikfähigkeit
  • Kundenorientierung
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/textilien-und-bekleidung