Sprach- und Literatur­wissen­schaften

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Die Arbeitswelt im Überblick

Sprach- und Literaturwissenschaftler/innen sind kommunikationssicher, organisationsstark und fit im Recherchieren und Analysieren von Daten und Inhalten. Wo gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten? Und welche Trends zeichnen sich ab?

Verlage, Werbeagenturen, NGOs, Behörden, kleine Kulturinstitutionen oder Großkonzerne – Absolventen/Absolventinnen dieser Arbeitswelt findet man nahezu überall und in ganz unterschiedlichen Positionen. Sie können beispielsweise als Projektleiter/in, Referent/in für Öffentlichkeitsarbeit oder Wissenschaftler/in an einer Hochschule tätig sein.

Sprach- und Literaturwissenschaftler/innen haben während ihres Studiums gelernt, strukturiert zu denken, systematisch zu arbeiten, sorgfältig zu recherchieren und Inhalte überzeugend zu präsentieren. Sie können planende und organisatorische Aufgaben übernehmen, etwa in der öffentlichen Verwaltung, in Bibliotheken, Archiven und Museen. Wirtschaftsarabisten/-arabistinnen betreuen bei Unternehmen ganz unterschiedlicher Branchen beispielsweise Kunden im arabischsprachigen Raum. Romanisten und Romanistinnen können bei Behörden für den interkulturellen Dialog verantwortlich sein und den kulturellen Austausch zwischen Städten oder Regionen organisieren.

Darüber hinaus bestehen Einsatzmöglichkeiten bei Institutionen, die Entwicklungsarbeit leisten. Unmittelbar mit Sprache arbeitest du zum Beispiel als Übersetzer/in oder wenn du als Redakteur/in Beiträge für Zeitungen, Online-Medien, Radio oder Fernsehen verfasst. Hier sind ein gutes Sprachgefühl und die Bereitschaft wichtig, sich mit Medientrends und aktueller Branchensoftware zu befassen. Ähnliches gilt für die Arbeit bei Werbe- oder PR-Agenturen und im Verlagswesen. Ein sicheres sprachliches Urteilsvermögen sowie Kommunikations- und Verhandlungsgeschick, etwa bei Gesprächen mit Autoren, sind für Lektoren und Lektorinnen unerlässlich.

Geisteswissenschaftler/innen, zu denen auch die Sprach- und Literaturwissenschaftler/innen gehören, sind als Generalisten vielfältig einsetzbar. Für den erfolgreichen Start ins Berufsleben sollten sie offen gegenüber den unterschiedlichsten Aufgabenfeldern sein.

Arbeitsmöglichkeiten gibt es zum Beispiel in der Kultur- und Kreativwirtschaft, zu der neben dem Kulturbetrieb im engeren Sinne zum Beispiel auch Medienunternehmen gehören. Die Medienbranche befindet sich jedoch im Wandel, gedruckte Zeitungen beispielsweise verlieren Leser, die sich zunehmend für digitale Medien interessieren – und hier vor allem für diejenigen, die kostenfrei sind. Alternative Vertriebsmodelle, etwa E-Books oder E-Papers für Mobilgeräte, sowie das Wachstum im Bereich Onlinewerbung könnten sich in Zukunft jedoch positiv auf die eher schwierige Arbeitsmarktsituation auswirken.

Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten finden sich bei Behörden oder in den Personalabteilungen von Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen. Wer sich intensiv mit seinem Fachgebiet beschäftigen möchte, ist in der Forschung an Hochschulen oder Instituten gut aufgehoben. Entsprechende Stellen sind allerdings rar und dementsprechend begehrt.

Manche Sprach- und Literaturwissenschaftler/innen machen sich nach ihrem Studium oder nach einigen Jahren Berufserfahrung auch selbstständig – etwa als freiberufliche/r Übersetzer/in, Reiseleiter/in oder Dozent/in in der Erwachsenenbildung. Voraussetzung für die Selbstständigkeit sind betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse sowie eine zündende, sich rechnende Geschäftsidee und viel spezifisches Fachwissen.

Immer mehr deutsche Unternehmen investieren im Ausland. Ziel der Auslandsinvestitionen auch mittelständischer Betriebe sind wachstumsstarke Regionen, etwa in Asien. Diese Internationalisierung der Wirtschaft bietet neue Chancen. Gesucht werden Experten und Expertinnen, die mit den Gepflogenheiten, Traditionen und Umgangsformen des jeweiligen Landes vertraut sind.

Auch gesellschaftliche und politische Entwicklungen können Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Ein Beispiel: Angesichts der geflüchteten Menschen, die nach Deutschland kommen, sind Akademiker/innen im Schwerpunkt Dolmetschen und Übersetzung sowie Lehrer/innen für Deutsch als Fremdsprache gefragt. Wie der Arbeitsmarkt in einigen Jahren aussehen wird, lässt sich aufgrund der dynamischen Entwicklung des Weltgeschehens jedoch nur schwer prognostizieren. <<

Portrait von André Lindemann

Interview mit André Lindemann, Präsident des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer

Fachwissen gefragt

Herr Lindemann, welche Trends gibt es in der Branche?
André Lindemann: Der Trend geht weg vom Allrounder hin zum Fachübersetzer. Wer sich frühzeitig spezialisiert, kann sich zum Experten entwickeln. Die meisten Übersetzer arbeiten zudem freiberuflich. Für sie ist es wichtig, Netzwerke zu bilden. Schließlich kann ein einzelner Übersetzer nicht alle Fremdsprachen und Fachgebiete beherrschen, die nachgefragt werden. In einem Netzwerk lassen sich auch umfangreiche Aufträge mit einem engen Terminrahmen bewältigen.

Welche Anforderungen müssen erfüllt werden?
André Lindemann: Neben Sprachkompetenz und translatorischen Kenntnissen brauchen Übersetzer auch Erfahrung im Umgang mit Softwaretools, den sogenannten „Translation Memorys“. Dolmetscher müssen belastbar sein und sich schnell in neue Themen einarbeiten. Mit der richtigen Notizentechnik können sie sich auch lange Textpassagen besser merken. Und als Freiberufler brauchen sie alle auch fundierte unternehmerische Kompetenzen. <<

Um in der Forschung zu arbeiten, braucht man sehr gutes theoretisches Wissen, aber auch praktische Kompetenzen, etwa in der Durchführung von Experimenten oder in der Auswertung von Korpora. Für die Untersuchungen von Einzelsprachen sind Kenntnisse der Ziel- oder wichtiger Verkehrssprachen mitzubringen; wird Feldforschung durchgeführt, ist Offenheit für fremde Kulturen erforderlich, und Improvisationstalent schadet nicht. Es empfiehlt sich, als Hilfskraft oder Praktikant an einer forschungsnahen Einrichtung rechtzeitig Erfahrungen zu sammeln.

Sprach- und Literaturwissenschaftler kommen bei uns zwar nicht so häufig vor, haben aber durchaus die Chance, zum Beispiel in der Unternehmenskommunikation oder im Produktmanagement zu arbeiten. Hier ist es gut, wenn man die Sprache des Landes spricht, für das man verantwortlich ist. Bewerber sollten Praxiserfahrung aus Wirtschaftsunternehmen mitbringen und sich zum Beispiel über ein Nebenfach betriebswirtschaftliches Wissen angeeignet haben. Außerdem erwarten wir Teamfähigkeit und eine hohe Sozialkompetenz – was die meisten Geisteswissenschaftler ohnehin mitbringen.

Absolventen aus Sprach- und Literaturwissenschaften können in einem Medienunternehmen zum Beispiel in Redaktion oder Marketing arbeiten. Für beide Bereiche reicht allerdings das Studium allein nicht aus. Für das Marketing benötigt man zusätzlich kaufmännisches Wissen, für die Arbeit in der Redaktion sollte man sich journalistisch weitergebildet haben, etwa durch den Besuch einer Journalistenschule oder mit einem Volontariat. Man sollte auf jeden Fall auch Praxiserfahrung mitbringen, zum Beispiel durch eine Tätigkeit als freier Mitarbeiter bei den unterschiedlichsten Medien.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • forschen
  • lehren, unterrichten
  • Publizistik, Journalismus
  • sehr gute Kenntnisse der jeweiligen Sprache oder des Fachgebietes
  • Sprach- und Literaturwissenschaft
  • Recherche, Informationsbeschaffung
  • übersetzen

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Eigeninitiative
  • interkulturelle Kompetenz
  • Kommunikationsstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sprachgefühl
  • Urteilsvermögen
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/sprach-und-literaturwissenschaften