Sozial­arbeit und Betreuung

selbstgestaltetes Bild in der Hochschule

Die Arbeitswelt im Überblick

Von Abenteuerpädagogik bis Suchtberatung, von frühkindlicher Förderung bis hin zur Betreuung von Älteren – die Aufgaben in den Berufen rund um Sozialarbeit und Betreuung sind vielfältig. Wo gibt es berufliche Chancen? Welche Trends sind zu beobachten?

Die sozialpflegerischen Hochschulberufe umfassen ein breites Tätigkeitsspektrum: Sozialarbeit, Heilpflege, Heilpädagogik und Altenpflege. Bereichsübergreifend bist du als Hochschulabsolvent oft mit planerischen und organisatorischen Tätigkeiten betraut. Sozialarbeiter/innen betreuen beispielsweise Suchtkranke, Menschen in der Schuldenfalle oder entlassene Sträflinge. Oft beraten sie auch Eltern in Erziehungsfragen oder betreuen Kinder und Jugendliche. Heilpädagogen/-pädagoginnen dagegen kümmern sich um Patienten mit geistiger oder körperlicher Behinderung – vom Kleinkind bis zum Senioren.

Fachkräfte im sozialen Sektor sollten einfühlsam und kommunikationsstark sein. Wenn du mit hilfsbedürftigen Menschen arbeitest, darfst du dich zudem von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Du wirst mit dem Leid anderer Menschen konfrontiert – das setzt psychische und emotionale Stabilität sowie Durchhaltevermögen voraus. Weil du oft projektbezogen mit anderen zusammenarbeitest, sind Selbstorganisation und Teamfähigkeit gefragt.

Arbeitsfelder für Hochschulabsolventen und -absolventinnen bieten sich in Beratungsstellen, bei Behörden und Wohlfahrtsverbänden oder in der offenen Sozialarbeit. Heilpädagogen/-pädagoginnen können zum Beispiel in Werkstätten oder Wohnheimen für Menschen mit Behinderung arbeiten. Zudem werden Fachkräfte in der Seniorenbetreuung, frühkindlichen Erziehung und Berufsorientierung gesucht.

Insgesamt steigen die Mittel, die in das Sozialwesen fließen, seit Jahren spürbar an. Davon profitieren zum Beispiel Pflegeheime oder Fachkliniken zur psychosozialen Betreuung oder auch das nicht stationäre Sozialwesen, beispielsweise ambulante Betreuungsdienste oder Beratungsstellen.

Laut Dr. Jens Stephani, dem Experten der Bundesagentur für Arbeit, entwickelte sich die Arbeitsmarktsituation in den vergangenen Jahren positiv: „Es gibt beispielsweise eine gute Nachfrage nach Sozialarbeitern und Erziehern, wenngleich Stellen vielfach befristet und in Teilzeit angeboten werden."

Der bestimmende Trend in dieser Arbeitswelt ist der demografische Wandel: Die Menschen in Deutschland werden im Durchschnitt immer älter – und im hohen Alter steigt das Risiko, schwer zu erkranken. Die Betreuung Pflegebedürftiger ist also ein Arbeitsfeld, das weiter an Bedeutung gewinnen wird. Deshalb sollen die Pflegeberufe reformiert und attraktiver gemacht werden. Ebenso ist eine weitere Ausweitung der Studienmöglichkeiten rund um das Thema Pflege zu beobachten.

Im Bereich der Betreuung von Kindern und Jugendlichen ist der Kita-Ausbau ein bestimmender Trend. Auch steigende Flüchtlingszahlen schaffen neue Herausforderungen: Die Aufgabe von Akademikern im Bereich Sozialarbeit und Betreuung ist es nicht nur, die Neuankömmlinge zu betreuen und deren Integration zu unterstützen, sondern auch, die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer in der Flüchtlingsarbeit zu schulen und zu koordinieren.

Im Zusammenhang mit dem drohenden Fachkräftemangel könnte der sozialen Arbeit eine wachsende Bedeutung zukommen. Viele Unternehmen berichten von Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Menschen, die ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt sind, weil sie die Schule ohne Abschluss verlassen haben. Grund hierfür ist teils nicht die fehlende Begabung, sondern der Mangel an Unterstützung und Förderung in jungen Jahren. Viele Experten fordern, dass die individuelle Förderung junger Menschen aus sozial schwächeren Schichten weiter verbessert werden müsse. Dadurch könnten sich neue Chancen für Sozialarbeiter/innen ergeben – die entsprechende Finanzierung vorausgesetzt. Denn wie viel Geld in Zukunft tatsächlich in die sozialen Fördersysteme fließen wird, hängt unter anderem von politischen Entscheidungen und nicht zuletzt der öffentlichen Haushaltslage ab. <<

Portrait von Kai Timpe.

Interview mit Kai-Raphael Timpe, Geschäftsführer des Berufs- und Fachverbandes Heilpädagogik e.V.

Breites Fachwissen

Herr Timpe, welche Trends gibt es bei Heilpädagogen und Heilpädagoginnen?
Kai-Raphael Timpe: Im Bereich der Frühförderung sind Heilpädagogen gefragt, die in interdisziplinären Teams arbeiten. In Kinderheimen und bei Kinder- und Jugendpsychiatern bestehen gute Beschäftigungschancen. Immer wichtiger wird auch der Arbeitsbereich rund um die Teilhabeplanung von erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen. Viele Heilpädagogen machen sich auch selbstständig – etwa mit einer eigenen Praxis.

Welche Anforderungen sind wichtig für den Beruf?
Kai-Raphael Timpe: Neben besonderen sozialen Kompetenzen brauchen Heilpädagogen ein breit gefächertes pädagogisches Fachwissen sowie medizinische, rechtliche, psychologische und methodische Kenntnisse. Wichtig ist, dass sie sich ständig weiterbilden und lebenslang lernen.

Welche beruflichen Perspektiven haben Akademiker?
Kai-Raphael Timpe: Grundlegend gibt es kein gesondertes Berufsbild für akademisch ausgebildete Heilpädagoginnen und Heilpädagogen. Aktuell besteht aber in der Regel nur mit einem Masterabschluss die Möglichkeit, sich zum Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten weiterbilden zu lassen. Dies ist in zehn von 16 Bundesländern möglich. Zudem wird vor allem in der Jugendhilfe und für einige Leitungspositionen immer wieder ein akademischer Grad von Heilpädagoginnen und Heilpädagogen erwartet. <<

Wer behinderte Menschen betreut, der braucht Einfühlungsvermögen und muss seine Klienten so annehmen können, wie sie sind. Um zielgerichtet zu fördern, ist außerdem methodisches und didaktisches Wissen gefragt. Weil Heilpädagogen fachübergreifend arbeiten, sollten Absolventen neben pädagogischen auch psychologische, medizinische und rechtliche Kenntnisse mitbringen – sowie die Bereitschaft, diese durch ständige Fortbildung zu erweitern. Wichtig ist auch die Fähigkeit zu selbstreflektiertem Arbeiten. Es gilt, die eigene Person und das berufliche Handeln immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Die Arbeit mit Kindern, die einen erhöhten Förderbedarf in Bezug auf Lernen, Verhalten und Sprache haben, setzt das Interesse voraus, individuell auf junge Menschen einzugehen. Zudem ist es wichtig, die Lebensumstände und den sozialen Hintergrund jedes Schülers möglichst genau zu kennen, um ihn bestmöglich zu fördern. Didaktische Fähigkeiten sind wichtig, um Lerninhalte über die verschiedenen Sinneskanäle anzubieten. Weiterhin ist zu beachten, dass Inklusion die Arbeit an anderen Schularten einschließt. Nicht zuletzt ist das Einfühlungsvermögen im Gespräch mit den Eltern ein wertvoller Bestandteil der Arbeit.

Sozialpädagogen müssen in der Lage sein, sich auf Konflikte einzulassen. Und sie sollten offen und authentisch sein. Es gilt, eine angemessene Balance zwischen Nähe und Distanz, Fachlichkeit und Gefühl zu finden. Das bedeutet auch, die Grenzen des Machbaren zu akzeptieren. Neben Kenntnissen in Kommunikation und Gesprächsführung werden Managementkompetenzen immer wichtiger. Gerade in der Jugendarbeit sollten Bewerberinnen und Bewerber außerdem mit social media umgehen können. Gute Jobchancen gibt es in der Früherziehung – besonders für Männer. Denn in diesem Bereich fehlt es an geschlechtsspezifischen Identifikationsfiguren.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Elternarbeit
  • Erziehung
  • Erziehungsberatung
  • Familienfürsorge
  • Heilpädagogik, Behindertenpädagogik
  • Offene Sozialarbeit
  • Psychologie
  • Schulsozialarbeit
  • Sozialpädagogik
  • Supervision

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz
  • Einfühlungsvermögen
  • Kommunikationsstärke
  • Konfliktfähigkeit
  • Motivationsfähigkeit
  • psychische und emotionale Stabilität
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
  • Urteilsvermögen
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/sozialarbeit-und-betreuung