Restau­rierung und Denkmal­schutz

Antike Büsten stehen in einer Ausstellung.

Die Arbeitswelt im Überblick

Die Experten dieser Arbeitswelt haben sich der Erhaltung der Kulturgüter vergangener Jahrhunderte verschrieben – und nutzen dafür neueste Methoden und modernste Technik. Zeichnen sich bestimmte Trends ab?

Wenn sich die Farben eines Gemäldes ablösen, wenn Stücke einer Skulptur abzubrechen drohen oder die Substanz eines historischen Gebäudes durch Wind und Wetter angegriffen ist, dann ist das Fachwissen gut ausgebildeter Spezialisten und Spezialistinnen gefragt. Restauratoren und Restauratorinnen etwa kämpfen gegen den Verfall von Gemälden oder Skulpturen, während für Denkmalpfleger/innen vor allem die historische Bausubstanz im Fokus steht. Spezialisten rund um Restaurierung und Denkmalschutz beheben nicht nur bereits vorhandene Schäden, sondern entwickeln auch Konzepte zur fachgerechten Lagerung oder Konservierung. Ihr Ziel ist es, die wertvollen Objekte möglichst lange in einem guten Zustand zu erhalten. Auch manche Kunsthistoriker/innen beschäftigen sich mit den verschiedenen Methoden und Techniken der Konservierung.

Neben dem Fachwissen, das man sich im Studium aneignet, sollte man ein großes Interesse an Kunst mitbringen. Für Akademiker/innen in diesem Bereich – ob Restauratoren, Kunsthistoriker oder Denkmalschützer – gehört die Kommunikation mit Kunden, Auftraggebern und Besuchern zum Berufsalltag. Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit sind daher wichtige Voraussetzungen. Restauratoren und Denkmalpfleger müssen sich zudem mit rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekten auskennen. Vor allem aber brauchen sie künstlerisches und handwerkliches Geschick sowie eine sorgfältige Arbeitsweise. Und man sollte sich in Sachen Technik immer auf dem neuesten Stand halten. Denn in diesem Arbeitsfeld kommt von der CAD-Software bis hin zu 3-D-Druckern allerlei Hightech zum Einsatz.

Typische Arbeitgeber für die Akademiker/innen dieser Arbeitswelt sind Galerien, Museen und alle weiteren Einrichtungen, die Kulturgüter ausstellen, lagern und konservieren. Auch an Hochschulen, in der öffentlichen Verwaltung und insbesondere bei Denkmalschutzbehörden bietet sich die eine oder andere Möglichkeit. Durchaus üblich in diesem Berufsfeld ist auch eine selbstständige Tätigkeit, beispielsweise als freiberufliche/r Kunstgutachter/in, als Restaurator/in mit eigener Werkstatt oder als Architekt/in mit einer Spezialisierung auf die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet: „Für Restauratoren, Denkmalpfleger und Kunsthistoriker, die zu den Museumstechnikern und -managern zählen, fällt der Berufseinstieg häufig nicht ganz leicht. Praxiserfahrung, ein gutes Netzwerk und ein bisschen Glück sind neben einem guten Abschluss wichtig, um einen Arbeitsplatz in einem dem Studium entsprechenden Tätigkeitsfeld zu erhalten."

Eine besondere Herausforderung im Denkmalschutz ist es, Baudenkmäler einerseits in ihrer historischen Substanz zu erhalten, andererseits aber auch moderne Anforderungen an die Energieeffizienz und Barrierefreiheit eines Gebäudes umzusetzen. Wie dämmt man beispielsweise Außenwände nach neuestem Standard, ohne das historische Erscheinungsbild zu beeinträchtigen? Und wie lässt sich ein rollstuhlgerechter Umbau mit dem Erhalt der Bausubstanz in Einklang bringen? Hier gilt es, innovative Lösungen zu finden.

Restaurierung hat nur was mit antiken Statuen zu tun? Weit gefehlt! Auch zeitgenössische Kunstwerke, etwa Fotografien, sollen für die Nachwelt erhalten bleiben. Während Fotos noch vor wenigen Jahren in Alben und Kisten aufbewahrt wurden, sind sie heutzutage digital gespeichert: CDs, USB-Sticks, Festplatten und immer öfter auch die Cloud sind die Dachböden des 21. Jahrhunderts. Konservatoren und Konservatorinnen stehen heute vor der Aufgabe, digitale Dokumente für die nächsten Generationen zu bewahren. Hier gilt es nicht nur, möglichst langlebige und von überall aus zugängliche Speichermedien und Speicherformate zu finden, sondern auch komplett neue Konservierungskonzepte zu entwickeln. <<

Portrait von Susanne Danter.

Interview mit Susanne Danter, Präsidiumsmitglied des Verbandes der Restauratoren (VDR)

Wertschätzung von Kunst- und Kulturgütern

Frau Danter, welche Branchentrends gibt es?
Susanne Danter: Neben der Restaurierung klassischer Materialien und Objekte wie Möbel, Gemälde, Textilien oder Grafiken spielt die Bewahrung aktueller Kunstwerke und Alltagsgegenstände eine immer größere Rolle. Zudem geht der Trend zur präventiven, also vorbeugenden Konservierung. Beides wird zunehmend nachgefragt und findet im Hochschulstudium Eingang. Erwähnenswert ist auch der Stellenabbau im Öffentlichen Dienst, weshalb sich Absolventen mehrheitlich auf eine Tätigkeit als selbstständige Freiberufler einstellen müssen. Dabei beeinflusst die jeweilige Spezialisierung die Jobchancen. So ist beispielsweise der Markt in der Papierrestaurierung weniger gesättigt als im Gemäldebereich.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Susanne Danter: Generell muss man von dem Berufswunsch überzeugt sein. Viel Eigenengagement und Durchhaltevermögen sind gefragt. Dafür wird man später mit einem sehr vielfältigen Beruf belohnt. Die Arbeit erfordert Kenntnisse in geistes- wie naturwissenschaftlichen Disziplinen sowie manuelles Geschick. Nach dem Studium zählen zudem die gemachten Praxiserfahrungen, wirtschaftliche Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten, da Restauratoren häufig mit anderen Fachleuten zusammenarbeiten, etwa mit Architekten oder Kunsthistorikern.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten haben Akademiker?
Susanne Danter: Es besteht die Möglichkeit der Promotion, um sich für die Forschung oder eine leitende Funktion zu qualifizieren. <<

Restauratoren brauchen ein gutes Einfühlungsvermögen, fast schon kriminalistisches Gespür, handwerkliches Geschick und den Willen, sich mit einer großen Menge disparater Themen wie Naturwissenschaften, Geschichte, Technikgeschichte, Werkstoffwissenschaften und Betriebswirtschaft auseinanderzusetzen. Es gibt zwar immer mal die Möglichkeit, in einem Museum oder einem Denkmalamt eine Anstellung zu finden, meist aber nur über Zeitverträge. Im Grunde muss man sich darauf einstellen, freiberuflich zu arbeiten. Der ständige Kontakt zu Kunden ist sehr wichtig.

Die Denkmalpflege verlangt umfassendes Wissen, etwa über Kunst und Geschichte, Bauwerk- und Materialkunde, Bautechnik und -physik. Darum ist ein Studium in Architektur oder Kunstgeschichte Voraussetzung, um in einem Denkmalamt zu arbeiten. Ein Zusatzstudium Denkmalpflege und ein zweijähriges Volontariat erhöhen die Chancen. Die Tätigkeit des Restaurators ist weniger von der Restaurierung selbst geprägt. Die fachliche Expertise und Beratung im Vorfeld, etwa von Eigentümern, machen den Großteil seiner Arbeit aus. Darum ist Kommunikationsstärke sehr wichtig.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Bestandspflege
  • Denkmalpflege
  • Führungen
  • Kulturgeschichte
  • Kunstgeschichte
  • Lehrtätigkeit
  • Museumspädagogik
  • Präparieren
  • Präsentationstechniken
  • Quellenauswertung
  • Recherche, Informationsbeschaffung
  • Restaurierungsarbeiten

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Eigeninitiative
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kooperationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Lernfähigkeit
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/restaurierung-und-denkmalschutz