Rechts­wesen

Detail: Paragraphenzeichen auf Glastür

Die Arbeitswelt im Überblick

Wer im Rechtswesen arbeitet, wird mit komplexen Fragestellungen und teils schwierigen Fällen konfrontiert. Arbeitsgrundlage sind Gesetze, Verordnungen und Paragrafen. Wie sind die Beschäftigungsperspektiven? Welche Trends gibt es in dieser Arbeitswelt?

Hochschulabsolventen und -absolventinnen können viele Aufgaben im Rechtswesen übernehmen. Als Rechtsanwalt/-anwältin dreht sich deine Arbeit beispielsweise darum, die Interessen deiner Mandanten vor Gericht zu vertreten. Hierfür sind intensives Aktenstudium, die Kenntnis der aktuellen Rechtslage sowie ausführliche Gespräche und Beratungen nötig. Auch wenn Rechtsanwälte nicht immer Unschuldige vertreten, müssen sie sich dennoch für eine gerechte Beurteilung einsetzen.

Mit einem sehr guten Abschluss kannst du auch als Staatsanwalt/-anwältin oder Richter/in im Öffentlichen Rechtswesen tätig werden. Darüber hinaus bieten sich nach einem rechtswissenschaftlichen Studium Alternativen jenseits des klassischen Rechtswesens, etwa in den Rechts- und Vertragsabteilungen von Unternehmen oder als Rechtsexperte/-expertin bei Behörden und Institutionen des Sozialwesens. Manche Juristen gehen mit entsprechenden Weiterbildungen auch in den Bereich Steuern und Wirtschaftsprüfung.

Wichtig für den Beruf sind neben ausgezeichneten juristischen Fachkenntnissen unter anderem Verantwortungsbewusstsein, Verschwiegenheit, Kommunikationsstärke und eine sorgfältige Arbeitsweise. Da du teils mit schwierigen Schicksalen konfrontiert wirst, brauchst du außerdem Fingerspitzengefühl und psychische Stabilität. Auch Fremdsprachen werden für Juristen immer wichtiger. Zwar bleibt Deutsch die Sprache vor Gericht, aber gerade innerhalb großer, international tätiger Kanzleien hat sich mehr und mehr das Englische als Geschäftssprache eingebürgert.

Nach Studium, Referendariat und Zweiter Juristischer Staatsprüfung können Rechtsabsolventen entweder in den Staatsdienst oder in die Privatwirtschaft gehen. Zudem gibt es Chancen an Hochschulen. Auch eine Selbstständigkeit ist unter Juristen durchaus üblich, beispielsweise mit einer eigenen Kanzlei – Rechtsanwälte stellen die mit Abstand größte Berufsgruppe im Rechtswesen. Viele von ihnen erwerben zusätzlich die Qualifikation zum/zur Fachanwalt/-anwältin, die zum Beispiel in den Bereichen Arbeitsrecht, Familienrecht, Steuerrecht oder Verkehrsrecht angeboten wird.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet über die Beschäftigtensituation: „Die Lage am Arbeitsmarkt zeigte sich in den vergangenen Jahren positiv. Etwas weniger als die Hälfte der Juristen und Juristinnen üben ihre Tätigkeit dabei auf selbstständiger Basis aus."

In dieser Arbeitswelt ist es sehr wichtig, sich auch nach dem Studium fortlaufend über gesetzliche Änderungen auf dem Laufenden zu halten. Auch wegweisende Gerichtsurteile sollte man verfolgen – in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern. Denn das Rechtswesen wird immer stärker harmonisiert, vor allem zwischen den Staaten der Europäischen Union.

In den kommenden Jahren soll die Kommunikation im Gerichtswesen Schritt für Schritt auf digitalen Schriftverkehr umgestellt werden. Es versteht sich von selbst, dass hierbei besonders hohe Sicherheitsstandards gelten.

Was interessante neue Themenfelder für Juristen und Juristinnen betrifft, so ist eine steigende Bedeutung außergerichtlicher Streitlösungsmechanismen – etwa durch Schiedsverfahren oder Schlichtungsstellen – zu verzeichnen. Für Juristen ergeben sich dadurch neue Betätigungsfelder, zum Beispiel als Mediator/in.

Ebenfalls interessant ist das sogenannte „Compliance Management“: Durch entsprechende Beratung sollen Unternehmen davor bewahrt werden, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Das wird insbesondere für international agierende Unternehmen immer wichtiger: denn was in dem einen Land üblich und rechtmäßig ist, kann in dem anderen einen Straftatbestand erfüllen – und zu empfindlichen Bußgeldern und einem Imageschaden in der Öffentlichkeit führen. Juristen und Juristinnen im Compliance Management kümmern sich dabei nicht nur um die Umsetzung von rechtlichen Vorgaben, sondern erarbeiten auch unternehmenseigene Verhaltensregeln, die soziale und ethische Aspekte berücksichtigen. <<

Portrait von Bettina Bachmann.

Interview mit Rechtsanwältin Bettina Bachmann, Geschäftsführerin für Aus- und Fortbildung im Deutschen Anwaltverein (DAV)

International und spezialisiert

Frau Bachmann, welche Trends gibt es bei den Anwaltskanzleien?
Bettina Bachmann: Aus einer Studie unseres Verbands gehen mehrere Trends hervor: Die Spezialisierung von Kanzleien wird immer wichtiger, die Anzahl der Fachanwälte und Fachanwaltschaften – zuletzt wurde 2015 der Fachanwalt für Migrationsrecht eingeführt – steigt stetig an. Zudem nehmen Europäisierung und Internationalisierung des Rechts weiter zu. Das hat Einfluss auf das Kanzleigeschäft. Für kleinere Einheiten wird es schwieriger werden, den Anforderungen gerecht zu werden.

Wie sehen die Studienangebote derzeit aus?
Bettina Bachmann: Voraussetzung für den Anwaltsberuf sind zwar nach wie vor zwei Staatsexamina und Referendariat. Aber die Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten sind bunter geworden. Die Hochschulen bieten zunehmend juristische Bachelor- und Masterprogramme an. Die Zahl der in- und ausländischen LL.M.-Programme („Master of Laws“) als Zusatzqualifikation nimmt zu.

Welche Kompetenzen sind wichtig?
Bettina Bachmann: Die fachliche Kompetenz ist das Markenzeichen der Anwaltschaft. Zudem sind auch unternehmerisches Denken und Kommunikationsstärke gefragt, um etwa einem Mandanten juristische Formulierungen verständlich dazulegen und abstraktes Wissen auf einen konkreten Fall anzuwenden.

Wie kann der Berufsstart gelingen?
Bettina Bachmann: Jurastudierende werden zu Allroundern ausgebildet, eine Fokussierung findet in der Regel noch nicht statt. Zur eigenen Vorbereitung auf den Anwaltsberuf – den etwa 70 Prozent der Absolventen wählen – bieten sich vor allem Praktika oder Zusatzqualifikationen an. Unser Verband unterstützt Berufseinsteiger in vielfältiger Weise beim Berufsstart. <<

Wer sich bei uns als Nachwuchsführungskraft bewirbt, muss ein vierstufiges Auswahlverfahren durchlaufen: schriftliche Bewerbung, einen Online-Intelligenztest, ein persönliches Gespräch und ein abschließendes Assessment-Center. Uns überzeugt, wer außer überdurchschnittlichen Examina auch Fremdsprachenkenntnisse vorweisen kann und wer bereits im Studium mit Praktika oder einem Auslandsaufenthalt zusätzliche Erfahrungen erworben hat. Da wir keine Spezialisten, sondern Hochschulabsolventen mit breiter Aufstellung suchen, achten wir auch auf soziales Engagement.

Bei Berufseinsteigern achten wir insbesondere auf Kundenorientierung und die Neugierde, kontinuierlich dazuzulernen. Neben sehr guten Schul- und Studienleistungen, Englischkenntnissen und einem gewinnenden Auftreten ist die kollegiale Teamarbeit für uns ein zentraler Wert, denn Höchstleistungen erreichen wir nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Darüber hinaus bieten wir Berufseinsteigern alles, was sie am Anfang ihrer Karriere benötigen: umfassende Einarbeitung, intensives Training, herausfordernde Projekte und ein starkes Team.

Die Zeit, die man als Anwalt am Gericht verbringt, ist nur ein kleiner Teil des Arbeitsalltags. Der Großteil der Aufgaben wird in der Kanzlei erledigt. Dazu gehören insbesondere die rechtliche Prüfung des Sachverhalts und das Erstellen von Schriftsätzen oder auch die Gestaltung von Verträgen. Bei Beratungsgesprächen sind Kommunikationsstärke und Einfühlungsvermögen gefragt. Hier geht es darum, den Mandanten komplexe gesetzliche und arbeitsrechtliche Vorgaben verständlich und auf ihren Fall bezogen zu erklären. Auch Sorgfalt und ein gutes Zeitmanagement sind wichtig, da viele Fälle parallel bearbeitet werden.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Bürgerliches Recht, Zivilrecht
  • Internationales und EU-Recht
  • IT-Recht, Internetrecht
  • Justizverwaltung
  • Nachlassverwaltung
  • Öffentliches Recht
  • Sozialrecht
  • Steuerrecht
  • Strafrecht
  • Verfassungsrecht
  • Vertragsgestaltung, -recht
  • Verwaltungsrecht
  • Wirtschaftsrecht
  • Zivilprozessrecht

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Einfühlungsvermögen
  • Entscheidungsstärke
  • Kommunikationsstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Überzeugungsfähigkeit
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verhandlungsgeschick
  • Verschwiegenheit
  • Zuverlässigkeit
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