Psycho­logie

Aktive Nervenzelle

Die Arbeitswelt im Überblick

Wahrnehmung, Interaktion und Erinnerung sind wichtige Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens. Psychologen und Psychologinnen untersuchen solche Prozesse, ergründen das menschliche Handeln und bieten Hilfestellung bei Problemen. Welche Chancen gibt es auf dem Arbeitsmarkt? Was sind die Trends?

Menschen, die psychologische Beratung suchen, befinden sich oft in einer Krise. Therapeutisch arbeitende Psychologen und Psychologinnen suchen nach den Ursachen und zeigen Lösungen auf. Hierfür benötigen sie ein fundiertes Fachwissen sowie eine analytische und systematische Arbeitsweise, aber auch persönliche Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen, emotionale Stabilität, Verantwortungsbewusstsein und Verschwiegenheit. Gerade im klinischen Bereich ist zudem Flexibilität notwendig, da man auch nachts und an Wochenenden im Einsatz sein kann. Die Kenntnisse von Psychologen und Psychologinnen sind auch außerhalb des therapeutischen Bereichs gefragt: Mediatoren vermitteln etwa in Streitfragen. Sportpsychologen helfen Spitzensportlern, ihre Leistung abzurufen. Wirtschaftspsychologen wissen, wie man die Kommunikation und die Arbeitsabläufe in einem Unternehmen verbessern kann. Wieder andere Psychologieabsolventen entwickeln Werbestrategien, werten Meinungsumfragen statistisch aus oder machen Computersoftware benutzerfreundlicher.

Insgesamt handelt es sich um ein wachsendes Arbeitsfeld: Die Zahl der diagnostizierten psychischen Erkrankungen und Verhaltensprobleme steigt in Deutschland seit mehreren Jahren deutlich an. Kein Wunder, dass im letzten Jahrzehnt eine starke Zunahme der Praxen für psychologische Therapie zu verzeichnen war. Dieser Bereich umfasst jedoch nur einen Bruchteil des Arbeitsmarkts: Denn entgegen landläufigen Klischees arbeitet nur eine Minderheit der Psychologen selbstständig und psychotherapeutisch.

Tatsächlich eröffnet sich nach einem Psychologiestudium ein breites Spektrum möglicher Arbeitgeber, etwa an Kliniken und in Therapiezentren, an Erziehungs- und Beratungsstellen, in der Jugend- und Sozialhilfe oder im Justiz- oder Bildungswesen. Darüber hinaus sind Psychologen auch in der Privatwirtschaft gefragt – etwa in den Personal-, Marketing- und Vertriebsabteilungen von Unternehmen, in der Markt- und Meinungsforschung, in der Unternehmensberatung oder im Coaching von Führungskräften. Zudem bieten sich Chancen in der Forschung und Lehre.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit: „Der Arbeitsmarkt für Psychologen und Psychologinnen ist positiv und diese Berufsgruppe gut positioniert. Gut zwei Fünftel der erwerbstätigen Psychologen sind als Selbstständige tätig.”

Aufgrund der zahlreichen Berufsmöglichkeiten für Psychologen geht der Trend heute dazu, sich bereits mit dem Bachelor- und vor allem dem Masterstudium fachlich zu spezialisieren und auch nach dem Abschluss Weiterbildungen zu nutzen. Ein interessantes Fortbildungsthema ist zum Beispiel die Interkulturelle Psychologie, um mögliche sprachliche Hürden und kulturelle Missverständnisse zwischen Therapeut und Patient zu überwinden.

Wer eine eigene psychotherapeutische Praxis gründen will, muss in jedem Fall auch die Zusatzqualifikation zum Psychologischen Psychotherapeuten erwerben. Einige Jahre Berufserfahrung, ein Stamm von Klienten und betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind für den Schritt in die Selbstständigkeit ebenfalls sehr wichtig.

Generell hört nach dem Studium das Lernen nie auf, denn die Psychologie und auch die Probleme der Patienten verändern sich. Derzeit häufen sich beispielsweise Fälle, in denen Patienten unter hohen Belastungen am Arbeitsplatz leiden. Depressionen sind inzwischen einer der häufigsten Gründe für Krankschreibungen. Auch die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen einer psychischen Erkrankung behandelt werden, steigt kontinuierlich. Einen wachsenden Bedarf an Unterstützung benötigen außerdem ältere Menschen, die an typischen Alterskrankheiten wie Alzheimer oder Demenz leiden. <<

Portraitaufnahme von Fredi Lang

Interview mit Fredi Lang, Referent für Fachpolitik, Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.

Spezialisten gefragt

Herr Lang, welche Branchentrends gibt es?
Fredi Lang: Die klassischen Arbeitsfelder Klinische Psychologie, Wirtschaftspsychologie und Pädagogische Psychologie entwickeln sich weiter positiv. Insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Bildung steigt die Nachfrage nach psychologischen Dienstleistungen und Fachkräften auf Masterniveau deutlich. Auch in vielen kleineren Arbeitsfeldern der Psychologie sind positive Trends zu verzeichnen, beispielhaft dafür stehen Geronto-, Notfall-, Sport-, Rechts- und Verkehrspsychologie.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Fredi Lang: Berufsanfänger mit passenden Spezialisierungen finden einen schnelleren Berufseinstieg. Spezialkenntnisse resultieren aus einem Schwerpunktfach im Studium, einer praxisorientierten Abschlussarbeit, aus einschlägigen Praktika oder Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Akademiker?
Fredi Lang: Für Akademiker verbessern sich die Möglichkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Dieser Trend trifft besonders auf Studierende mit anspruchsvollen Studienfächern und Masterabschlüssen zu. <<

Der klinische Bereich stellt weiterhin das beliebteste Arbeitsfeld für Psychologen dar. Frei werdende Stellen wurden am Klinikum Nürnberg in der Vergangenheit in jedem Fall wiederbesetzt. Neue Stellen entstanden zuletzt vor allem im ambulanten oder tagesklinischen Bereich. Vorteilhaft für einen Berufseinstieg sind eine zumindest begonnene Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie Praktika in entsprechenden Institutionen. Daneben sind unter Umständen auch Zusatzqualifikationen und Spezialisierungen gefragt.

Wer bei uns arbeiten will, sollte das Psychologiestudium mit Schwerpunkt Marktforschung beziehungsweise Marketing abgeschlossen haben. Die Mitarbeiter arbeiten über Länder und Kulturen hinweg zusammen, brauchen also sehr gute Englischkenntnisse. Sie können in der qualitativen Ad-hoc-Marktforschung tätig werden, beispielsweise bei Tiefeninterviews. Allerdings ist der Bedarf in diesem Bereich generell nicht so groß. Qualifizieren können sich Psychologen zu Experten für qualitative Marktforschungsmethoden.

Arbeits- und Organisationspsychologen sind im Personalbereich großer Unternehmen und in der Unternehmensberatung unter anderem verantwortlich für die Auswahl, Beurteilung und Entwicklung von Mitarbeitern. Sie sollten an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessiert sein, über fundiertes mathematisch-statistisches Wissen verfügen und Freude am Umgang mit ganz unterschiedlichen Menschen haben. Wird eine Tätigkeit im Personalbereich angestrebt, ist zu Beginn häufig eine Spezialisierung erforderlich.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Arbeits-, Betriebs-, Organisationspsychologie
  • Bildungsberatung, Berufsberatung
  • Differenzielle und Persönlichkeitspsychologie
  • Entwicklungspsychologie
  • Fachpublikationen erstellen
  • Familientherapie
  • Medienpsychologie
  • Meinungsforschung
  • Neuropsychologie
  • Pädagogische Psychologie, Schulpsychologie
  • Personal-, Unternehmensberatung
  • Psychologische Diagnostik
  • Psychotherapie
  • Suchtberatung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Durchhaltevermögen
  • Einfühlungsvermögen (Empathie)
  • Entscheidungsstärke
  • Frustrationstoleranz
  • Kommunikationsstärke
  • Moderationsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • psychische und emotionale Stabilität
  • Selbstorganisation
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit (Schweigepflicht einhalten)
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/psychologie