Physik

Nanopartikel

Die Arbeitswelt im Überblick

Von den winzigsten Teilchen bis hin zu ganzen Galaxien – Physiker/innen beschäftigen sich mit den unterschiedlichsten Dimensionen. In diesem Berufsfeld braucht man Freude am analytischen Arbeiten, am Experimentieren und Berechnen. Welche Trends beeinflussen den Arbeitsmarkt?

Physiker/innen widmen sich den Vorgängen der unbelebten Natur. Sie entwerfen Simulationsmodelle, führen Experimente durch und werten die Ergebnisse aus. Sie messen Kräfte, Geschwindigkeiten, elektrische und magnetische Felder, Temperaturen, Strahlung und Lichtstärke oder akustische und elektromagnetische Wellen. Die so gewonnenen Erkenntnisse setzen sie bei der Herstellung unterschiedlichster Produkte ein oder erarbeiten neue Modelle und Verfahren für die Grundlagenforschung.

Viele Physiker/innen spezialisieren sich auf bestimmte Fachgebiete, etwa Optik, Akustik oder Astro-, Bio-, Medizin- oder Kernphysik. Interdisziplinäres Arbeiten ist häufig an der Tagesordnung. So übernehmen sie in der Berufspraxis oftmals Aufgaben, die denen eines Ingenieurs ähnlich sind. Sie entwickeln neue Technologien, entwerfen Konstruktionspläne am Rechner, testen die Prototypen im Labor und prüfen später die Qualität der Produkte. Nicht selten sind Physiker/innen direkt ins Projektmanagement eingebunden.

Für ein Studium und eine Tätigkeit in der Physik solltest du natürlich umfassendes naturwissenschaftliches Interesse mitbringen. Du solltest Spaß daran haben, eigenständig Lösungen für komplexe Probleme zu finden, aber auch im Team arbeiten können. Da nicht alle Versuche auf Anhieb funktionieren, solltest du auch eine gewisse Hartnäckigkeit und Ausdauer mitbringen. Außerdem sind eine sorgfältige Arbeitsweise sowie solide Englischkenntnisse gefragt – Letzteres deshalb, weil die Arbeitswelt von internationalem Austausch geprägt ist.

Ein wichtiger Arbeitsbereich für Physiker/innen ist die Forschung und Entwicklung (FuE) – zum Beispiel an Hochschulen und Instituten, aber auch in den Entwicklungsabteilungen der Industrie. Generell gilt: Überall, wo geforscht wird und komplexe Technik im Einsatz ist, sind auch Physiker/innen anzutreffen. Das gilt zum Beispiel auch für Bereiche wie Biotechnologie und Medizintechnik, wo Physiker/innen beispielsweise an verbesserten Werkstoffen für Prothesen oder neuen Verfahren der Strahlentherapie forschen.

Abseits solcher technisch geprägten Arbeitsbereiche gibt es Möglichkeiten im Patentmanagement, in der Unternehmensberatung, in der öffentlichen Verwaltung sowie in der Banken- und Versicherungsbranche, wo Physiker/innen beispielsweise die Risiken von Investments oder Versicherungsmodellen berechnen.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, konstatiert mit Blick auf den Arbeitsmarkt: „Bei Physikerinnen und Physikern ist vor allem Flexibilität gefragt – ihre analytischen Kompetenzen sind in vielen Tätigkeitsfeldern gefragt, obwohl sich nur wenige Stellen explizit an diese Gruppe richten. Wagt man aber den Blick über den Tellerrand, bieten sich Berufseinsteigern in vielen Bereichen gute Perspektiven."

Gesellschaftliche und technische Trends beeinflussen auch die Arbeitswelt Physik: So sind angesichts der Energiewende zuletzt neue Jobs im Bereich der Gewinnung von Energie aus regenerativen Quellen wie Sonne, Wind oder Erdwärme entstanden. Trotz des Atomausstiegs bietet auch die Kernphysik weiter eine Reihe sicherer Arbeitsplätze – schließlich müssen die Atommeiler in den kommenden Jahrzehnten fachgerecht zurückgebaut werden. Auch die sichere Lagerung des Atommülls wird Deutschland noch über viele Jahre beschäftigen.

Physiker/innen sind auch in der Entwicklung von Mikrochips gefragte Experten. Im Schnitt alle 18 Monate verdoppelt sich die Rechenleistung von Prozessoren aufgrund der Miniaturisierung der Transistoren – so besagt es das nach einem berühmten Physiker benannte „Mooresche Gesetz“. In einem Smartphone steckt heute mehr Rechenleistung als in einem Hochleistungscomputer der 70er-Jahre. Demnächst könnte die weitere Miniaturisierung jedoch an ihre physikalischen Grenzen stoßen, wie manche Experten befürchten. Physiker/innen setzen auf neue Materialien und Innovationen in der Lasertechnologie, damit Mr. Moore mit seiner Prognose auch für die Zukunft recht behält. <<

Portrait von Dr. Udo Weigelt.

Interview mit Dr. Udo Weigelt, Vorstandsmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e.V. (DPG)

Universelle Ausbildung

Herr Dr. Weigelt, in welchen Bereichen arbeiten Physiker?
Udo Weigelt: Eigentlich überall. Eine Studie der DPG besagt, dass nur rund ein Viertel in den sogenannten „klassischen Physikberufen“ arbeitet. Viele gehen stattdessen ins Management oder in den Vertrieb, sie arbeiten in der Finanzbranche, der Softwareindustrie, bei Unternehmensberatungen, im Lehrerberuf oder Journalismus. Die Absolventen sind mit den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten zufrieden: 87 Prozent sagen im Rückblick, dass sie noch einmal Physik studieren würden.

Warum steht Physikern ein so breites Berufsfeld offen?
Udo Weigelt: Sie wissen, wie man verschiedenste physikalische Phänomene durch mathematische Modelle beschreibt. In der experimentellen Forschung lernen sie, komplexe und spannende technologische Fragestellungen zu lösen. Die Fähigkeit, einen komplexen Sachverhalt zu begreifen, zu analysieren und in einfache, lösbare Teile herunterzubrechen, ist in unserer technisierten Welt natürlich von großem Wert und lässt sich auch auf viele außerphysikalische Bereiche übertragen.

Gibt es Schlüsselqualifikationen für den Arbeitsmarkt?
Udo Weigelt: Grundlage ist fundiertes Fachwissen und die Fähigkeit, dieses auch lösungsorientiert anzuwenden. Immer wichtiger werden auch Soft Skills wie Flexibilität, Teamfähigkeit und internationales Denken. <<

Bei McKinsey haben Physiker bereits mit dem Bachelor sehr gute Chancen. Sie beraten unsere Klienten in den verschiedensten Branchen und Sektoren und sind von Anfang an für einen eigenen Projekt-Strang verantwortlich. An Physikern schätzen wir vor allem die analytischen Fähigkeiten und die methodische Arbeitsweise. Neben einem sehr guten Abschluss sollten sie hohe Kommunikationsfähigkeit und viel Bereitschaft zur Weiterentwicklung mitbringen. Die meisten unserer Berater werden nach wenigen Jahren freigestellt, um z.B. einen MBA oder eine Promotion zu erwerben – bei Fortzahlung des Gehalts für ein Jahr.

Medizinphysiker/innen werden in der Strahlentherapie, der Nuklearmedizin und der Diagnostischen Radiologie dringend gesucht. Neben einem abgeschlossenen Studium mit naturwissenschaftlich-technischer Ausrichtung sollen Bewerber fachübergreifendes Denken und soziale Kompetenzen mitbringen. Medizinphysiker sind in medizinischen Einrichtungen sowohl für die Kalibrierung der Geräte verantwortlich als auch Ansprechpartner der Ärzte bei der Therapieplanung.

Jeder vierte Akademiker bei Infineon hat Physik studiert. Und es muss nicht notwendigerweise Halbleiterphysik sein, um zu uns zu passen. Wir machen die Erfahrung, dass Physikerinnen und Physiker bei Infineon in verschiedenen Funktionen erfolgreich sind. Ob in Forschung und Entwicklung, in der Prozesstechnik oder im Qualitätsmanagement – eines ist ihnen gemeinsam: Sie können komplexe Probleme systematisch analysieren und strukturiert lösen. Wer darüber hinaus Freude daran hat, komplexe Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen, ist bei uns genau richtig.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Angewandte Physik
  • Astrophysik
  • Atomphysik
  • Betriebswirtschaftslehre
  • Fachpublikation erstellen
  • Forschung und Entwicklung
  • Laborarbeiten, Labortechnik
  • Lehrtätigkeit (Hochschule)
  • Modellbildung, Simulation (IT)
  • Physikalische Mess-, Prüfverfahren
  • Projektmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Technische Physik
  • Theoretische Physik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Flexibilität
  • Kommunikationsstärke
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/physik