Pflege und Therapie (nicht­ärztlich)

Gemälde

Die Arbeitswelt im Überblick

In kaum einem anderen Berufsfeld arbeitet man so eng mit Menschen zusammen wie in Pflege und Therapie. Es geht im Kern um die Gesundheit von Patienten und darum, Menschen zu therapieren oder pflegerische Maßnahmen zu organisieren. Welche Trends zeichnen sich am Arbeitsmarkt ab?

Im pflegerischen Bereich übernehmen Akademiker/innen hauptsächlich organisatorische Aufgaben. Sie strukturieren beispielsweise Arbeitsabläufe in Pflegeheimen und Kliniken oder kümmern sich um die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Pflege. Daneben können Hochschulabsolventen auch in der Pflegepädagogik einen Arbeitsplatz finden und beispielsweise die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften übernehmen.

Experten im Bereich Therapie übernehmen zwar ebenfalls organisatorische Aufgaben, arbeiten aber vornehmlich direkt mit den Menschen. Sie untersuchen ihre Patienten, planen eine passende Therapie und leiten die Behandlung ein. Die konkreten Methoden unterscheiden sich je nach Beruf jedoch stark – Physio- und Ergotherapeuten behandeln Patienten, deren körperliche Beweglichkeit eingeschränkt ist. Logopäden kümmern sich um Probleme bei der Aussprache sowie um Störungen der Sprachentwicklung. Und Kunst- oder Musiktherapeuten behandeln psychische Beeinträchtigungen durch kreative Übungen.

Auch die Anforderungen im Beruf können sich unterscheiden. Als Führungskraft in der Pflege trägst du große Verantwortung für andere Menschen. Du musst fähig sein, Entscheidungen zu treffen, über Kommunikationsstärke verfügen und stets Verschwiegenheit wahren. Organisationstalent und Belastbarkeit sollten dich auszeichnen, ebenso wie Aufgeschlossenheit für die Probleme der Mitarbeiter und Patienten.

Als Therapeut/in solltest du dich vor allem in Menschen hineinversetzen können, über eine gute Beobachtungsgabe verfügen und dazu in der Lage sein, Menschen zu motivieren. Gegebenenfalls kann auch körperliche Fitness gefragt sein – schließlich führst du Übungen teilweise selbst vor.

Die Ausgaben für Pflege und Therapie sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Viele Milliarden Euro wurden für pflegerische Leistungen und therapeutische Maßnahmen ausgegeben. Die Gründe für die Kostensteigerungen sind vielfältig, einer der wichtigsten ist der sogenannte demografische Wandel: Die Menschen werden im Durchschnitt immer älter, die Fallzahlen altersbedingter Krankheiten steigen.

Dr. Jens Stephani, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit, beurteilt die Perspektiven in diesem Berufsbereich positiv: „Der Gesundheitssektor ist eine Branche mit Zukunft. Entsprechend gute Arbeitsmarktchancen bieten sich Therapeuten oder Pflegewissenschaftlern. Arbeitslosigkeit spielt bei dieser Berufsgruppe kaum eine Rolle. Allerdings gibt es bislang in dieser Berufsgruppe nur relativ wenige Beschäftigte mit einem akademischen Hintergrund. Entsprechend klein ist auch die Zahl der für Akademiker gemeldeten Stellen."

Was potenzielle Arbeitgeber betrifft, so gibt es viele Optionen: Krankenhäuser, Praxen, Pflegeheime, Rehabilitationszentren, berufliche Schulen und Hochschulen. Auch eine Selbstständigkeit ist möglich, insbesondere im Bereich Therapie.

In vielen Bereichen des Arbeitsfelds Pflege und Therapie wurden früher vor allem Fachkräfte mit Berufsausbildung beschäftigt. Mittlerweile gibt es jedoch auch zahlreiche Studiengänge. Experten erwarten, dass Hochschulabsolventen in Zukunft vor allem bei der Besetzung von Führungspositionen im Vorteil sein könnten. Trotzdem ist es auch für akademisch qualifizierte Kräfte von großem Vorteil, praktische Erfahrungen zu besitzen. Für viele Pflegestudiengänge wird eine einschlägige Berufsausbildung sogar vorausgesetzt. Zudem gibt es duale Studienangebote, die Berufsausbildung und akademische Lehre kombinieren.

Übrigens: Auch nach dem Studium hört das Lernen nicht auf: Pflegewissenschaftler/innen sollten sich zum Beispiel über gesetzliche Änderungen – etwa über modifizierte Voraussetzungen zur Anerkennung einer Pflegebedürftigkeit – ebenso auf dem Laufenden halten wie über neue Software und technische Innovationen. Dank Fortschritten in der Robotertechnologie könnten beispielsweise schon bald technische Assistenzsysteme auf den Markt kommen, die Pflegekräfte bei Routinetätigkeiten wie der Essen- oder Medikamentenabgabe unterstützen. „Pflegeroboter“, die menschliche Pflegekräfte ersetzen können, sind aktuell aber noch Zukunftsmusik. <<

Portrait von Johanna Knüppel.

Interview mit Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe

Pflege ist der Jobmotor der Zukunft

Frau Knüppel, wie hat sich der Pflegesektor in den vergangenen Jahren verändert?
Johanna Knüppel: In den letzten Jahren sind viele pflegerische Studiengänge entstanden. Der Bedarf ist gestiegen, das sieht man am Stellenmarkt: Pflegepädagogen und Führungskräfte aller Ebenen sind sehr gefragt, aber auch Pflegeexperten mit speziellem Fachwissen. Auch für den Bereich Altenhilfe entwickelt sich ein boomender Markt, in dem Pflegemanager gebraucht werden. Die Versorgungssituationen werden immer komplexer: Sie zu bewältigen und auch zu steuern, erfordert hohe Kompetenz.

Welche Voraussetzungen müssen Berufseinsteiger erfüllen?
Johanna Knüppel: Für die Aufbau-Studiengänge sollten sie pflegerische Berufserfahrung mitbringen. Ansonsten wird selbstverständlich Belastbarkeit erwartet, denn der Druck in diesem Berufsfeld nimmt aufgrund von wirtschaftlichen Zwängen, denen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen unterliegen, stetig zu.

Wie sehen die Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Bereich aus?
Johanna Knüppel: Die beruflichen Aussichten für Akademiker sind gut. Neben den weiterbildenden Studiengängen Pflegemanagement, Pflegewissenschaft und Pflegepädagogik bieten zahlreiche grundständige Studiengänge mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, beispielsweise der Bachelor of Nursing, große und kontinuierlich wachsende ­Chancen auf dem Arbeitsmarkt Gesundheitswesen. <<

Das Studium therapeutischer Berufe wie etwa Physiotherapie oder Logopädie ist mittlerweile etabliert. Wer ein grundständiges Studium nicht im ersten Schritt absolvieren möchte, kann auch eine dreijährige Ausbildung ablegen und ein Aufbaustudium anhängen. Es empfiehlt sich, zunächst Praxiserfahrung zu sammeln und das Studium nicht direkt im Anschluss anzugehen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass Akademikern zu Beginn praktische Erfahrung fehlt, sie durch das Studium jedoch besser vorbereitet werden auf wissenschaftliches Arbeiten, effiziente Informationsbeschaffung und analytisches Denken.

Eine gute pflegerische Versorgung, etwa für psychisch kranke Menschen, setzt viele Kernkompetenzen voraus. Dazu gehören eine fundierte theoretische und praktische Ausbildung sowie eine ausgeprägte Reflexionsfähigkeit der eigenen Tätigkeit. Am besten geht das durch praktische Erfahrungen. Möglich ist das zum Beispiel im Rahmen eines dualen Studiums in der Pflege, wie es etwa von den Bezirkskliniken Mittelfranken in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Nürnberg angeboten wird.

Pflegepädagogen sind sehr begehrt, nicht nur an beruflichen Schulen und Hochschulen, sondern auch in vielen anderen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens. Das merken wir hier deutlich; wir hätten nach Ausschreibungen gerne mehr Bewerber. Voraussetzung für eine Tätigkeit an unserer Schule ist neben der pädagogischen Qualifikation auch praktische Erfahrung im erlernten Gesundheitsberuf. Elementar für diesen anspruchsvollen und schönen Beruf sind fachliche und soziale Kompetenzen – also vor allem das Interesse, Menschen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung begleiten zu wollen, um sie zu einem professionellen Pflegehandeln zu befähigen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Ergotherapie
  • Gesundheitsvorsorge (Prävention)
  • Gesundheitswissenschaften
  • Kunsttherapie
  • Leitungsaufgaben und Mitarbeiterführung
  • Logopädie, Sprachtherapie
  • Musiktherapie
  • Patientenbetreuung
  • Pflege-, Medizinpädagogik
  • Pflegemanagement
  • Pflegewissenschaften
  • Physiotherapie
  • Rehabilitation
  • Unterricht, Lehrtätigkeit

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz
  • Einfühlungsvermögen (Empathie)
  • Entscheidungsstärke
  • Kommunikationsstärke
  • Motivationsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • psychische und emotionale Stabilität
  • Selbstorganisation
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/pflege-und-therapie-nichtarztlich